Unfälle vermeiden - Sicherheitstipps für die Grillsaison
WDR. 02:33 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Die Kohle im Grill will einfach nicht richtig angehen - eine Situation, die wohl jeder kennt. Schnell mit etwas Brandbeschleuniger nachzuhelfen, ist ein naheliegender Gedanke, aber auch gefährlich. Das zeigt ganz aktuell der Fall einer 49-Jährigen aus Ennepetal, die lebensgefährlich verletzt wurde. Sie erlitt schwerste Verbrennungen an Armen, Oberkörper und im Gesicht.
Über 4.000 Grillunfälle pro Jahr
Jedes Jahr kommt es in Deutschland laut der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie zu 4.000 bis 5.000 Grillunfällen. Für NRW gibt es keine konkreten Zahlen. Fast jeder achte Unfall führt zu schweren Verbrennungen, die stationär behandelt werden müssen.
Eine Übung im Ausbildungszentrum der Feuerwehr Dortmund zeigt, wie gefährlich Brandbeschleuniger sind.
In den meisten Fällen sind Brandbeschleuniger die Ursache. Das bestätigt Oberarzt Felix Reinkemeier vom Uniklinikum Bergmannsheil in Bochum. Wenn Patienten nach einem Grillunfall mit schweren Brandverletzungen eingeliefert werden, sei das Hantieren mit Brennspiritus die häufigste Ursache. "Das trifft auf über 50 Prozent der Fälle zu", so Reinkemeier. "Beim Entzünden mit Grillanzünder oder Brennspiritus ist dann eine Stichflamme entstanden." Doch die Gefahr lauert auch an anderer Stelle.
Was sind die häufigsten Ursachen für Grillunfälle?
- Spiritus, Benzin oder Ethanol werden nachträglich in die Glut gekippt
- zu frühes Auflegen von Grillgut: Fett tropft und Flammen schlagen hoch
- ungeeigneter Standort: Grill steht zu nah an Hauswand, Hecken oder entflammbaren Möbeln
- Kinder oder Haustiere stoßen den Grill um
Zudem kann neben genereller Unachtsamkeit auch Alkohol ein Faktor sein und indirekt eine Rolle spielen. Unter Alkoholeinfluss werden häufiger Fehlentscheidungen getroffen, wie zum Beispiel Spiritus auf die Glut zu kippen.
Schnell löschen, aber Vorsicht vor Fettbrand-Explosion
Was das Verbrennungsausmaß angeht, sind meistens die Körperteile besonders betroffen, die nicht von Kleidung bedeckt sind, erklärt Reinkemeier. Das betrifft vor allem Hände, Arme und auch das Gesicht. Wie schwer die Verbrennungen sind, hänge am Ende auch davon ab, wie lange die Haut den Flammen ausgesetzt ist. "Das Wichtigste ist, die Person möglichst schnell zu löschen", sagt Reinkemeier.
Wenn die Person noch in der Nähe des Grills steht, ist allerdings Vorsicht geboten, denn hier kann es zu einer Fettbrand-Explosion kommen. In diesem Fall sind eine Löschdecke oder ein Feuerlöscher die bessere Wahl. Um es so weit gar nicht kommen zu lassen, gibt es Tipps für sicheres Grillen.
Welche Regeln gibt es für sicheres Grillen?
- nie Spiritus oder Benzin verwenden
- nur feste Grillanzünder benutzen
- Grill immer standsicher und mit Abstand zu brennbaren Materialien aufstellen
- Kinder und Haustiere auf Abstand halten
- Feuerlöscher oder Löschdecke in der Nähe haben
- Glut immer vollständig auskühlen lassen
Unsere Quellen:
- Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
- Polizei Ennepe-Ruhr-Kreis
- WDR-Gespräch mit Oberarzt Felix Reinkemeier vom Universitätsklinikum Bochum
- Haus & Grund
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 27.04.2026, 21:45 Uhr
