Ein älterer Mann sitzt auf einer Stufe in seinem Garten. Im Hintergrund stehen eine Lore und ein Förderturm.

Bergmann für immer: In diesem Essener Garten schlägt das Ruhrpott-Herz höher

Heimatliebe

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Der ehemalige Bergmann Udo Schwamborn hat auch nach seiner Pensionierung weiter malocht, nur nicht mehr unter, sondern über Tage. In seinem Garten in Essen-Karnap ist ein Ort entstanden, der Bergbaugeschichte erzählt und den Pütt weiterleben lässt.

Von Solveig Bader

Udo Schwamborn geht durch sein Gartentor und ist in seinem ganz persönlichen Paradies. Stolz wandert sein Blick hinüber zu einem rostbraunen Förderturm am anderen Ende des Gartens. "Wenn ich in den Garten reinkomme, seh' ich schon Zeche, und dann geht's mir gut", sagt der 68-Jährige im typisch Essener Ruhrpott-Slang. Der etwa zwei Meter hohe Doppelbock erinnert ihn an seine Zeit auf der Zeche Zollverein in Essen. Hier machte er seine erste und letzte Schicht.

Leidenschaft für den Bergbau

Jahrzehntelang prägte der Bergbau das Ruhrgebiet. In den 1950er-Jahren arbeiteten hier laut LWL 600.000 Bergleute in 150 Zechen. Schwamborn arbeitete 35 Jahre unter Tage, die meiste Zeit bei der Grubenwehr: Brände löschen, Verschüttete retten, Tote bergen. Ein harter Job, aber die Kameradschaft habe ihn fasziniert. "Jeder war für den anderen da", erinnert sich Schwamborn. 2003 war der letzte große Grubenbrand auf der Zeche Prosper Haniel. "Das war mein letzter großer Einsatz." 2004 ging er in den Vorruhestand.

Udo Schwamborn schwelgt in Erinnerungen aus seiner Zeit als Bergmann

00:22 Min. Verfügbar bis 22.07.2027

Noch während seiner Dienstzeit fing der Bergmann an, alles zu sammeln, was mit Bergbau zu tun hat. "So versuche ich die Bergbaukultur zu erhalten, damit meine Enkelkinder auch mal sagen können: 'Mein Oppa war auffer Zeche und der hat dat geschaffen'", sagt Schwamborn.

Ein Garten, in dem pure Bergbau-Liebe steckt

Loren, Grubenlampen, Helme, Glückauf-Schilder: Hunderte Bergbau-Devotionalien zieren seinen etwa 500 Quadratmeter großen Garten in einer Zechensiedlung im Essener Norden. In einer kleinen Lore steckt eine rostige Zange. "Die ist noch von meinem Vater", sagt Schwamborn. "Der war damals Schmied auf der Zeche und hat mir den Job als Bergmann verschafft." Eigentlich hat Schwamborn Fleischermeister gelernt, aber "auffer Zeche konnte ich viel mehr Geld verdienen."

Überall im Garten hat Schwamborn Wege aus Pflastersteinen verlegt. Allein schon wegen ihrer rotbraunen Farbe hat der Garten Zechencharme. Schwamborns großer Stolz ist ein schwarzer Tisch auf Rädern. "Das war mal eine Lore von Zollverein. Darauf wurden früher Rohre transportiert. Ich hab einfach Holzpanelen draufgeschraubt und sie als Tisch umfunktioniert", erzählt der ehemalige Kumpel stolz und setzt sich seufzend auf die dunkelbraune Holzbank. "Das Holz kommt auch von unter Tage."

Warum der Garten bei Udo Schwamborn Urlaubsgefühle auslöst

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Ohne seine Frau wäre der Garten allerdings nicht das, was er heute ist. Viele Stunden haben die Eheleute gemeinsam im Garten malocht. Als gelernte Floristin kümmert sich Marion Schwamborn darum, dass das Zechenambiente nicht aus dem Ruder läuft und nicht alles rostig aussieht, sondern auch grün.

Ein älterer Mann und eine ältere Frau sitzen auf einer Bank in ihrem Garten und lächeln in die Kamera.

Udo und Marion Schwamborn verbringen viel Zeit in ihrem Garten

Viele Pflanzen zieren alte Metallkübel, auf denen Bergmänner mit Schlägel und Eisen abgebildet sind. "Wenn es nach meinem Mann ginge, hätten wir hier eine reine Zechenlandschaft, aber so haben wir uns gegenseitig ergänzt und fühlen uns wohl im Garten", sagt Marion Schwamborn.

Bergbaukultur lebt weiter

Udo Schwamborn steht in seinem Gartenschuppen an einer Werkbank und feilt an einem Stück Kohle. "Das hab ich damals von Zollverein mitgenommen, liegt schon viele Jahre hier herum. Jetzt mache ich es passend, dass es auf einen Ständer passt." Die Ideen gehen dem 68-Jährigen nicht aus.

Und zwischendurch bleibt immer noch Zeit, um mit seiner Frau gemeinsam auf der Schaukel im Garten zu sitzen oder mit Nachbarn und ehemaligen Kumpeln über alte Zeiten zu reden, die regelmäßig zu Besuch kommen. Die letzte Zeche im Ruhrgebiet, das Bergwerk Prosper Haniel in Bottrop, machte Ende 2018 dicht. Damit endete die Ära des Steinkohlebergbaus im Ruhrgebiet. Aber nicht im Bergmann-Garten in Essen-Karnap.

Über dieses Thema haben wir auch am 15.07.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.