Angelina Schirmer sitzt auf einem Butterfly-Gerät im Fitnessstudio. Ihren rechten Arm am Gerät drückt sie nach vorne, der linke bleibt hinten.

Sport kennt keine Grenzen: Hernerin träumt von inklusivem Fitnessstudio

Füreinander

Stand:

Seit Angelina Schirmer chronisch krank ist, fällt es ihr schwer, in herkömmlichen Fitnessstudios zu trainieren. Doch auf ihren Sport will die Hernerin nicht verzichten - und plant deswegen ein ganz besonderes Gym.

Von Katharina Hollstein, Jonas Burgwinkel (Multimedia)

Angelina Schirmer sitzt auf einem Butterfly-Gerät unter dem hellen Deckenlicht eines Fitnessstudios in Recklinghausen. Angestrengt versucht sie, beide Arme vor der Brust zusammenzuführen. Mit dem rechten Arm klappt das gut, nur die linke Seite bewegt sich kaum.

Seit Schirmer 2020 an Corona erkrankt war, sind ihre Besuche im Fitnessstudio seltener geworden. Die 33-Jährige aus Herne leidet an mehreren chronischen Erkrankungen. Sie musste wieder Laufen lernen, ihre linke Körperhälfte ist zum Teil gelähmt. Wie vorher an den Geräten im Fitnessstudio zu trainieren - unmöglich. Schirmer hat einen großen Wunsch: Sie möchte im Ruhrgebiet ein eigenes, inklusives Studio eröffnen.

Dieses Element beinhaltet Daten von Facebook. Sie können die Einbettung auf unserer Datenschutzseite deaktivieren.

Der Kreis potenzieller Nutzer ist groß. Über 1,9 Millionen Menschen hatten 2023 in NRW einen Schwerbehindertenausweis. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts. Für Angelina Schirmer sind ihre Krankheiten ein harter Schlag. Früher war sie bis zu sechsmal pro Woche im Fitnessstudio, hat sogar Bodybuilding gemacht. "Ich habe manche Tage, da bin ich echt deprimiert drauf und weine auch. Gerade, wenn ich sehe, wie andere Sport machen", erzählt sie. Trotzdem versucht sie, positiv zu bleiben.

Ein Fitnessstudio für alle

Als gelernte Bauzeichnerin hat Schirmer für ihr Traum-Fitnessstudio sogar schon einen Plan entworfen. Sie möchte möglichst vielen Menschen gerecht werden. "Weil ich selbst im Alltag merke, wie schwierig es ist, einen Ort zu finden, an dem man sich wohlfühlt", erklärt sie. "Wo man nicht belächelt wird von anderen Menschen, sondern wo man so sein kann, wie man ist." Schirmer plant unter anderem breite Wege und Geräte für Menschen mit Einschränkungen zugänglicher machen. So könnten fühlbare Flächen Menschen mit Seheinschränkungen beim Training helfen. Auch Ruheräume als Rückzugsort, zum Beispiel für Menschen mit Autismus, und Einzelkabinen mit Dusche und Toilette gehören zum Konzept.

Ein ganz neu gebautes Studio würde Schirmer rund zehn Millionen Euro kosten. Sie hat erste Kontakte zur Politik geknüpft, um Fördermittel zu bekommen. Die junge Frau will kämpfen - für sich und andere.

Dieser Beitrag liefert Informationen zum Facebook-Reel der WDR Lokalzeit "Ist dieses Gym für Angelina genug inklusiv?" vom 25.11.2025, 16.23 Uhr.