Felix und Emma Vorwerk sind die Schwimm-Stars des Vereins "Münster schwimmt gemeinsam"
Münsters Schwimm-Stars: Mit Down-Syndrom zur Goldmedaille?
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Emma und Felix Vorwerk schwimmen gegen den Strom und das schon seit sie klein sind. Die 16-jährigen Zwillinge haben beide das Down-Syndrom. In ihrem Schwimmverein in Münster sind sie die Shooting-Stars. Ihr großes Ziel: die Special Olympics in Chile.
Die Sportlerinnen und Sportler der inklusiven Schwimmgruppe "Münster schwimmt gemeinsam" trainieren in der Schwimmhalle einer Schule. An diesem Nachmittag ist es sehr warm draußen, in der Halle umso stickiger. Emma Vorwerk, ihr Bruder Felix und ihre Schwimmgruppe stört das nicht. Sie stellen sich vor den Startblöcken auf, ziehen ihre bunten Schwimmkappen auf und sind mit einem Sprung im Wasser. Wie bei jeder anderen Sportart wird sich auch hier aufgewärmt: Mit Flossen an den Füßen ziehen die Sportlerinnen und Sportler durchs Becken, manche mit einem kleinen Schwimmbrett vor der Brust.
Münster: Schwimmen mit Trisomie 21
Die 16-jährigen Emma und Felix Vorwerk sind zweieiige Zwillinge, die beide Trisomie 21 haben. Zum Schwimmsport sind sie durch eine Grundschullehrerin gekommen, sie empfahl das Training. Ein Volltreffer. Inzwischen haben die Zwillinge viele Preise gewonnen; zuletzt bei einem Wettbewerb in Berlin Mitte Februar. Emmas und Felix erklärtes Ziel ist allerdings geografisch noch ein wenig weiter weg: die Special Olympics in Chile im Jahr 2027. Das ist ein Wettbewerb für geistig und mehrfach behinderte Sportlerinnen und Sportler.
Felix und Emma Vorwerk beim Schwimmtraining
00:13 Min.. Verfügbar bis 06.05.2027.
Trisomie 21, auch bekannt als Down-Syndrom, ist eine genetische Anomalie, bei der das Chromosom 21 in den Körperzellen dreimal statt wie üblich zweimal vorhanden ist. Diese Veränderung entsteht meist zufällig durch einen Fehler bei der Reifung der Ei- oder Samenzelle. In Deutschland sind nach Schätzungen des Forschungsprojekts Touchdown 21 rund 50.000 Menschen von Trisomie 21 betroffen. Sie ist keine Krankheit, sondern eine nicht heilbare genetische Besonderheit, die zu verschiedenen körperlichen und geistigen Merkmalen führt. Sie gilt als Behinderung, weil sie in der Regel mit einer geistigen Entwicklungsverzögerung und weiteren Beeinträchtigungen einhergeht, deren Ausprägung individuell sehr unterschiedlich sein kann.
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Typische Merkmale für Trisomie 21 sind ein rundes Gesicht, schräg stehende Augen, Kleinwüchsigkeit oder eine schwach entwickelte Muskulatur. Häufig treten auch gesundheitliche Probleme wie Herzfehler, Hör- und Sehstörungen oder eine erhöhte Infektanfälligkeit auf. Die Entwicklung von Kindern mit Down-Syndrom verläuft meist verzögert, doch mit gezielter Förderung können sie viele Fähigkeiten erlernen.
Kein Kind gleicht dem anderen
Felix und Emma Vorwerks Erfolg im Schwimmen sei nicht selbstverständlich, sagt Mutter und Trainerin Sybille Vorwerk, die immer am Beckenrand mit dabei ist. Denn durch die Trisomie können die Zwillinge ihre Bauchmuskeln nicht so gut trainieren. "Der Spannungsaufbau fällt ihnen schwerer als anderen Kindern", erklärt Vorwerk.
Diese Unterschiede machen die Schwimmgruppe aus Münster aus, erzählt auch eine andere Trainerin der Schwimmgruppe, Gesa Gronert: Kein Kind gleiche dem anderen, jeder habe seine eigenen Herausforderungen.
Trainerin Gesa Gronert erzählt, wie alles angefangen hat
00:19 Min.. Verfügbar bis 06.05.2027.
Vielen Eltern von Kindern mit Behinderung falle es erst einmal schwer, ihren Nachwuchs loszulassen, weiß Sybille Vorwerk. Die Trainerinnen müssen anderen Eltern manchmal auch ein wenig Mut machen. Denn viele seien es nicht gewohnt, dass ihre Kinder ohne spezielle Begleitung Sport machen. Das kennt Vorwerk nur zu gut - als Trainerin und als Mutter: "Sie müssen uns ihr Vertrauen schenken, damit sie wissen: Wir können das auch mit ihren Kindern allein machen. Das hat dann aber auch schnell geklappt."
Sybille Vorwerk schaut sich mit den Zwillingen Aufnahmen vergangener Wettkämpfe an
Trainerin Gronert gibt inzwischen am Beckenrand die nächsten Anweisungen: Emma und Felix müssen "Schmett-Schwimmen". Ihre Arme gehen bei diesem schnellen Schwimm-Stil gleichzeitig nach oben und tauchen dann wieder ins Wasser, zwischendrin heben die Sportler den Kopf aus dem Wasser, um nach Luft zu schnappen.
Viermal die Woche trainieren Emma und Felix inzwischen, daneben gehen sie ganz normal zur Schule. Viel Zeit für andere Hobbys bleibt den Teenagern dabei nicht. Das macht ihnen allerdings nicht viel aus: "Schwimmen macht super viel Spaß", betonen Felix und Emma. Mittlerweile sind sie am Ende ihres Trainings angelangt und sichtlich aus der Puste. Die Zeit mit den anderen Jugendlichen tut ihnen gut: "Wenn man dann mal verliert, dann sind wir nicht allein", erzählt Felix. Für die Zukunft wünschen sich die 16-Jährigen vor allem eines: viele Pokale. Vielleicht auch schon in Chile in zwei Jahren.
Über dieses Thema haben wir auch am 01.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.