Taub unter Hörenden: Die einzige Gehörlose in Bochumer Basketballteam
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Lilly Schmidt ist ein großes Basketball-Talent und gehörlos. Inzwischen spielt sie als einzige Gehörlose im Bochumer Verein TV Gerthe. Die 18-Jährige und ihre Mitspielerinnen beweisen, dass es auf dem Spielfeld nicht ums Hören, sondern Verstehen geht.
Von Hanna Makowka, (Text) und Jan Akkermann (Multimedia)
Lilly Schmidt rennt durch die Sporthalle in Richtung Basketballkorb und winkt, um zu zeigen, dass sie frei ist. Dann fängt sie den Pass ihrer Mitspielerin mühelos auf und dribbelt mit dem Ball in Richtung Korb, wirft - und trifft. Eine ihrer Teamkameradinnen klatscht Schmidt jubelnd ab.
Dass das alles so gut klappt, hätte Schmidt vor einigen Jahren nicht gedacht. Die 18-Jährige ist von Geburt an taub. Das Tippen des Balls auf dem Boden, das Pfeifen des Schiedsrichters und die Anfeuerungsrufe der anderen - das kann Schmidt nicht hören.
Laut Deutschem Gehörlosen-Bund leben in Deutschland schätzungsweise 80.000 gehörlose Menschen in Deutschland. Wie viele es genau sind, wird statistisch nicht erfasst. Rund 30 bis 40 Prozent von ihnen sind wie Schmidt von Geburt an taub, der Rest hat das Gehör im Laufe des Lebens durch Krankheit, Unfall oder Alter verloren.
Schmidt hat früher in einem Gehörlosen-Team gespielt, bis sich die Mannschaft aufgelöst hat. In einem Basketballteam mit Hörenden wollte sie ursprünglich nicht mitspielen. "Weil das von Klein auf für mich schwierig gewesen ist, dass Hörende nicht wissen, wie ich kommuniziere und man mit Gehörlosen umgeht", gebärdet die 18-Jährige.
Mitspielerinnen lernen Gebärden-Sprache
Doch ihre Mitspielerinnen in Bochum machten es ihr leicht. Mittlerweile spielt Schmidt seit zwei Jahren in der Oberliga-Mannschaft des TV Gerthe. Alle haben sich aufeinander eingestellt. Einige haben sogar einen Gebärden-Crashkurs gemacht. Wenn Schmidt zügiger laufen soll, um einen Ball annehmen zu können, gebärden sie beispielsweise das Wort "schneller" - dafür ballen sie die rechte Hand zur Faust und machen drei Mal eine Bewegung nach vorne.
Lilly Schmidt und ihr Team haben sich mittlerweile gut aufeinander eingestellt
Aber auf dem Spielfeld verstehen sich die Spielerinnen oft auch einfach so: über Blick- und Körperkontakt und manchmal auch mit Händen und Füßen. Es ist ein erfolgreiches Experiment. Doch einen großen Wunsch hat Schmidt noch: "In die Gehörlosen-Nationalmannschaft zu kommen und dann bei Europa- oder Weltmeisterschaften teilnehmen zu dürfen."
Über dieses Thema haben wir auch am 20.03.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Ruhr, 19.30 Uhr.