Brückenchaos in NRW

Aktuelle Stunde 11.06.2026 27:32 Min. Verfügbar bis 11.06.2028 WDR Von Alexander Roettig

Verkehrschaos So teuer wird die Sperrung der Nordbrücke in Bonn für die Wirtschaft

Stand:

Die Bonner Nordbrücke gilt als Rückgrat für den Pendler- und Wirtschaftsverkehr. Jetzt ist sie gesperrt - mit erheblichen Folgen.

Von Annelen Bergenthum

"Es entstehen zahlreiche Überstunden, der Weg zur Arbeit ist für viele Mitarbeiter deutlich länger und die Ware kommt nicht pünktlich beim Kunden an." So beschreibt Philip Spath, Prokurist und Logistikleiter der Baumann Logistik GmbH aus Bonn die Probleme, die das Unternehmen seit etwa einer Woche erlebt. Seitdem ist die Bonner Nordbrücke gesperrt und damit eine wichtige Autobahnbrücke über den Rhein für den Verkehr dicht.

Fahrzeuge stehen auf der Kennedybrücke in der Bonner Innenstadt im Stau. Nach Sperrung der Nordbrücke verdichtet sich der Verkehr in der Innenstadt.

Nach der Sperrung der Nordbrücke verdichtet sich der Verkehr in der Bonner Innenstadt.

Für die Wirtschaft kann so eine Brückensperrung teuer werden. Die Industrie- und Handelskammer NRW (IHK) geht davon aus, dass dadurch ein Schaden von mehr als einer Million Euro pro Tag entsteht. "Der kurzfristige Effekt ist: Alle stehen im Stau und müssen erhebliche Umwege fahren", sagt Ocke Hamann, Verkehrsexperte der IHK NRW. Doch auch langfristig könnten Brückensperrungen zu einem erheblichen Standort-Nachteil für Unternehmen werden. "Das hat Einfluss auf die Investitionen. Wenn Firmen mehrere Standorte haben, expandieren sie woanders."

Frühere Brückensperrungen mit erheblichen Folgen

Nach der Sperrung der Rahmedetalbrücke im Sauerland im Jahr 2021 beispielsweise klagten vor allem Einzelhändler über Umsatzeinbrüche, weil Kunden auf längere Anfahrtswege verzichteten. Fachkräfte wanderten teilweise in andere Regionen ab. In einzelnen Unternehmen führte dies laut IHK zu massivem Personalmangel.

Die wirtschaftlichen Folgen der Brückensperrung in Bonn

WDR 11.06.2026 05:35 Min. Verfügbar bis 10.06.2028 WDR Online

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Auch der ADAC Nordrhein spricht jetzt von einer "Vollkatastrophe für die Region", was die Brückensperrung in Bonn angeht. Der ADAC hatte im vergangenen Jahr in einer Modellstudie die Sperrung der Nordbrücke simuliert. Demnach müssen Autofahrer pro Jahr Umwege von insgesamt 50 Millionen Kilometern in Kauf nehmen, Lkw von 5,5 Millionen Kilometern. Der volkswirtschaftliche Schaden würde sich demnach auf mehr als 170 Millionen Euro belaufen.

Viele marode Brücken in NRW

Das Problem: NRW ist mit rund fünf Millionen Pendlern ein typisches Pendlerland. Zudem führen durch seine zentrale Lage und die Nähe zu internationalen Häfen viele europäische Routen des Güterverkehrs durch das Land. In keinem anderen Bundesland müssen so viele Brücken ersetzt oder erneuert werden wie in NRW. Laut dem IHK Brückenmonitor sind hierzulande rund 2.500 Brücken marode, fast 800 davon gelten als mangelhaft. Mehr als 30 Prozent der Autobahnbrücken sind sanierungsbedürftig.

Es ist wie Russisch Roulette für die Standorte. Niemand weiß, wen es als nächstes trifft. IHK-Verkehrsexperte Ocke Hamann

Dabei müssten vor allem plötzliche Brückensperrungen wie die in Bonn verhindert werden, sagt IHK-Verkehrsexperte Ocke Hamann: "Wir bräuchten einen Masterplan für die NRW-Brücken, besonders für die Rheinbrücken."

In Bonn gilt es jetzt, möglichst schnell eine Lösung zu finden. Die Autobahn GmbH prüft derzeit, ob die Brücke noch einmal geöffnet werden kann. Der Umleitungsverkehr soll verbessert werden. Die Stadt denkt darüber nach, den ÖPNV vorübergehend kostenlos zu machen. "Es ist vollkommen unakzeptabel, wenn so eine wichtige Schlagader erst nach zwölf bis 15 Jahren wieder neu gebaut wird", sagte der Hauptgeschäftsführer der IHK Bonn/Rhein-Sieg, Hubertus Hille, im WDR 5 Morgenecho.

Auch bei der Baumann Logistik GmbH in Bonn prüft man Lösungsmöglichkeiten. Einige Mitarbeiter könnten beispielsweise von zu Hause aus arbeiten, um die Anfahrtswege zu sparen. "Aber in der Lkw-Werkstatt geht das schlecht. Da fangen die Kollegen jetzt um sechs Uhr statt um 07:30 Uhr an", sagt Philip Spath. Er selbst muss jetzt jeden Abend 35 statt 18 Kilometer nach Hause fahren. Zuletzt hat er dafür über zwei Stunden gebraucht.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, Wirtschaftsmagazin, 11.06.2026, 13:35
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 11.06.2026, 18:45 Uhr

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