Für Martina Rohn ist Jagen eine Leidenschaft
Jung, weiblich, Jägerin: Was immer mehr Frauen an der Jagd begeistert
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An einem kalten Morgen beginnt Martina Rohn ihren Tag auf dem Hochsitz - mit einem klaren Ziel: nachhaltige Jagd im Einklang mit der Natur. Die 30-Jährige steht für eine neue Generation von Jägerinnen, die mit Geduld, Respekt und Verantwortung dem Wild begegnen.
Es ist kalt und bewölkt an diesem Donnerstagmorgen in Ruppichteroth im Rhein-Sieg-Kreis. Nur ein paar Sonnenstrahlen kommen durch die Wolken durch. Als Martina Rohn aus ihrem Auto steigt, sitzt die Ausrüstung schon perfekt: Tarnhose, dunkelgrüne, wasserdichte Jacke, robustes Schuhwerk und ein schicker Jagdhut. Vor allem das Gewehr darf natürlich nicht fehlen. Mit dabei ist auch Jagdhund Ennio - er hat eine gute Nase, erzählt die 30-Jährige.
Für Martina Rohn ist Jagen mehr als ein Hobby
00:12 Min.. Verfügbar bis 17.07.2027.
Seit drei Jahren ist Rohn Jägerin, alle paar Wochen geht es dafür ins Bergische Land zu ihrem Jagdsitz: entweder ganz früh morgens oder abends kurz vor der Dämmerung. "Jagd ist etwas, dafür braucht man Zeit. Die Tiere zeigen sich meistens am Waldrand entlang. Dann versuche ich erstmal ein bisschen zu beobachten. Wir Jäger nennen das ansprechen", erklärt die Jägerin.
Jagd als Leidenschaft: Wie Martina Rohn zur Jägerin wurde
Zum Jagen ist Rohn durch ihr Geografiestudium mit Fokus auf Ökologie gekommen. Seitdem ist das Jagen zu ihrer großen Leidenschaft geworden. So geht es vielen, denn Jagen boomt. Allein letztes Jahr haben in Deutschland über 21.000 Personen die staatliche Jagdprüfung abgelegt - der dritthöchste Wert seit 75 Jahren. Auch junge Frauen interessieren sich dafür: In den Jagdschulen des Deutschen Jagdverbandes liegt der Anteil von Frauen bei 24 Prozent - vor 25 Jahren gab es gerade mal ein Prozent Frauen. Jagen wird also nicht nur beliebter, sondern auch weiblicher. Darüber freut sich auch Rohn.
Mit einem Fernglas sitzt Rohn auf ihrem Jägerstand, den Hut hat sie abgenommen. Still und konzentriert schaut sie in die Ferne und beobachtet, ob passende Tiere unterwegs sind. Für die Jagd braucht man ausreichend Zeit und vor allem viel Geduld, erzählt sie: "Wenn ich zehnmal jagen und auf die Pirsch gehe, dann bin ich ungefähr bei einem Mal erfolgreich. Die Quote ist also nicht super hoch."
Von ihrem Hochsitz aus hat Martina Rohn gute Sicht über ihr Jagdgebiet
Martina Rohn will nachhaltig und ethisch jagen
Einsam fühle sie sich auf dem Hochsitz nicht: Einfach die Stille und die Natur genießen, das würden wir in unserem schnelllebigen Alltag sowieso viel zu wenig machen, findet sie. Aber auch ethische Überlegungen spielen eine Rolle, sagt Rohn: "Für mich ist ein Beweggrund, zur Jagd zu gehen, die ethische Gewinnung von Fleisch, von Wildbrät, einem super wertvollen Lebensmittel. Ich habe dadurch auch gelernt, wie viel Anstrengung hinter der Gewinnung von hochwertige Fleisch steckt. Aber auch der Naturschutzgedanke ist wichtig: Jagd ist vor dem Gesetz aktiver Naturschutz".
Einfach ein beliebiges Tier erschießen, ist laut Jagdkodex verboten, erklärt Rohn. Rehwild beispielsweise müsse seitlich zu einem stehen, damit der Schuss sicher in die Lunge trifft und das Tier sofort tot umfällt. So soll Tierleid ausgeschlossen werden.
Wie die Jägerin auf Kritik reagiert
Einige Tierarten werden auch vermehrt geschossen, um andere Tierarten zu schützen und mehr Gleichgewicht in das Ökosystem Wald zu bringen.
Was Martina Rohn meistens jagt
00:22 Min.. Verfügbar bis 16.07.2027.
Auch wenn der Frauenanteil unter Jägern steigt, müsse man sich als Frau erstmal in eine Männerdomäne reinkämpfen, erklärt Rohn. Und auch sonst hat sie es immer wieder mit Vorurteilen zu tun. Diesen möchte sie aber offen begegnen: "Deswegen möchte ich an der Stelle alle einladen, die neugierig oder vielleicht auch skeptisch sind, einen Jäger direkt zu fragen. Einfach, dass wir miteinander ins Gespräch und wir zeigen können, was Jagd alles ausmacht".
Über dieses Thema haben wir auch am 26.05.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Köln, 19.30 Uhr.