Minimum Bronze: Das Verler Freibad verschärft seine Regeln - wegen Nichtschwimmern
Freibad Verl : Ohne Bronze kein Einlass
Stand:
Das Freibad in Verl lässt 16-Jährige und Jüngere nur noch mit Schwimmnachweis oder einem erwachsenen Aufpasser rein. Der Grund: Zu viele Kinder und Jugendliche können nicht oder nur extrem schlecht schwimmen.
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Jetzt mitdiskutierenDie Freibad-Saison hat in Verl Ende April begonnen. Direkt zum Start diskutiert Schwimmmeister Björn Jann am Eingang mit einer Gruppe Jungs. Er schaut sich ihre Schülerausweise an. "Du und du, ihr seid erst 16. Habt ihr das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze?" Die beiden angesprochenen Jungs schütteln den Kopf. Beide dürfen so nicht rein.
"Wer nicht schwimmen kann und trotzdem ins Freibad geht, der kann im Extremfall sterben." Björn Jann, leitender Schwimmmeister Stadt Verl
Die Fachangestellten für Bäderbetriebe wissen, dass sie sich mit der neuen Maßnahme wahrscheinlich nicht beliebter machen. Der leitende Schwimmmeister Björn Jann sagt, die neue Regel sei trotzdem alternativlos. "Wir wollen nicht erst warten, bis jemand ertrinkt."
Wenn's voll ist, rutschen Nichtschwimmer schnell durch
Björn Jann ist der leitende Schwimmmeister der Stadt Verl
Er schüttelt den Kopf: "Im Gewimmel haben wir als Aufpasser keine Chance, hier jeden Einzelnen ständig zu überwachen. Es gibt zu viele Jugendliche, die nicht schwimmen können und die sich nur ein paar Meter gerade so über Wasser halten. Ich verstehe echt nicht, dass die Eltern die schwimmen gehen lassen."
Bronze - für sichere Schwimmer kein Problem
Auf Bahn 1 schwimmt währenddessen Maxim Tomilov. Der 13-Jährige ist extra heute gekommen, um die Prüfung für das Deutsche Schwimmabzeichen in Bronze zu machen. "Ich will in den nächsten Tagen mit meinen Freunden ins Freibad. Ohne Bronze müsste ja jedes Mal meine Mutter mit kommen und aufpassen. Da mache ich lieber eben die Schwimmprüfung."
Maxim Tomilov macht gerade sein Bronze-Abzeichen.
Maxim schwimmt 15 Minuten lang, schafft dabei die Mindeststrecke von 200 Metern, macht einen Sprung vom Ein-Meter-Brett ins Becken und holt aus zwei Metern Tiefe einen Ring hoch. Noch ein paar Fragen zu den Baderegeln - und er bekommt von einer Bademeisterin sein Bronze-Abzeichen. Maxim freut sich:
"Das ist auch ein Stück weit Sicherheit und Freiheit." Maxim Tomilov, Schwimmer
Zwei Bahnen weiter schwimmt eine 16-Jährige, Nora Oers. Sie hat nicht nur Bronze, sie ist sogar Rettungsschwimmerin. Sie sagt: "Ich sehe hier immer wieder Jugendliche, die überhaupt nicht schwimmen können, und die gehen trotzdem ins tiefe Becken. Das ist doch Wahnsinn. Die neuen Schwimm-Checks machen total Sinn."
Manche haben Verständnis - andere weniger
Björn Jann diskutiert derweil immer noch mit der Jungengruppe. Die Prüfung eben jetzt ablegen wollen sie nicht. Jann sagt: "Die finden das jetzt peinlich vor ihren Freunden. Aber das macht nichts, das spricht sich jetzt rum. Und in einem Jahr regt sich hier keiner mehr auf."
Das Verler Freibad ist übrigens nicht das erste Schwimmbad in NRW, das seine Regeln anzieht. Erst vor wenigen Wochen hatte das Westfalenbad in Hagen strengere Regeln eingeführt - nach zwei tödlichen Badeunfällen. Ein weiteres Beispiel ist das Hallenbad Berkum in Wachtberg. Dort dürfen Kinder ab sieben Jahren nur mit dem Bronze-Abzeichen ohne erwachsene Begleitung ins Schwimmbad. Allerdings ist das Bad zurzeit wegen Sanierung geschlossen.
Unsere Quellen:
- Stadt Verl
- Leitender Schwimmmeister Björn Jann
- Freibad-Gäste
Sendung: WDR.de, Freibad in Verl nur noch mit Bronze-Nachweis, 01.05.2026, 15:01 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels: 30.04.2026.
18 Kommentare
Kommentar 18: Nathalie schreibt am 05.05.2026, 13:19 Uhr :
Sehr guter Beitrag! Richtig und wichtig! Nur eine Anmerkung! Das Hallenbad in Berkum /Wachtberg ist schon seit zwei Jahren wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Da kann niemand schwimmen… ☹️
Antwort von WDR.de , geschrieben am 05.05.2026, 13:36 Uhr :
Liebe Nathalie, vielen Dank für den Hinweis. Wir ändern das im Artikel.
Kommentar 17: Anke Schewe schreibt am 05.05.2026, 05:40 Uhr :
Es ist selbstverständlich, daß ein Kind schwimmen kann, wenn es ins Schwimmbad geht. Wenn es dort voll ist kann man nicht Augen genug haben. Die Eltern haben die Aufsichtspflicht,das vergessen auch viele. Ohne Abzeichen hätte ich meine eigenen Kinder nie alleine ins Schwimmbad gelassen.
Kommentar 16: Marcus R. aus P. schreibt am 03.05.2026, 10:46 Uhr :
Mit heute über sechzig bin ich noch immer ein sehr guter, sportlicher Schwimmer. Schwimmen war ab dem vierten Lebensjahr Thema in Familie, DLRG und Verein. Die Schwimmfähigkeit zu haben, verorte ich aber weniger sportlich sondern als Selbst- und Fremdschutz. Ich halte es für unsozial, Faulheit, Unwilligkeit und Ignoranz der Öffentlichkeit aufzubürden. Wer sich nicht aktiv darum bemüht, einer sicherer Schwimmer zu sein, der hat in "Badeanstalten" und an Badestellen einfach nichts zu suchen. Wer keine entsprechende Fahrerlaubnis hat, darf auch kein Auto fahren.
Kommentar 15: Tamara schreibt am 03.05.2026, 04:56 Uhr :
Ich finde es gut das darauf geachtet wird. Bei meinen Kindern achte ich auch darauf das sie wenigstens das Bronzeabzeichen haben. Als Kind bin ich fast ertrunken weil ich ins Tiefe Wasser geschubst wurde und noch nicht schwimmen konnte. Es müssen halt Prioritäten gesetzt werden.
Kommentar 14: Sabine schreibt am 02.05.2026, 19:05 Uhr :
Ich bin selber Fachangestellte für Bäderbetriebe , aber wenn ich sehe was die Schulen an Schwimmuterricht machen. Da schlägt du die Hände übern Kopf zusammen. Die vorführende Schule, die machen nur spiel und Spaß sonst nichts.
Kommentar 13: Felix Klüsener schreibt am 02.05.2026, 18:03 Uhr :
Schade, dass solche Maßnahmen nötig sind. Meine Eltern haben mich nie aus den Augen gelassen, wenn wir im Schwimmbad waren, als ich noch nicht 100 % sicher schwimmen konnte. Diese ganzen Abzeichen habe ich nie gemacht, mit Ausnahme des Seepferdchens in der 1. Klasse. Die Abzeichen brauchte man damals aber auch nicht zwingend, da es eine Selbstverständlichkeit war, dass man vernünftig schwimmen kann, wenn man in das Schwimmerbecken geht, ob nun mit oder ohne Abzeichen. 500 Meter sicheres schwimmen ohne Pause und 3 Meter tauchen stellten damals die persönliche Anforderung meiner Eltern dar, bevor ich unbeaufsichtigt ins Schwimmbad durfte. Heutzutage wird diese Verantwortung offenbar lieber auf Dritte (Schwimmbadbetreiber, Bademeister, Schulen, etc.) übertragen.
Kommentar 12: Heike schreibt am 02.05.2026, 16:52 Uhr :
Finde ich gut. Allerdings sollten sich da auch die Schulen beteiligen, damit jedes Kind die Chance hat, das Schwimen zu erlernen.
Kommentar 11: Roland schreibt am 02.05.2026, 15:07 Uhr :
Ich bin nun schon 60 und nicht der beste Schwimmer, mangels Gelegenheiten. Zu meiner Grundschulzeit hatten wir 1x die Woche 2 Zeitstunden Schwimmunterricht. "Lehrer" war der Busfahrer des Schulbusses, der uns zum Schwimmbad und zurück gebracht hat. Allen Schülern meiner und der Parallelklasse hat er so zu den damals Frei- und Fahrtenschwimmer genannten Abzeichen verholfen, so daß unsere Eltern uns beruhigt im Sommer ins Freibad lassen konnten.
Kommentar 10: Kai schreibt am 02.05.2026, 14:45 Uhr :
Ich finde es richtig so bin selber seit 15 Jahren. Es fängt doch alles beim Schwimmkurs an! Man sollte direckt einen Erweiterungskurs machen! Ich habe schon viele Kurse gegeben! Aber Bronze ist für mich auch kein Freifahrtsschein! Auch wenn die kids bronze haben und trotzdem nicht vernünftig schwimmen können bleiben sie im Nichtschwimmer!!! Seepferdchen ist für mich nur ein Ansporn für die Kids um weiter zu machen! So und Pimpi,und der ganze andere müll sollte verboten werden
Kommentar 9: Anny schreibt am 02.05.2026, 14:43 Uhr :
Betreff: Kontrollierende und Einschränkende Maßnahmen auf Erwachsene ausweiten...? Finde ich (persönlich) auch etwas schwierieg/übertrieben, da Erwachsene ja eigentlich so verantwortungsbewusst sein sollten, um zu entscheiden ob Sie ausreichend Schwimmen können. Es gibt auch einige wenige Kursangebote, wo Erwachsene schwimmen lernen können (aber wer schwimmen kann, aber - aus Gründen - halt langsamer schwimmt, braucht das natürlich nicht. Zur INFO Abzeichen und Ihre Vorraussetzungen: https://www.dlrg.de/informieren/ausbildung/schwimmabzeichen/
Kommentar 8: Dani schreibt am 02.05.2026, 10:04 Uhr :
Ich finde es genau richtig so. Ich bin der Meinung, dass Eltern darauf achten sollten, dass ihr Kind frühzeitig die Abzeichen machen. Wir mussten zwar viele Umwege nehmen, da es leider schwierig war einen Platz im Schwimmkurs zu bekommen. Aber mit Eigenleistung und Ansporn hat unser Sohn bereits mit 9 Jahren das Gold Abzeichen gemacht.
Antwort von W. Luca , geschrieben am 02.05.2026, 16:23 Uhr :
Prima , wieviele Kinder haben in der Coronazeit keinen Schwimmkurs besuchen können und danach , wegen großer Anzahl von von fehlenden Plätzen , nicht schwimmen lernen können . Dieses hat zur Folge , dass Kinder mit 7 - 8 jährige nicht schwimmen können . Hinzu kommt , das immer wieder Schwimmhallen schließen .
Antwort von Marcus R. aus P. , geschrieben am 03.05.2026, 10:49 Uhr :
Hört doch auf mit der Ausrede Corona bla bla. Es ist nie zu spät, Schwimmen zu lernen.