Wo Inklusion Wurzeln schlägt: Ein Garten für alle in Bochum
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In diesem Garten in Bochum wird nicht nur geackert, sondern auch Inklusion gelebt. Kinder und Jugendliche mit Behinderung können hier gemeinsam anpacken, mitgestalten und Verantwortung übernehmen. Ein Ehrenamtler mit grünem Daumen und großem Herzen macht das Projekt möglich.
Von Lena Breuer
"Pass auf, dass du nicht gegen den Zaun fährst!", ruft Walat Nargili einem Jungen mit Rasenmäher zu. Der 32-Jährige trägt Arbeitsschuhe, eine kurze Jeans und ein schlichtes T-Shirt, der rötliche Vollbart ist kurz geschnitten. "Da hinten kannst du weiter mähen." Nargili beobachtet seinen Schützling, der den Rasenmäher über die Wiese schiebt, und lacht laut. "Nicht ins Beet fahren!", ruft er noch einmal lauter, dann dreht er sich weg. "Hier kann sich jeder ausprobieren. Mir ist wichtig, dass die Jugendlichen selber Verantwortung übernehmen. Wenn es am Ende nicht perfekt ist, macht das nichts."
Inklusionsgarten in Bochum: Hier wächst Gemeinschaft
Vor etwas mehr als vier Jahren begann Nargili, ein kleines, verwildertes Stück Land im Bochumer Stadtteil Altenbochum zu beackern. Gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verein "Menschenskinder" hatte er mit der Stadt den Deal gemacht: Sie dürfen den 120 Quadratmeter großen Garten gestalten, wenn er zum Inklusionsprojekt wird.
Was in Walat Nargilis Garten im Vordergrund steht
00:22 Min.. Verfügbar bis 02.09.2027.
Seitdem treffen sich hier Kinder und Jugendliche mit körperlichen und geistigen Einschränkungen und arbeiten gemeinsam im Garten. Sie bauen Hochbeete für Gemüse und Pflanzen, ein Gewächshaus, Geräteschuppen oder Sitzgelegenheiten aus Holz und Paletten. "Außerdem kommen hier ganz viele Nachbarinnen und Nachbarn, Freunde und Familienmitglieder. Jeder ist willkommen", erklärt Nargili.
In Walat Nargilis Garten packt jeder mit an
Tagsüber arbeitet er als Schulsozialarbeiter. "Ich bin teilweise bis 17 Uhr in der Schule und danach noch zwei, drei Stunden im Garten. Dann noch das Wochenende ... es geht schon viel Zeit drauf."
Aktionen für Kinder mit Behinderung
Das Gartenprojekt mit Nargili ist eins von vielen Angeboten des Vereins Menschenskinder. Es gibt unter anderem auch Kochgruppen oder Ferienfreizeiten - alles finanziert durch Spenden. Gegründet wurde der Verein 2001 von engagierten Bochumer Eltern für Familien mit körperlich oder geistig eingeschränkten Kindern. Neben Informations- und Austauschmöglichkeiten stehen auch Freizeitaktivitäten im Mittelpunkt. "Es gibt nicht viele solcher betreuten Angebote", erklärt Nargili. Und das, obwohl laut Statistischem Bundesamt in Deutschland rund 7,9 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung leben.
Warum praktisches Arbeiten für die Kinder wichtig ist
00:38 Min.. Verfügbar bis 02.09.2027.
Inzwischen hat der Junge mit dem Rasenmäher die Maschine ausgeschaltet. "Fertig!", ruft er stolz zu Nargili. "Jetzt Pause machen." Nargili lacht und reicht ihm einen Plastikteller mit einer frisch gebackenen Waffel. "Wir haben Zeit hier. Es geht nicht um effektives Arbeiten, sondern darum, dass wir gemeinsam gestalten." Als Nächstes wollen sie einen Weg zusammen anlegen.
Über dieses Thema haben wir auch am 28.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit am Samstag, 19.30 Uhr.