Ralph Achenbach steht auf einem Feldweg und stütz sich mit beiden Händen auf sein Spektiv, das auf einem Stativ steht. Er trägt ein gemustertes Hemd und einen Rucksack.

Auf Entdeckungstour mit einem Ornithologen: Arktische Zugvögel in der Siegaue

Heimatliebe

Stand:

In kaum einer Region in NRW machen so viele Zugvögel eine Pause wie im Rhein-Sieg-Kreis. Saftige Auen, nahrhafte Felder und schützende Seen machen die Region so beliebt. Ornithologe Ralph Achenbach nimmt uns mit auf eine Expedition in die Siegaue.

Von Marc-André Schröter

Mit Fernglas, Spektiv und Fotoapparat ist Ralph Achenbach bepackt, als er die letzte Anhöhe kurz vor der Siegaue hinaufläuft. "Da ist schon der Sperber", ruft er und stellt sofort das Spektiv, ein spezielles Beobachtungsfernrohr, auf. Aber zu langsam. "Der Sperber ist schon wieder weg. Egal. Wir werden den Greifvogel vielleicht später wiederentdecken." Weiter geht es. Noch weiß der Bonner nicht, dass er heute viel Geduld haben muss.

 

Ralph Achenbach findet die meisten Zugvögel anhand ihrer Rufe

00:11 Min. Verfügbar bis 28.10.2027

Schon als Kind hat er unermüdlich Ausschau nach Vögeln gehalten. Heute ist Achenbach in der Entwicklungshilfe tätig, die Vogelkunde hat sich zu einem zeitintensiven Hobby entwickelt. "Während der Zug-Zeit kann immer was Überraschendes passieren. Das ist für mich wie das Salz in der Suppe." Der Ornithologe verlässt sich bei der Suche nicht nur auf seine Augen, oft hört er die Zugvögel viel früher - die verschiedenen Rufe kann er mittlerweile gut auseinanderhalten.

Diese Vögel sind Ralph Achenbach vor die Kamera geflogen

Fotogalerie

Saatgänse im flachen Wasser. Vier von ihnen sind grade dabei loszufliegen während ein Großteil von ihnen noch im Wasser treibt.

Diese Saatgänse hat Ralph Achenbach am frühen Morgen fotografiert.

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Diese Saatgänse hat Ralph Achenbach am frühen Morgen fotografiert.

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Der Hobby-Ornithologe hat diesen Kiebitzregenpfeifer ganz nah abgelichtet.

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Dieser Kranich steht ganz alleine im Feld.

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Auf diesem Zweig sitzt eine Rotdrossel.

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Kraniche gleiten durch die Lüfte.

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Durch ein kleines Waldgebiet geht es zum Sieglarer See. Das Kreischen von Gänsen ist schon von Weitem zu hören. Mitten im See liegt eine Insel, die voll mit Gänsen ist. "Ahh, da sind schon mal Graugänse", sagt er mit aufgeregter Stimme. Er hat auf einer Ornithologen-Plattform im Internet gesehen, dass einer seiner Kollegen hier schon Saatgänse entdeckt haben will. "Ich bin gespannt, ob wir die Ersten entdecken. Sie werden hier am See sogar überwintern", sagt Achenbach.

Zugvögel und die Vogelgrippe

Derzeit breitet sich unter wildlebenden Vögeln und auch Zuchttieren in Deutschland die Vogelgrippe aus - und hat auch NRW erreicht. Seit Anfang Oktober haben die Behörden landesweit sechs Fälle registriert.

Die Vogelgrippe, auch Geflügelpest genannt, ist eine für Vögel hoch ansteckende und tödliche Krankheit. Seit 2006 gab es in Deutschland mehrere Ausbruchswellen. Dabei verbreiten vor allem Wildvögel das Virus durch ihr Zugverhalten im Herbst.

Besondere Schwärme von Zugvögeln kann man im Rheintal immer wieder beobachten. Zum Beispiel hunderte Stare, die in spektakulären Formationen wie Fischschwärme blitzartig die Richtung wechseln. In dieser Jahreszeit sind sie mit ein bisschen Glück auch über den großen Städten zu sehen.

Störche auf der Reise nach Afrika

Ein solches Glück hatte auch Kirsten Reiche aus Alfter. Bei einem Morgen-Spaziergang über ein Feld bei Witterschlick traute sie ihren Augen nicht. 85 Störche hatten sich überall breitgemacht. Sie machten hier eine Pause auf ihrer langen Reise bis nach Afrika.

Etliche Störche rasten auf einer Feldwiese, die in warmes Morgenlicht getaucht ist. Im Hintergrund sieht man mehrere Häuse und einen Wald.

Die Störche sind nur auf der Durchreise

Auch Zugvögel wie Blässgänse, Rotdrosseln oder Kraniche fühlen sich hier wohl. Das liegt an der abwechslungsreichen Landschaft, sagt Ralph Achenbach. "Auf den Feldfluren finden sie genug Nahrung und in den angrenzenden Auen und Seen in der Nacht einen geschützten Schlafplatz."

Achenbach sucht mittlerweile schon mehr als eine Stunde am See nach den Saatgänsen. Und endlich: Mitten auf dem See tauchen die besonderen Gänse plötzlich auf. "Da sind sie!", ruft der Ornithologe aufgeregt und richtet sein Spektiv auf die Vögel aus.

Um die Gänse zu unterscheiden, muss man genau hinschauen

00:11 Min. Verfügbar bis 28.10.2027

Saatgänse brüten in den arktischen Gebieten von Europa und Asien. Nun ist das erste Paar in ihrem Winterquartier am Sieglarer See angekommen. Das Problem: Auch viele Menschen suchen hier Erholung, oft mit freilaufenden Hunden, die die erschöpften Tiere aufscheuchen. An diesem Tag aber bleiben die Vögel ungestört und Achenbach ist nach zwei Stunden mit seiner Tour zufrieden. Er freut sich jetzt auf die Kraniche, die in den nächsten Wochen laut trompetend über das Rheintal ziehen.

Über dieses Thema haben wir auch am 14.10.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Bonn, 19.30 Uhr.