Wie ein Verein in Windeck den Traum vom "Wilden Westen" lebt
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Zwischen Cowboy-Hüten und Country-Musik lebt in Windeck der "Wilde Westen" wieder auf. Auf der Ranch des Vereins "Sieben Ratsfeuer" treffen sich die Mitglieder, um in eine andere Welt einzutauchen. Zu Besuch an einem Ort, der für die Mitglieder zur zweiten Heimat geworden ist.
Von Josefine Upel, (Text) und Anette Flentge (Multimedia)
Zwei Männer stehen auf der hölzernen Veranda des "Saloons" in Windeck. Abwechselnd heben sie ihre Arme und zielen mit Luftpistolen auf eine kleine Papierzielscheibe, die einige Meter von ihnen entfernt ist. Ein Klicken ertönt beim Abzug, die Patrone pfeift durch die Luft. Knapp am Ziel vorbei. "Ich seh' schon, heute gibt's wieder nur Haferbrei!", ruft ein Zuschauer und Gelächter bricht aus. Vor dem Saloon haben sich die Mitglieder des Vereins "Sieben Ratsfeuer" versammelt. Die Frauen tragen weite, ausgestellte Kleider, die Männer Jeans, Stiefel, Weste und Cowboyhut.
Spaß und Sprüche gehören bei den Schießübungen in Windeck dazu
00:20 Min.. Verfügbar bis 15.11.2027.
Alles auf dem ehemaligen Bauernhof in Windeck wirkt, als wäre es dem "Wilden Westen" entsprungen. Der Begriff beschreibt die Zeit der US-amerikanischen Expansion nach Westen. Siedler suchten nach Land und Wohlstand, Cowboys trieben Rinderherden über staubige Ebenen, indigene Völker wurden gewaltsam verdrängt. Im späten 19. Jahrhundert endete die Epoche.
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Aus einem realen Ort wurde ein Mythos über Abenteuer, Freiheit und Heldentum. Figuren wie Winnetou, Old Shatterhand und Lucky Luke faszinieren bis heute. So geht es auch den 26 Mitgliedern des Vereins "Sieben Ratsfeuer". Im echten Leben sind sie Lkw-Fahrer, Bäcker, Bauingenieurin oder Sozialarbeiter, am Wochenende Abenteurer im Westernlook. In Windeck lassen sie ihre Version des "Wilden Westens" wieder aufleben.
Mit Liebe zum Detail: Westernstadt in Windeck
Der Verein wurde in den 1950er-Jahren in Köln gegründet. Aus einem Kellerprojekt erwuchs nach und nach eine kleine Westernstadt, die die Mitglieder in der Gemeinde Windeck im Rhein-Sieg-Kreis aufbauten. Das Ehepaar Wolf gehört zu den ersten Mitgliedern. "Mich hat die Geschichte interessiert. Ich habe mir auch viele Unterlagen und Bücher besorgt und geschaut: Wie war das früher, wie haben die Menschen gelebt?", erzählt Herbert Wolf.
Die Ranch der "7 Ratsfeuer" in Windeck
So entstand über die Jahre mit viel Liebe zum Detail eine kleine Parallelwelt. "Das war viel Arbeit. Es hat viele, viele Samstage gebraucht, bis wir das so hatten, wie es jetzt ist", sagt Wolf. Heute gibt es auf der Ranch sogar eine kleine Gefängniszelle und Zimmer, in denen die Mitglieder übernachten können.
Ganze Generationen verbringen ihre Wochenenden hier und trainieren Lassowerfen, Bogenschießen oder ihre Trinkfestigkeit im Saloon. Auch Andrea Siemund, die Tochter des Ehepaars Wolf, ist mit diesem Ort aufgewachsen und liebt ihn so wie ihre Eltern.
Warum der Western-Verein Andrea Siemund so begeistert
00:28 Min.. Verfügbar bis 15.11.2027.
Gerade steht Siemund im rustikal eingerichteten Saloon hinter dem Tresen und dreht die Kurbel einer alten, dunkelbraunen Kasse mit runden Tasten. Mit einem Quietschen springt die Kasse auf. Die Bankchefin nimmt einen Zehn-Euro-Schein entgegen und wechselt ihn gegen Dollarscheine. Damit bezahlen die Mitglieder auf der Ranch. "Das ist einfach netter so", sagt Siemund und lächelt.
Ein Ort der Entschleunigung
Andere Vereinsmitglieder verteilen währenddessen Drinks, sitzen an der Bar oder den Holztischen. Aus Lautsprechern erklingt der Country-Song "Let Your Love Flow". Herbert Wolf klatscht im Takt der Musik. Auf einer kleinen Tanzfläche fängt ein Pärchen an zu tanzen. Miriam und Alex Mies haben vor ein paar Monaten sogar ihre Hochzeit auf der Ranch gefeiert. "Hier läuft alles zwei Gänge langsamer, man kommt zur Ruhe, und das tut der Seele einfach gut", findet Alex Mies.
Countrymusik statt Großstadttrubel: Miriam und Alex Mies genießen die Ruhe auf der Ranch
Der Verein finanziert sich über die Mitgliedsbeiträge von 25 Euro pro Monat und die Vermietung der Zimmer. "Wer Interesse hat, uns zu besuchen, kann immer gerne vorbeikommen. Man muss sich das einfach mal live angucken", sagt der Vereinsvorsitzende Fredi Harder.
Über dieses Thema haben wir auch am 21.10.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Bonn, 19.30 Uhr.