Volkan Eren ist Kontaktbeamter für interkulturelle und interreligiöse Angelegenheiten in Essen
Handschlag statt Handschellen: Dieser Polizist vermittelt im Ruhrgebiet
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Volkan Eren ist kein gewöhnlicher Polizist. Er ermittelt nicht, sondern vermittelt - für mehr Verständnis und Sicherheit im Ruhrgebiet. Durch den Austausch mit Menschen verschiedenster Kulturen, Religionen und Nationalitäten will er Brücken bauen.
Brücken bauen
9 Uhr morgens. Polizeihauptkommissar Volkan Eren läuft die Stufen des Essener Polizeipräsidiums hinunter und steigt in seinen Wagen. Er trägt Uniform, ist aber in seinem privaten Pkw unterwegs. "Ich habe heute zwei Termine: Zuerst besuche ich den Verein Viertelimpuls e.V. in der nördlichen Innenstadt, der mit Imageproblemen zu kämpfen hat. Anschließend bin ich mit der bosnischen Gemeinde in der neuen Moschee verabredet."
Eren war viele Jahre auf Streife. Nun ist er der erste Kontaktbeamte für interkulturelle und interreligiöse Angelegenheiten (KIA) für Essen und Mülheim in Vollzeit. Der 43-jährige Beamte mit türkischen Wurzeln besucht Kirchen, Moscheen, Vereine und Gemeinden - und hat immer ein Ziel: Mit Menschen ins Gespräch zu kommen. "Die Polizei braucht einen Kontaktbeamten, um mehr Wissen über die Zusammenhänge und Belange der unterschiedlichen Communitys in den Stadtvierteln zu erlangen", sagt Eren.
So meistert Volkan Eren seine Aufgaben als Kontaktbeamter
00:26 Min.. Verfügbar bis 15.08.2027.
Im Ruhrgebiet leben laut Regionalverband Ruhr Menschen aus über 150 Ländern. Der größte Ballungsraum Deutschlands ist geprägt von seiner religiösen und kulturellen Vielfalt. Doch das Zusammenleben ist nicht immer friedlich. Immer wieder gibt es Konflikte. Das haben beispielsweise vor einigen Monaten die Bewohner in der nördlichen Innenstadt in Essen zu spüren bekommen, als mittags plötzlich Schüsse fielen. Sie galten einem Libanesen, trafen stattdessen aber eine unbeteiligte Frau am Bein. Ermittlungen der Polizei ergaben, dass es um eine Auseinandersetzung im Clanmilieu ging.
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Immer wieder gibt es in Essen gewaltvolle Streitigkeiten zwischen libanesischen und syrischen Großfamilien. Die genauen Hintergründe sind für die Polizei häufig schwer zu ermitteln. Das soll sich mit dem KIA ändern. "Ich versuche mit Menschen aus diesen Communitys ins Gespräch zu kommen", sagt Eren. "Wenn wir Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in den Milieus haben, ist das natürlich ein super Gewinn für die Polizei und auch für die Gesellschaft. Ich sehe mich so ein bisschen als Brücke, als Bindeglied und hoffe dann natürlich auch polizeilich, dass wir Lösungen finden."
Polizei, dein Feind und Helfer?
Um 9.30 Uhr begrüßt Eren den Sozialaktivisten Moutasm Alyounes, der sich im Verein Viertelimpuls ehrenamtlich engagiert. Alyounes ist vor neun Jahren aus Syrien geflüchtet und plant einen runden Tisch für einen Austausch zwischen Bürgern. Ziel des Vereins ist, das Zusammenleben in Essen zu verbessern, Vorurteile abzubauen und Menschen näher zusammenzubringen. Zum ersten Mal wird die Polizei mit am Tisch sitzen. Eren wird an dem Treffen teilnehmen und mitdiskutieren.
Volkan Eren im Gespräch mit Bürgern vom Verein Viertelimpuls
Für viele Menschen in der nördlichen Innenstadt sei die Polizei kein Freund, sondern ein Feind. "Racial profiling ist hier ein großes Thema", sagt Laura Schöler, die sich ebenfalls im Verein Viertelimpuls engagiert. Sie erlebt immer wieder Menschen mit Migrationshintergrund, die die Sorge haben: "Wenn ich zur Polizei gehe, wird mir da geholfen oder bin ich nachher der Täter?"
Wie Volkan Eren mit Vorurteilen gegen ihn als Polizisten umgeht
00:28 Min.. Verfügbar bis 15.08.2027.
Eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes näherte sich diesem Thema an und kam zu dem Ergebnis, dass grundsätzlich in allen Bereichen der Polizeiarbeit das Risiko besteht, dass Menschen diskriminiert werden. "Die Polizei ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und deshalb auch nicht frei von Diskriminierung", sagte die unabhängige Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, bei der Vorstellung der Studie. Es müssten unabhängige Beschwerdemöglichkeiten für Betroffene geschaffen werden.
Zwischen den Religionen
Bei Polizeihauptkommissar Eren steht inzwischen der nächste Termin an. Um 12 Uhr ist er mit Mitgliedern der bosnischen Moschee in Essen-Karnap verabredet. Sie wollen den Neubau ihrer Moschee präsentieren, die im kommenden Jahr an einer großen Hauptstraße eröffnen soll. Händeschütteln und dann führt der stolze Imam den Kontaktbeamten ins Innere der modernen Moschee.
"Die bosnische Gemeinde spielt eine große Rolle in Essen", meint Eren. Die Mitglieder seien sehr aktiv in der Stadtgesellschaft, auch interreligiös, mit der jüdischen Gemeinschaft seien sie in engem Dialog. "Uns ist sehr daran gelegen, mit unseren Ansprechpartnern den Kontakt zu vertiefen."
Das Treffen mit den Vertretern der bosnischen Gemeinde in Essen ist für Volkan Eren ein wichtiger Termin
Die bosnische Gemeinde hat sich Anfang der 1980er-Jahre in Essen gegründet und ist eine der ältesten Gemeinden in der Stadt. Bislang hatten die Mitglieder eine Moschee im Hinterhof, sie wollen aber in der Öffentlichkeit sichtbarer sein. Als es losging mit dem Neubau, gab es zunächst Widerstand der Nachbarn. Sie wollten keine weitere Moschee haben und starteten eine Unterschriftenaktion. Inzwischen hätten sich aber die Vorbehalte gelegt, meint Eren, der auch in diesem Konflikt vermittelt hat.
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Der KIA ist jeden Tag irgendwo in Essen und Mülheim unterwegs. Auch Besuche der Hindu-, Sikh- und jüdischen Gemeinde stehen in seinem Terminkalender. Aber auch Moscheen, die nicht so offen für Gespräche sind. Eren hat zehn Jahre im Staatsschutz gearbeitet, war mit allen Ausprägungen des Extremismus befasst. Erfahrungen, die ihm bei seiner neuen Aufgabe sehr weiterhelfen.
Über dieses Thema haben wir auch am 18.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.