Ermittler Julius Mergelkamp fotografiert mit einem Handy die Schäden an einem Holzfensterrahmen mit Einbruchsspuren

Tatortarbeit: Jeder kleinste Hinweis wird akribisch festgehalten

"Täter machen Fehler": So arbeitet die Spurensicherung bei Einbrüchen

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In der dunklen Jahreszeit gibt es besonders viele Einbrüche. Und damit auch besonders viel zu tun für die Spurenermittler bei der Polizei. Zwei von ihnen zeigen, wie sie vorgehen. Und erklären, warum auch versuchte Einbrüche wichtige Spuren liefern können.

Von Stefan Weisemann (Text) und Olaf Tack (Multimedia)

Mit geübtem Schwung wedelt Julius Mergelkamp mit einem kleinen Pinsel herum. Der sieht mit seinen feinen Härchen aus wie ein Kosmetikpinsel. Mit ihm verteilt der Polizist ein feines Puder. Allerdings nicht in seinem mit einer Maske bedeckten Gesicht, sondern auf dem Rahmen eines alten, dunkelgrün gestrichenen Holzfensters. Gleichzeitig beleuchtet er den Rahmen mit einer Taschenlampe.

Mergelkamp und seine Kollegin Nicole Fischer-Kentschke vom KK 32 der Polizei Recklinghausen sind zu einem versuchten Einbruch gerufen worden. Der oder die Täter haben versucht, in ein Einfamilienhaus in Bottrop einzusteigen. Das Ziel der Ermittler: So viele Spuren wie möglich sichern.

Unterwegs mit der Spurensicherung

Lokalzeit aus Dortmund 28.01.2026 03:13 Min. Verfügbar bis 28.01.2028 WDR Von Olaf Tack

Sichtbar sind einige davon. An den Rändern des Fensterrahmens zeigen sich tiefe Kerben im Holz, an mehreren Stellen ist er abgesplittert. "Da hat jemand ordentlich gehebelt", sagt Mergelkamp, "hat dann aber wahrscheinlich gemerkt, dass das Fenster zu viel Widerstand bietet." Einbruch gescheitert.

Zuletzt wieder mehr Wohnungseinbrüche

Wohnungseinbrüche sind Alltag in NRW, für Ermittler und Täter. Allein im Jahr 2024 registrierte das Landeskriminalamt knapp 28.500 Fälle. Nach einem positiven Tiefpunkt während der Coronazeit, als die Menschen zwangsläufig viel zu Hause waren, sind die Fallzahlen zuletzt wieder leicht angestiegen.

Wer in Wohnhäuser und Wohnungen einbricht, hat zudem gute Chancen, damit davonzukommen. Nur gut jeder achte Einbruch wird in NRW aufgeklärt. Dabei tun Ermittler wie Mergelkamp und Fischer-Kentschke viel, um die Täter zu finden.

Bei ihrem Einsatz in Bottrop teilen sich die beiden auf. Fischer-Kentschke befragt in der Küche die Hausbesitzerin. Sie wollte die Fenster putzen, dabei sind ihr die Einbruchsspuren aufgefallen. Etwas Verdächtiges gehört oder gesehen hat sie nicht. Hier gibt es wohl keinen entscheidenden Hinweis.

Mehrere Spuren nach Einbruchsversuch

Mehr erhofft sich Ermittler Mergelkamp direkt am Tatort. Aus einem Koffer holt er eine Spritzpistole heraus. Mit der füllt er eine rote Klebemasse in die Kerben im Fensterrahmen. Daraus entstehen Abdrücke von den Spuren, die das Werkzeug des Täters hinterlassen hat. "Wir können dann sagen, ob das Werkzeug bei mehreren Taten benutzt wurde", erklärt der Ermittler.

An einem grün gestrichenen Fensterrahmen sind mehrere Absplitterungen infolge eines Einbruchsversuchs zu sehen

Der missglückte Einbruchsversuch hinterlässt deutliche Spuren

Und Mergelkamp fällt im Schein der Taschenlampe auch etwas auf der Fensterscheibe auf: Der Täter ist beim Hebeln wohl abgerutscht. "Da hat er Kontakt zum Fenster gehabt und auch diese Spur werden wir natürlich mitnehmen." Mit einem Wattestäbchen reibt der Ermittler über Rahmen und Scheibe, steckt es dann in ein beschriftetes Röhrchen. "Wir hoffen jetzt auf serologische Spuren, sprich DNA-Spuren", sagt er.

Die möglichen DNA-Spuren schickt er anschließend ins Labor zur Auswertung. Vielleicht haben die Ermittler Glück und es gibt später sogar einen passenden Treffer in der Datenbank. "Auch Einbruchsversuche sind manchmal Gold wert für uns", sagt Mergelkamp. Denn wenn die Täter gestört werden, machen sie vielleicht eher einen Fehler. "Fehler sind unser Ansatz, den Täter zu überführen."

Sicherung schreckt Einbrecher ab

So wie bei diesem Fall in Bottrop bleibt es bei gut 46 Prozent der Wohnungseinbrüche beim Versuch. Das führt die Polizei auf immer bessere Sicherungsmaßnahmen zurück, zum Beispiel Fenstergriffe mit Schloss. Denn wenn Einbrecher nicht schnell Erfolg haben, brechen sie ihr Vorhaben meistens auch schnell wieder ab.

Außerdem lassen sich Einbrecher dank neuer Technik auch leichter abschrecken. Smart Home-Systeme lassen Häuser und Wohnungen bewohnt aussehen, indem Licht in verschiedenen Räumen an- und ausgeht und die Rollläden rauf- und runterfahren.

Auch Mergelkamp und Fischer-Kentschke wollen hier weiter Aufklärungsarbeit betreiben. Als sie alle Hinweise eingesammelt haben, sprechen sie noch einmal mit der Hausbesitzerin, zeigen ihr die "Schwachstellen" am Haus auf. Ihr Hinweis: Die alten Fenster besser sichern. Ebenso die Balkontür im ersten Stock, "wenn ein Täter ein bisschen klettern kann".

Dann ziehen die beiden Ermittler ab. Mit Spuren und Hinweisen im Koffer. Und mit der Hoffnung, dass diese am Ende zum Täter führen. Mit einem Lachen sagt Fischer-Kentschke: "Wir hoffen immer, dass wir sie kriegen."

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund28.01.2026, 19.30 Uhr.

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