Regina Konstantinidis aus Jülich war ein Verschickungskind
Trauma mit sechs Jahren: Regina Konstantinidis war "Verschickungskind"
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Als Regina Konstantinidis aus Jülich nach sechs Wochen "Erholungskur" auf Borkum nach Hause kam, erzählte sie ihrer Mutter, die Kinder im Heim hätten ihr Erbrochenes essen müssen. Sie glaubte ihr nicht. Heute wissen wir: So ist es Millionen sogenannter Verschickungskinder in der Nachkriegszeit ergangen.
Geflochtene Zöpfe, eine runde Brille auf der Nase, die Lippen zu einem braven Lächeln verzogen. Das verblichene Schwarz-Weiß-Bild von Regina Konstantinidis aus Jülich als kleines Mädchen strahlt die pure Unschuld aus. Doch das Mädchen auf dem Bild hat auf der Nordseeinsel Borkum Schreckliches erlebt. Genau wie Millionen andere Kinder wurde Konstantinidis im Alter von sechs Jahren in ein sogenanntes Kinderkurheim geschickt - und kam traumatisiert zurück.
Die Eltern dachten, sie tun ihren Kindern was Gutes
Die Kinder-Kuren wurden ab den 50er-Jahren von vielen Eltern in Anspruch genommen, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun. Schulen, Gesundheitsämter, Krankenversicherungen und Ärzte bewarben die sogenannten Erholungskuren, die bis in die 90er-Jahre von allen großen Wohlfahrtsverbänden und Privatmenschen betrieben wurden.
Eine medizinische Ausbildung besaß das Erziehungspersonal der Heime meist nicht, im Gegenteil: Die Biografien und Erziehungsmethoden der sogenannten "Tanten" waren oft durch die Zeit des Nationalsozialismus geprägt.
Kuscheltier-Verbot und Marschieren am Strand
Auch Konstantinidis hat Methoden der Kindesmisshandlung erlebt: Die persönlichen Sachen inklusive des Lieblingsteddys wurden ihr abgenommen. Statt am Strand zu spielen, wurde marschiert und zur Abhärtung kam sie in eine eiskalte Badewanne mit Schlamm. "Ich fühlte mich so einsam wie noch nie in meinem Leben", erzählt sie.
- Udo Evers wurde als Verschickungskind in den Schwarzwald geschickt. Später hat er darüber ein Buch geschrieben. Seine Geschichte erzählen wir hier.
Der Schmerz über das Geschehene ist ihr nach wie vor anzusehen, wenn sie darüber redet. Heute engagiert sie sich zusammen mit anderen Betroffenen in einem Verein für die Aufarbeitung der Kinderverschickungen in NRW - und hat auch einen eigenen Erfahrungsbericht als Buch veröffentlicht.
Über dieses Thema haben wir am 10.04.2025 im WDR Fernsehen berichtet: WDR Lokalzeit aus Aachen, 19.30 Uhr.