Die meisten Instagram-Kommentare
Anfang September 2025: Halb Essen tippt sich die Finger wund. Es wird kommentiert, kommentiert, kommentiert. Unter ein gepostetes Video der Seite "essendiese" auf Instagram. Sie macht mit beim Meme-Duell von 1LIVE und der WDR Lokalzeit. Das Ziel: So viele Kommentare unter einem Instagram-Post wie möglich.
Und was möglich ist, zeigen die Essener. Innerhalb von 48 Stunden kommentieren sie das Video mit Eindrücken aus Essen fast 22 Millionen Mal. Mal einfach nur mit Herzchen oder Flammen-Symbolen, oft aber auch mit eigenen Videos und Geschichten. Am Ende steht ein deutscher Rekord, sagen die Macher von "essendiese". Sie schwärmen vom "Zusammenhalt innerhalb der Stadt", genauso wie die Essener selbst.
Wie die Essener den Kommentar-Rekord erlebt haben
00:17 Min.. Verfügbar bis 26.11.2027.
Neben Essen machen auch Seiten aus Aachen, Bonn, Gelsenkirchen, Münster und Paderborn beim Duell mit. Die Aachener Seite "ACbushofmemes" gewinnt am Ende. Sie hat zwar weniger Kommentare unter ihrem Video, für den Sieg zählt aber das Verhältnis von Kommentaren zu Followern.
Das älteste Werkzeug
Feuerstein, 8,3 Zentimeter groß, scharfe Kante. 1926 wurde dieses Steinzeit-Messer beim Bau des Rhein-Herne-Kanals in Essen-Vogelheim gefunden. Und passenderweise auf den Namen "Vogelheimer Klinge" getauft. Das Messer ist zwischen 200.000 und 300.000 Jahre alt, die Schätzungen gehen da weit auseinander. Klar ist aber: Es ist bis heute das älteste gefundene Werkzeug im Ruhrgebiet und damit auch der bisher älteste Beleg für Besiedlung in der Region.
Kleines Stück, große Geschichte: die "Vogelheimer Klinge"
Das Messer lag an einem alten Bachbett. Zusammen mit dem angekohlten Fußknochen eines Löwen und anderen Knochenresten. Archäologen gehen davon aus, dass Neandertaler am Ufer des Baches gerastet und ihren Müll liegen gelassen haben. Heute kann man sich die Klinge, die Essen-Vogelheim ein Stück berühmter gemacht hat, im Ruhrmuseum auf Zollverein angucken.
Das höchste Rathaus
Der Blick ist gigantisch. Über den Dom, die Alte Synagoge und die Essener Skyline. Über ein Häusermeer mit vielen grünen Flecken dazwischen. Und sogar bis hinüber in die Nachbarstädte. Das ist der Blick von der 22. Etage des Essener Rathauses aus, in rund 100 Metern Höhe. Er bietet sich vor allem Gästen bei Veranstaltungen und Empfängen.
Besonderer Blick vom Rathaus auf die Essener Skyline
Insgesamt ist das Essener Rathaus 106 Meter hoch. Damit ist es das höchste Rathaus in NRW und immerhin das dritthöchste in Deutschland. Nur in Leipzig und Hamburg stehen etwas höhere Rathäuser.
Wegen seines Rathauses, oder genauer wegen seines fehlenden Rathauses, hat Essen übrigens jahrelang Spott auf sich gezogen. Denn ganze 15 Jahre lang hatte Essen überhaupt kein Rathaus. Das alte Gebäude hatte die Stadt Anfang der 1960er Jahre verkauft, es wurde abgerissen und durch ein Warenhaus ersetzt. Die Pläne für ein neues Rathaus waren da noch nicht besonders konkret. Mit der Eröffnung des neuen Rathauses 1979 waren die Spötter dann ruhiggestellt.
Die größte Zeche
23.000 Tonnen Kohle. Jeden Tag. Die Essener Zeche Zollverein war nach ihrem Ausbau Anfang der 1930er Jahre die größte und leistungsstärkste Zeche der Welt. Und weil das an Superlativen nicht genug ist, galt sie auch noch als die weltweit schönste Zeche. 1986, einen Tag vor Heiligabend, ist Schluss. Zollverein schließt als letzte von einst fast 300 Zechen in Essen. Ein paar Jahre später wird auch die benachbarte Kokerei stillgelegt.
Das Aus ist gleichzeitig ein Anfang. Die großen rot-braunen Hallen, die hohen gemauerten Schornsteine und die rostigen Industrieanlagen werden nach und nach saniert. Teile des riesigen Geländes erobert sich die Natur zurück, überall wachsen Bäume, Büsche und Blumen. 2001 wird Zollverein mit dem markanten Doppelbock-Förderturm zum UNESCO-Welterbe erklärt.
Heute ziehen das Ruhr Museum mit seiner orangen Rolltreppe, das Red Dot Design Museum mit außergewöhnlichem Industriedesign oder die große Parkour-Anlage die Besucher an. Rund anderthalb Millionen, jedes Jahr. Damit ist Zollverein die Sehenswürdigkeit mit den zweitmeisten Besuchern in NRW. Nur der Kölner Dom hat mehr Besucher.
Das einzige Stahlbuch
Ein "Goldenes Buch der Stadt", das kann ja jeder. In Essen gibt es ein deutschlandweit einmaliges "Stahlbuch", in das sich Prominente und Staatsgäste eintragen. In den 1930er Jahren wurde das besondere Buch angefertigt. Mit Buchdeckeln aus rostfreiem Edelstahl aus der Schmiede der Firma Krupp. Das Gewicht: rund 20 Kilogramm.
Deutschlandweit einzigartig: das "Stahlbuch" der Stadt Essen
Die Königin der Niederlande Beatrix und die schwedische Königin Silvia haben sich in dem Buch mit den aufwändig von Hand gestalteten Seiten verewigt. Genauso Bundespräsidenten von Theodor Heuss bis Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler von Helmut Schmidt bis Angela Merkel oder der Staatsratsvorsitzende der DDR, Erich Honecker. Nur eine Seite vor ihm: Papst Johannes Paul II.
Dazu kommen Sportler von Box-Weltmeister Muhammad Ali bis zum vierfachen Essener Kanu-Olympiasieger Max Rendschmidt. Anfangs haben sich auch viele NS-Politiker ins "Stahlbuch" eingetragen. Diese Seiten wurden in den 1950er Jahren herausgenommen und lagern heute im Essener Stadtarchiv. Der einmalige Einband ist jedoch geblieben.
Das längste Wanderwegenetz
Rucksack packen, Wanderstiefel schnüren und dann durch grüne Wiesen und steile Anstiege hinauf. In Essen. Echt jetzt, in Essen? Ja, hier gibt es nämlich das größte urbane Wandernetz aller deutschen Großstädte. In den letzten Jahren sind in Essen vier große Rundwanderwege entstanden, mit insgesamt über 100 Kilometern Länge.
Wandern mit Aussicht: der Essener Baldeneysee
Auf dem Baldeneysteig und dem Kettwiger Panoramasteig geht es durch den Essener Süden, vorbei am Baldeneysee und Bauernhöfen, durch Wälder und Wiesen. Auch im Norden kann man wandern, der Zollverein-Steig führt durch Zechensiedlungen und die Schurenbachhalde hinauf. Der Deilbach-Steig verbindet Essen mit Hattingen und Velbert.
Die einzelnen Wege sind zwischen 26 und 33 Kilometer lang, also etwas für gut trainierte Wanderer. Man kann aber auch nur Teilstücke laufen oder die Strecken mit Bus und Bahn abkürzen. Dass Essen als Großstadt so lange Wanderwege hat, ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch ausgezeichnet. Auf der Strecke des Baldeneysteigs verläuft der erste Teil des "Bergischen Wegs" - er wurde 2024 vom "Wandermagazin" zu Deutschlands schönstem Wanderweg gekürt.
Das größte Einfamilienhaus
399 Räume und über 11.000 Quadratmeter Wohnfläche. Anfang der 1870er Jahre lässt sich der Industrielle Alfred Krupp im Essener Süden ein neues Domizil bauen. Hoch über dem Baldeneysee, mitten im Grünen, weit entfernt von den rauchenden Fabrikschloten. Schnell gilt die Villa Hügel als das größte Einfamilienhaus des damaligen Deutschen Reiches.
Die Villa Hügel heute und damals
00:18 Min.. Verfügbar bis 26.11.2027.
Und auch als das modernste. Krupp lässt in sein Haus die erste Klimaanlage der Welt einbauen. Die funktioniert allerdings anfangs nicht, im Haus ist es bitterkalt. Erst nach vielen Umbauten hält man es zu allen Jahreszeiten in der Villa aus. Überhaupt wird das Haus über die Jahrzehnte immer wieder umgebaut, soll repräsentativer und gemütlicher werden.
Denn wichtige Staatsgäste geben sich die Klinke in die Hand. Allein Kaiser Wilhelm II. besucht die Villa Hügel neun Mal, hat im Haus sogar sein eigenes Kaiserbad. Später kommt auch Adolf Hitler, Krupp wird zur "Waffenschmiede des Reiches". Bis 1945 bleibt die Villa Hügel das Wohnhaus der Familie Krupp. Heute gibt es dort Ausstellungen und Führungen. Und der riesige Park um die Villa lockt jedes Jahr zehntausende Besucher an.
Die erste Gartenstadt
Sie ist einer von 50 Essener Stadtteilen, aber ein ganz besonderer: die Margarethenhöhe. Benannt nach Margarethe Krupp, die Anfang des 20. Jahrhunderts für bessere Lebensbedingungen der Menschen in Essen sorgen will. Mit einer modernen und grünen Siedlung. Von 1909 bis 1938 entsteht auf ihre Initiative hin die Gartenstadt, sie gilt als die allererste.
Charmanter Zeitsprung: die Essener Margarethenhöhe
Die Häuser und Wohnungen sind für die damalige Zeit besonders geräumig, haben Wasseranschlüsse und Toiletten. Außerdem hat jedes Haus einen kleinen Garten zur Selbstversorgung. Ein kleines Paradies für viele Krupp-Mitarbeiter, aber auch andere Essener. Im Zweiten Weltkrieg werden große Teile der Siedlung zerstört, danach aber wieder originalgetreu aufgebaut.
So hat die Essener Margarethenhöhe bis heute ihren Charme behalten. Die Häuschen mit den vielen Fensterläden stehen unter Denkmalschutz, ein Rundgang wird damit zur kleinen Zeitreise. Viele der Bewohner und Besucher freuen sich auch über die schönen Straßennamen, die so wohl einzigartig sind: "Daheim", "Schöngelegen" oder "Trautes Heim".