Sarah Gottwald sitzt auf einer Bank.

Sarah Gottwald ist Opfer von K.O.-Tropfen geworden

K.O.-Tropfen auf dem Schützenfest: Wenn plötzlich alles schwarz wird

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Es sollte ein unbeschwertes Treffen mit Freunden und Bekannten werden. Doch für Sarah Gottwald endete es in der Notaufnahme. Beim Schützenfest in Bad Berleburg verabreicht ihr jemand K.O.-Tropfen. Im Interview verrät sie, wie sich so ein Kontrollverlust anfühlt.

Von Claudia Roelvinck

Ausgelassene Gespräche und Musik erfüllen die Wiese auf dem Schützenfest Bad Berleburg. Lichterketten sorgen an dem lauen Sommerabend für gemütliche Stimmung. Doch bei Sarah Gottwald verschluckt auf einmal eine undurchdringliche Schwärze die Lichter und Gespräche. Sie setzt sich noch auf einen Klappstuhl, dann verliert sie das Bewusstsein.

Und zwar an dem Ort, der für die 31-Jährige seit Jahren ein Wohlfühlort ist. Ein fester Bestandteil im Jahresablauf. Auf dem Schützenfest trifft sie alte Freunde, hier kennt praktisch jeder jeden. Doch das Gefühl von Sicherheit, das sie hier immer verspürte, ist weg. Ihr wurden vermutlich K.O.-Tropfen ins Getränk gemischt - so wie drei weiteren Opfern auf dem Fest.

K.O.-Tropfen: Ein zunehmendes Problem

Ob Kirmes, Party oder Schützenfest: K.O.-Tropfen stellen immer wieder ein Problem in NRW dar. Wie viele Opfer betroffen sind, ist für das Bundesland nicht genau erfasst. Bundesweit steigen die Fälle laut Bundesrat allerdings. Auch deswegen fordert NRW-Justizminister Benjamin Limbach (Grüne) härtere Strafen für Täter. Immer mehr Veranstalter versuchen vorzubeugen. Unter anderem durch mehr Kontrollen, spezielle Anlaufstellen oder sogar Schnelltests für Getränke. Nach dem Vorfall in Bad Berleburg wollen auch andere Schützenfeste in Südwestfalen genauer hinschauen. Beim Schützenfest des Vereins St. Sebastianus in Olpe werde das Sicherheitspersonal speziell auf Fläschchen hingewiesen, erklärt Major Andreas Roll.

Andreas Roll über die Maßnahmen für mehr Sicherheit

00:57 Min. Verfügbar bis 24.09.2027

"Dann bin ich zusammengesackt"

Für Sarah Gottwald endet der gemeinsame Abend mit Freunden im Krankenhaus. Im Interview spricht sie über die vagen Erinnerungen an den Abend und das Gefühl des Kontrollverlusts.

Lokalzeit: Sie stehen mit Freunden und Bekannten zusammen und trinken etwas Bier. Aber plötzlich verlieren Sie das Bewusstsein. Was haben Ihnen Ihre Begleiter später über diesen Moment erzählt?  

Sarah Gottwald: Ich habe mich auf einen Stuhl gesetzt und bin zusammengesackt. Ich war nicht mehr ansprechbar. Meine Freunde haben mich nicht mehr wach bekommen. Deshalb haben sie den Sanitätern vor Ort Bescheid gegeben. Ich muss danach aber kurzzeitig wieder ansprechbar gewesen sein. Ich konnte wohl sogar einige Schritte selbst laufen. Doch dann bin ich erneut bewusstlos geworden.

Eine Hand, die den Inhalt eines kleinen Fläschchens in ein Getränk schüttet.

K.O.-Tropfen sind nicht sichtbar im Getränk

Lokalzeit: Die Sanitäter haben Sie ins Krankenhaus gefahren. Dort ist Ihnen Blut abgenommen worden. Mit welchem Ergebnis?

Gottwald: Die erste Diagnose war K.O.-Tropfen. Ich konnte erst nicht glauben, dass mir das auf unserem Fest passierte. Da, wo eigentlich jeder jeden kennt. Später stellte sich heraus, dass ich ein sehr starkes Schmerzmittel im Blut hatte. Ich habe bei der Polizei Anzeige erstattet und die Beamten haben eine weitere Blutprobe an ein Speziallabor geschickt. Das Ergebnis der Analyse steht noch aus.

Wenn plötzlich mehrere Stunden einfach weg sind

Lokalzeit: Abgesehen davon, dass Sie das Bewusstsein verloren hatten, ist Ihnen noch Schlimmeres passiert? 

Gottwald: Ich bin am Montagmorgen in der Notaufnahme wach geworden und hatte unzählige Fragen: Was ist genau passiert? Wie habe ich mich verhalten? Wo ist das gewesen? Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert, keinem von uns. Es gab kein Sexualdelikt, keinen Raubüberfall. Ich habe mich gefragt, was das Motiv des Täters war und was er damit bezwecken wollte. Natürlich überlege ich auch, wer es gewesen sein könnte. Da mir aber alle Erinnerungen an den Abend fehlen, kann ich das unmöglich nachvollziehen.

Lokalzeit: Wie gehen Sie mit diesem Kontrollverlust um? Damit, dass Ihnen mehrere Stunden fehlen, die einfach aus Ihrem Gedächtnis gelöscht sind?

Gottwald: Die für mich wichtigste Frage, die mir die ganze Zeit im Kopf herumschwirrte, war: War ich zu irgendeinem Zeitpunkt mal alleine oder unbeobachtet? Hätte in einem solchen Moment noch etwas passiert sein können, an das ich mich nicht erinnern kann? Aber Gott sei Dank habe ich durch die Freunde und Bekannte erfahren, dass sie immer bei mir an der Seite gewesen sind und gut auf mich aufgepasst haben.

Wie kann man sich gegen K.O.-Tropfen schützen?

Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich andere Gäste sehe, die wie Sarah Gottwald Opfer von K.O.-Tropfen geworden sind? Anna Lena Huckestein ist Sanitäterin beim Schützenfest in Olpe. Sie erklärt, wie man am besten unterstützt.

Anna Lena Huckestein über die Maßnahmen, die man im Ernstfall ergreifen kann

00:25 Min. Verfügbar bis 24.09.2027

Wer Opfer geworden ist, sollte zudem unbedingt zum Arzt oder in die Notaufnahme gebracht werden, da K.O.-Tropfen nur wenige Stunden im Blut nachgewiesen werden können, empfiehlt die Polizei NRW. Zum Schutz vor K.O.-Tropfen sollten Feiernde zudem folgende Dinge beachten:

  • Keine Getränke von Fremden annehmen
  • Eigene Getränke nie aus den Augen lassen und bei der Zubereitung genau hinschauen
  • Auf der Tanzfläche oder im Gespräch: Mit der Hand das Getränk abdecken

Über dieses Thema haben wir auch am 18.07.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.

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