Mehr als nur Horst Schimanski : Wie Götz George den Ruhrpott geprägt hat
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Vor zehn Jahren starb Götz George. Der Mann in der Feldjacke, der als "Horst Schimanski" den Tatort aufmischte, hat mit körperlicher Wucht, proletarischer Direktheit und kompromisslosem Spiel eine Figur geprägt, die bis heute das Bild des deutschen TV-Ermittlers formt. Doch wer war der Mensch hinter "Schimmi"?
Am Eingang der Horst-Schimanski-Gasse in Duisburg-Ruhrort steht Götz George und schaut die Passanten direkt an. Natürlich nicht wirklich, sondern als Bronze-Büste. Hier kommen Touristen auf Schimmi-Touren inklusive Currywurst vorbei. Die Führungen an die Drehorte der Tatort-Krimis aus den 1980er Jahren und zu denen der späteren Schimanski-Serie sind immer noch beliebt. Vor allem bei älteren Duisburgern hat der berüchtigte Tatort-Bulle Kultstatus. Die jüngeren Generationen wissen allerdings kaum noch, wer Horst Schimanski ist.
Schimmi – umstrittene Identifikationsfigur
Der Filmkommissar hat vielen Duisburgern und dem Ruhrgebiet in den 1980er Jahren Selbstbewusstsein gegeben und war eine Identifikationsfigur. Damals war das Bild vom Ruhrgebiet im Rest der Republik noch eher negativ. Mit dem populären Tatort-Kommissar hat sich das geändert. Doch nicht alle Duisburger konnten mit dem ruppigen Kommissar in Feldjacke was anfangen. Stadt und Polizei fürchteten lange Zeit um ihren Ruf und manchen Duisburgern war Schimmi peinlich. Je länger Götz George jedoch als Tatort-Kommissar Schimanski ermittelte, umso gelassener sind die Duisburger mit ihm umgegangen und umso beliebter wurde er. Auch die Stadt Duisburg hat mittlerweile erkannt, was sie an Schimanski hat, kaufte sogar den alten Citroën von Horst Schimanski auf und restaurierte ihn.
Götz George: Eine Ausnahmekarriere in Bildern
Die Rolle des schnoddrigen Ruhrpott-Kommissars Horst Schimanski machte Götz George in Deutschland endgültig zum Star. Doch George war weitaus mehr als Schimmi. Er und seine Filmrollen bleiben bis heute unvergessen. Am 19.06.2026 jährt sich sein Todestag zum zehnten Mal.
Neuer Kommissar-Typus im deutschen Fernsehen
Als Götz George erstmals im Tatort spielt, verkörpert er mit Horst Schimanski einen komplett neuen Kommissar-Typus im deutschen Fernsehen: trinkend, prügelnd und fluchend ermittelt er sich durch die Duisburger Mordfälle. Nie zuvor hatte ein Kommissar in einem ARD-Krimi "Scheiße" gesagt. Götz George alias Schimanski schimpft in einer Folge 18-mal auf diese Weise, zählt sein Filmkollege Christian Thanner mit. Überhaupt hat Horst Schimanski nichts mit den biederen Ermittlern in Krimiserien vor seiner Zeit zu tun. Heute haben viele Kommissare und Kommissarinnen im deutschen Fernsehen zumindest eine gewisse Ähnlichkeit mit Horst Schimanski.
"Sie kennen nur den Schimanski und lieben ihn auch. Aber sie wissen wirklich nicht, dass ich Götz George heiße, das ist das Irrsinnige." Schauspieler Götz George
Im Laufe der Jahre verschwindet Schauspieler Götz George immer mehr hinter seiner Kultfigur Schimanski. Irgendwann kennt nahezu jeder Ruhrpottler den Tatort-Kommissar, aber nur wenige wissen, wer Götz George ist. "Sie kennen nur den Schimanski und lieben ihn auch. Aber sie wissen wirklich nicht, dass ich Götz George heiße, das ist das Irrsinnige", bedauert George einmal in einem Interview.
Vom Teenie-Schwarm zum Charakterdarsteller
Dabei ist Götz George schon als junger Mann berühmt. Bereits als 15-Jähriger bekommt er neben Romy Schneider seine erste Filmrolle in "Wenn der weiße Flieder wieder blüht". In den 1960er Jahren spielt er als junger Mann in drei Karl-May-Verfilmungen mit und wird nach "Der Schatz im Silbersee", "Unter Geiern" und "Winnetou und das Halbblut Apanatschi" zum Publikumsliebling. Die Erfahrung wolle er nicht missen, sagte er. Es habe ihm großen Spaß gemacht und vor allem auch große Hilfestellungen gegeben für die späteren Actionszenen in anderen Filmen.
Theaterjahre in den 1970er Jahren
Mit dem Neuen Deutschen Film und seinen Regisseuren hadert Götz George und spielt deshalb in den 1970er Jahren vor allem Theater. Doch dann kehrt er zurück zum Film, spielt nicht nur Schimanski, sondern auch in Helmut Dietls Komödien "Schtonk" und "Rossini" mit. Seine Arbeit wird immer vielfältiger. Er entdeckt anspruchsvolle und schwierige Film-Figuren für sich, wie zum Beispiel den Serienmörder Fritz Haarmann in "Der Totmacher".
Im Schatten des Übervaters
Götz George hat einen hohen Anspruch an seine schauspielerische Arbeit. Dabei sieht er sich zeitlebens im Schatten seines Vaters Heinrich George, der in der Weimarer Republik ebenfalls ein berühmter Schauspieler war. Götz blickt bis ans Ende seines Lebens zu dem früh verstorbenen Vater auf. Heinrich George kam 1946 in dem sowjetischen "Speziallager Nr. 7 Sachsenhausen" ums Leben. Wegen seiner Vielseitigkeit bezeichnet ihn auch sein Sohn immer wieder als Jahrhundert-Schauspieler. Doch Heinrich George ist umstritten. Denn im sogenannten "Dritten Reich" kollaborierte er mit den Nazis und spielte in Propagandafilmen mit.
Heinrich George (l.) in "Kabale und Liebe"
In dem Doku-Drama "George" setzt sich Götz George drei Jahre vor seinem Tod mit seinem Vater auseinander und spielt ihn sogar selbst. Für den Regisseur Joachim Lang steht Götz George seinem Vater Heinrich als Schauspieler in nichts nach. Götz George habe den Film von der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart geprägt, er habe ein Lebenswerk hingelegt, das ganz außerordentlich sei – und er sei ein Vorbild für andere Schauspieler.
Privates bleibt bis zum Schluss privat
Vor zehn Jahren, am 19. Juni 2016, ist Götz George in Hamburg gestorben. Seine Krebserkrankung hält er bis zu seinem Tod vor der Öffentlichkeit geheim. Privates will er von sich ohnehin nicht in den Medien veröffentlicht sehen. Zeitlebens ist es ihm wichtig, ausschließlich über seine schauspielerische Arbeit bewertet zu werden und nicht über sein Privatleben. Der empfindsame, bisweilen empfindliche Künstler hadert deshalb immer wieder mit Journalisten.
Götz George und Eberhard Feik im "Tatort" als Horst Schimanski und Christian Thanner
In Duisburg bleibt er den meisten älteren Menschen vor allem in seiner Rolle als Horst Schimanski in Erinnerung. Für sie ist Götz George als Tatort-Kommissar ein Klassiker. "Wer heute noch die Filme sieht, der erkennt schon, dass das ein großer Schauspieler gewesen ist. Der wird nie Schnee von gestern sein", sagt ein Duisburger auf seinem Weg durch die Horst-Schimanski-Gasse im Stadtteil Ruhrort.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
- "Götz George wird 70", MDR 2008
- Nachruf auf Götz George, RBB 2016
- Porträt: Götz George als Schauspieler, NDR 2008
- Interview: "Der Schauspieler Götz George", WDR 1997
- Porträt: "Götz George wird 75 Jahre alt", SWR 2013
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 19.06.2026, 06:05 Uhr