Ein Holzkreuz steht hinter einem Metallzaun. Auf dem Kreuz steht der Name Rebecca.

Zum Gedenken an Rebecca wurde ein Holzkreuz aufgestellt

Kriminalfälle aus NRW: Wie ein V-Mann einen Mörder überführte

Stand:

Im Jahr 2002 verschwindet die 15-jährige Rebecca aus Köln und wird Monate später tot aufgefunden. Um den Fall aufzuklären, entscheidet sich die Polizei dazu, einen Lockvogel einzusetzen. Der ehemalige Kriminalhauptkommissar Peter Schnieders spricht mit unserer Autorin über die Arbeit mit Vertrauenspersonen.

Von Purvi Patel
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Der Fall Rebecca

Am 07.04.2002 verschwindet eine 15-jährige Schülerin aus Köln spurlos. Monate später wird ihre Leiche auf einem brachliegenden Firmengelände gefunden. Nur wenige hundert Meter entfernt von einer Straßenbahnhaltestelle, wo sie zuletzt mit einem Jugendlichen aus der Nachbarschaft gesehen worden ist. Die Polizei entscheidet sich zu einem ungewöhnlichen Schritt: Sie setzt einen Lockvogel ein. Mit dessen Hilfe kann der Verdächtige überführt werden. 2003 wird der zur Tatzeit 17-jährige Mann nach dem Jugendstrafrecht zu neun Jahren Haft wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Den gesamten Fall siehst du auch bei Lokalzeit MordOrte auf YouTube.

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Peter Schnieders war 36 Jahre lang bei der Kriminalpolizei Köln. 2002 war Schnieders an den Ermittlungen im Fall Rebecca beteiligt. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt er, warum man sich damals so entschieden hat - und wie das funktionierte.

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Ein Verdacht, keine Beweise

Lokalzeit: Im Fall Rebecca hat sich die Kölner Polizei für eine Art Lockvogel entschieden. Warum?

Peter Schnieders: Die werden immer dann eingesetzt, wenn sich die Ermittlungen festgefahren haben und man den Fall möglicherweise dadurch klären kann. Oder man hat wie im Fall Rebecca einen 17-jährigen Verdächtigen, aber keine Beweise. Wir haben deshalb jemanden gesucht, den wir an ihn heranspielen können, der sein Vertrauen gewinnt und vielleicht ein Geständnis entlocken kann.

Nahaufnahme Peter Schnieders.

Peter Schnieders ist ehemaliger Kriminalhauptkommissar und war an der Aufklärung im Fall Rebecca beteiligt

Lokalzeit: Wie hat die Kölner Polizei damals eine Vertrauensperson gefunden?

Schnieders: Als Vertrauenspersonen werden meistens Kriminelle rekrutiert. Denn die Menschen, die im kriminellen Milieu verkehren, sind am ehesten geeignet, sich in unsere Zielpersonen hineinzuversetzen. Dazu gibt es spezielle Dienststellen, die nur V-Leute führen und die sie auch rekrutieren. Für einen Fall in Köln würde man niemals einen V-Mann aus Köln nehmen. Man würde ihn aus dem Bundesgebiet holen, ziemlich weit weg, damit man ihn in Köln nicht erkennt.

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Der Lockvogel

Lokalzeit: War es einfach, einen geeigneten V-Mann im Fall Rebecca zu finden?

Schnieders: Das war gar nicht so einfach, weil der Verdächtige ja ein 17-jähriger, junger Mann war. Wir mussten also jemanden finden, der vom Alter her passt. Also keinen wesentlich älteren, der wäre wahrscheinlich in der Clique nicht akzeptiert worden. Wir brauchten jemanden, der ungefähr gleichaltrig ist oder ein bisschen älter. Der in der Lage ist, sich so zu verstellen und so zu arbeiten, dass er von diesen Jugendlichen auch akzeptiert wird.

Das Haltestellenschild Rosenhügel in Köln. Im Hintergrund die Straßenbahnschienen und Bäume.

An dieser Straßenbahnhaltestelle wurde Rebecca zum letzten Mal lebend gesehen

Lokalzeit: Arbeiten diese Vertrauenspersonen auf eigene Faust? Bekommen die Anweisungen von der Polizei? Wie kann man sich das vorstellen?

Schnieders: Also diese Personen werden wirklich sehr, sehr eng geführt, damit sie nicht eigenständig anfangen zu arbeiten. Der V-Mann-Führer ist 24/7 für ihn erreichbar, also wirklich immer, zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und jeden Tag fragt er die Ermittlungsergebnisse ab. Das heißt, der V-Mann muss detailliert beschreiben, was am Tag passiert ist, mit wem er sich getroffen hat, was besprochen worden ist und so weiter. Der V-Mann-Führer fertigt davon ein Protokoll an. Dieses Protokoll, wenn ich das ergänzen darf, dient später vor Gericht als ein Nachweis, was der V-Mann gesagt hat. Denn V-Männer tauchen vor Gericht nie als Zeugen auf, damit sie nicht enttarnt werden. Das dient ihrem eigenen Schutz vor Racheakten, und damit sie für andere Fälle weiter eingesetzt werden können.

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Das Geständnis

Lokalzeit: Wie hat es der V-Mann im Fall Rebecca geschafft, den 17-jährigen Tatverdächtigen zu überführen?

Schnieders: Er hatte die Idee, ihn mit in das Kölner Großbordell Pascha zu bringen. Ungewöhnlich, aber das wurde toleriert, damit er das Vertrauen des Tatverdächtigen gewinnen kann. Auf dem Rückweg hat der Tatverdächtige den Mord an der 15-jährigen Schülerin dem V-Mann gestanden. Das war für uns der Durchbruch. Nach seiner Festnahme durch die Kölner Polizei hat der Tatverdächtige sein Geständnis wiederholt.

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