Ins Schwarze getroffen: Wie Blinde im Bilker Schützenverein schießen
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Zielsicher schießen, obwohl man die Scheibe nicht sehen kann? Mit Hilfe spezieller Technik können auch Hobbyschützen ohne Adleraugen im Bilker Schützenverein ihr Ziel nicht verfehlen. Zumindest mit genug Übung.
Von Rebecca Hoven (Text) und Florian Zeeh (Multimedia)
Es macht laut "Klick", als Jürgen Klamann das Gewehr lädt. Er hält es fest in seiner linken Hand, der Kolben drückt gegen seine Schulter, der Vorderschaft liegt auf einer Stange. "Drei Monate nicht mehr geschossen", sagt er, während er das Gewehr auf dem Schießstand des Schützenvereins Sankt Sebastian in Düsseldorf-Bilk in Position bringt. Gleich wird Klamann schießen. Ohne, dass er die Zielscheiben sieht.
Dafür hat er einen dicken Kopfhörer auf den Ohren. Denn der Mitte 70-Jährige schießt nach Gehör. Ihm hilft ein Piepton. Der ertönt mal höher und mal tiefer, je nachdem, wie weit der Schütze von der Mitte der Zielscheibe entfernt ist. Je höher, desto besser kommt der Schuss. Beim richtigen Ton drückt Klamann ab.
Ein Piepton: So bekommt Klamann Hilfe beim Zielen
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Den richtigen Ton zu treffen, ist Können. Aber auch mal Glück. Klamann ist nicht der einzige, der hier nichts sieht. Einmal im Monat kommt die Blinden-Gruppe im Bilker Schützenverein zusammen. Unterstützt werden sie von Trainer Gunnar Frisch. Waffen und Blindheit haben anfangs für ihn nicht zusammengepasst: "Ich bin selber Sportschütze, ich stand hier und ich sagte: 'Wie soll das gehen?'". Dann lernt er die spezielle Schusstechnik mit Kopfhörer und Piepton kennen. Jetzt ist er seit 25 Jahren dabei.
Schießen als Inklusion
Der Bilker Schützenverein ist ein besonderer Ort für die Gruppe. Der Rheinische Schützenbund zählt zwar mehr als 900 Schützenvereine in der Region. Allerdings gibt es nur wenige, in denen auch blinde Menschen schießen können.
Je höher der Ton, desto näher ist die Mitte der Zielscheibe.
Dabei eignet sich der Schießsport gut zur Inklusion. Im Deutschen Schützenbund gibt es spezielle Disziplinen für Behinderte und der Behindertensportverband NRW hat eine eigene Abteilung für das Sportschießen. Das ist auch wichtig. Denn laut der Krankenkasse DAK haben sehbehinderte Menschen ein besonders hohes Risiko, zu vereinsamen.
Schützenverein als Treffpunkt für Blinde
Wer treffen will, braucht viel Geduld und Übung. Das gilt für Sehende genauso wie für Blinde. "Anfangs habe ich so gut wie nie getroffen, ich war so grottenschlecht", lacht Klamann. Da ist er sich unsicher, ob das überhaupt der richtige Sport für ihn ist. Doch schnell lernt er: Beim Schießen geht es um Gelassenheit und ums Loslassen.
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Wie schwierig das auch im Leben sein kann, weiß er sehr gut. Lange hat er ein "normales" Leben ohne Einschränkungen geführt. Dann ging alles ganz schnell.
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Aber auch mit den Einschränkungen findet Klamann seinen Weg. Er bleibt positiv und aktiv, treibt Sport, geht wandern und zum Kegeln, und trifft sich mit anderen Betroffenen. Auch abseits vom Schießstand. Bei den Treffen kann er sich austauschen über die Hürden, die Sehende oft nicht sehen.
Das Schießen ist für ihn auch eine Übung, um loszulassen und Ruhe zu finden. Und wenn es mal nicht klappt? Trainer Frisch empfiehlt: "Einfach mal den Ton ausschalten und entspannen."
Über dieses Thema haben wir auch am 18.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Düsseldorf, 19.30 Uhr.