Luwig Lübbers steht in einem Park neben seinem Spazialfahrrad, mit dem er trotz seiner fehlenden Hände fahren kann.

Alltagshelfer für Menschen mit Behinderung: Tüftler aus Münster hilft sich selbst

Füreinander

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Für Ludwig Lübbers ist der Alltag eine Herausforderung. Der Münsteraner wurde ohne Hände und mit nur einem Bein geboren. Trotzdem will er so selbständig wie möglich leben. Das geht auch dank seiner eigenen Erfindungen.

Von Nicole Albers

Ludwig Lübbers löst mit einem speziellen Hebel am rechten Griff des Lenkers seines Fahrrads die Bremse. Dann dreht er an einem kleinen Zahnrad am linken Griff. So stellt er den Gang ein. Ein kräftiger Tritt in die Pedale und der 56-Jährige fährt. Im Gleichgewicht bleibt er dank zweier Vollgummireifen als Stützräder. Mit einem seligen Lächeln dreht er eine Runde durch seine Straße im Münsteraner Vorort Gievenbeck.

Dass er das tun kann, ist alles andere als selbstverständlich. Denn Lübbers ist mit verkürzten Armen und nur einem Bein zur Welt gekommen. Das Fahrrad hat er nach seinen Bedürfnissen aufgerüstet. Mit den Stützrädern und auch der selbst erfundenen Kettenschaltung per Zahnrad. Eine Prothese ersetzt sein fehlendes Bein. Mit dem Rad hat er schon viel erlebt, was ihm sonst vielleicht verwehrt geblieben wäre. "Ich liebe das einfach", sagt er.

Was das Fahrradfahren für Ludwig Lübbers bedeutet

00:25 Min. Verfügbar bis 24.10.2027

Das Zahnrad für die Gangschaltung ist nicht Lübbers einzige Erfindung. Zusammen mit seinem Freund Andreas Pott tüftelt er stundenlang am Computer, um Lösungen für seine Alltagsprobleme zu finden. In einem 3D-Drucker nehmen die eigenen Erfindungen dann Gestalt an. "Pottlüs" nennen die beiden sie, die Abkürzung für Pott und Lübbers.

Inklusion in NRW: Unterstützung für Menschen mit Behinderung

Allein in NRW haben knapp zwei Millionen Menschen eine anerkannte Schwerbehinderung, sagen die Landesstatistiker. Das ist rund jeder Neunte. Dass sie alle, egal wie schwer ihre Behinderung ist, am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, ist das Ziel von Inklusion.

So gibt es inklusive Schulklassen, Rampen vor Geschäften, Haltestellen ohne Kanten, barrierefreie Formulare, die Möglichkeit, einen Begleithund mit in Läden zu nehmen. An vielen Stellen tut sich also etwas. "Dennoch merke ich täglich, wo Grenzen sind", sagt Lübbers. So kam er mit seinem Freund Pott dazu, selbst Alltagshelfer zu entwickeln.

Alltagshelfer aus dem 3D-Drucker

Pott ist nicht körperlich behindert, aber technisch sehr versiert und er kennt sich sehr gut mit 3D-Druckern aus. "Das ist für mich ein Hobby, um auch im Kopf fit zu bleiben. Ich bin mittlerweile Rentner und investiere gerne die Zeit, um Ludwig zu helfen", sagt er. Auf die Ergebnisse sind die beiden stolz. Ihren "Buttler" zum Beispiel. Das ist ein dicker Griff, in den Gegenstände wie Gabel oder Rasierer gesteckt werden können. Lübbers kann die Dinge so auch ohne Hände gut aufnehmen.

Die nächste Erfindung: der "Schwipper". Der macht aus einem Schnürschuh einen Slipper. Die Schnürsenkel werden durch Plastikstifte mit Widerhaken ersetzt. So kann Lübbers allein in den Schuh hineinrutschen.

Wie der "Schwipper" funktioniert

00:25 Min. Verfügbar bis 24.10.2027

Im Internet stellen die beiden Tüftler ihre Erfindungen vor. "Wir wissen noch nicht, wie und ob sich daraus eine Geschäftsidee entwickeln lässt", meint Lübbers. "Aber auf der Homepage können andere sehen, was alles möglich ist, und vielleicht auch ihre eigenen Ideen einbringen."

Sich selbst und anderen helfen

Den Alltag immer wieder ein Stück erleichtern. Lübbers will damit auch Mut machen, Grenzen zu überwinden. Er ist Mathelehrer an einem Gymnasium, lebt allein in einer Wohnung, hat auch sein Auto behindertengerecht umrüsten lassen. Außerdem geht er seit über 30 Jahren tauchen. Hier hilft ihm seine neueste Erfindung. Mit ihr kann er auch ohne Hände Luft in sein Tauchjacket rein- oder rauslassen.

Auch Lübbers Leben verläuft nicht ohne Tiefpunkte. Stürze und Knochenbrüche hat er schon einige erlebt. Vor zehn Jahren kam dann noch eine Leukämie-Erkrankung. "Das war die Wende in meinem Leben, ich hab gemerkt, wie schnell alles vorbei sein kann", sagt er. Seitdem will er stärker im Hier und Jetzt leben und setzt das um, was ihm wichtig ist und ihm helfen kann. "Und wer weiß, vielleicht hilft das ja auch anderen - irgendwie!"

Über dieses Thema haben wir auch am 23.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.