Kaputte Duschen, abgeplatzte Fliesen oder abgerockte Umkleiden: Viele Schwimmbäder in Deutschland sind in die Jahre gekommen. Sie sind marode, dauerhaft geschlossen und modernisiert wurde zu wenig. In Nordrhein-Westfalen ist der Sanierungsbedarf von Bädern besonders groß, in keinem anderen Bundesland gibt es mehr Hallenbäder.
Schwimmbäder schließen wegen knapper Kassen
Aber weil es an Geld fehlt, stehen viele Schwimmbäder vor dem Aus: In Nordrhein-Westfalen schließt durchschnittlich ein Bad pro Monat. Allein in Dortmund mussten in diesem Jahr bereits vier Bäder dichtmachen.
In manchen Regionen gibt es keine Schwimmbäder mehr für den Freizeitsport im Wasser und für die Pflichtaufgabe Schulschwimmsport. Nach Angaben der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) findet bundesweit an 20 Prozent aller Schulen kein Schwimmunterricht mehr statt, weil es an Schwimmbädern fehlt.
Zahl der Nichtschwimmer steigt
Das führt auch dazu, dass die Zahl der sicheren Schwimmer in der Gesellschaft sinkt. Der Anteil der Nichtschwimmer unter Grundschulkindern in Deutschland hat sich seit 2017 verdoppelt. Jedes fünfte Grundschulkind kann nicht richtig schwimmen.
Die Gründe: Corona, geringes Einkommen und zu wenige Bäder bzw. lange Wartelisten bei Schwimmkursen. Nach Angaben der DLRG steigt die Zahl der Badetoten: von 299 im Jahr 2021 auf 411 im Jahr 2024.
Schwimmunfähigkeit kann lebensgefährlich sein
"Schwimmenlernen sollte ein Grundrecht für jedes Kind sein", sagt Franziska van Almsick, Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin im Schwimmen. "Weil es lebensnotwendig ist, schwimmen zu können. Ertrinken geschieht schnell und lautlos. Schwimmen zu können ist daher keine Nebensache, sondern lebenswichtig."
Almsick unterstützt die Forderungen der Schwimmverbände: Einen flächendeckenden Schwimmunterricht an Schulen, sowie Ausbau und Verbesserung der Bäderinfrastruktur. Heißt: Mehr Bäder und bessere Erreichbarkeit.
Wie können wir die Schließung von Bädern verhindern? Könnten private Schwimmbäder eine Alternative sein? In NRW gibt es viele Beispiele für Schwimmbäder, die von Bürgervereinen betrieben werden.
Was muss sich ändern, damit wieder mehr Kinder die Schwimmfähigkeit erlernen? Sollte Schwimmunterricht in der Schule obligatorisch sein? Wie können wir alle Menschen in Deutschland zu Schwimmerinnen und Schwimmern machen? Kennen Sie gute Beispiele aus anderen Ländern, die als Vorbild dienen?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Martin Holzhause, Pressesprecher DLRG
Redaktion: Birgit Becker und Beate Wolf