Gefährliches Schnäppchen? Wie chinesische Händler Verbraucher täuschen
02:11 Min.. Verfügbar bis 04.07.2027. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
Gefährliches Schnäppchen? Wie chinesische Händler Verbraucher täuschen
Stand:
Verbraucherschützer warnen: Auf Plattformen wie Temu, Shein und selbst im Amazon Marketplace fehlen häufig wichtige Produktinformationen. Wir erklären, worauf Verbraucher beim Online-Shopping unbedingt achten sollten.
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Jetzt mitdiskutierenDie Preise wirken verlockend: Millionen Deutsche bestellen bei Plattformen wie Temu, Shein oder im Amazon Marketplace Produkte chinesischer Anbieter. Doch Verbraucherschützer schlagen lautstark Alarm: Aktuelle Stichproben zeigen zahlreiche und gravierende Mängel bei Produktinformationen – mit System.
Gesetzesverstöße bei Temu, Shein & Co
Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBZ) hat zwischen März und April 30 Angebote auf Plattformen wie Temu, Shein, Amazon, Ebay und Zalando untersucht. Ergebnis: Keine einzige Produktseite enthielt alle gesetzlich vorgeschriebenen Informationen.
Besonders problematisch: Händlerangaben wie Name, Adresse oder Ansprechpartner in der EU fehlen häufig ganz oder sind unverständlich. Dabei sind diese Informationen elementar, wenn Kunden von ihren Rechten Gebrauch machen wollen, ob Widerrufsrecht oder Anspruch auf Garantie.
Apps wie Temu oder Shein locken die User mit Sonderangeboten und Gamification
Chinesische Anbieter verstoßen demnach systematisch gegen EU-Recht – während europäische Anbieter die Vorgaben zumindest teilweise einhalten. Besonders ärgerlich: Das Widerrufsrecht wird oft ausgehebelt. Wer Produkte zurücksenden will, soll sie – so verlangen es die chinesischen Händler immer wieder – auf eigene Kosten nach China schicken. Versandkosten und Zoll übersteigen dabei oft den Warenwert.
Kein Kontakt, keine Sicherheit
Verbraucher berichten, dass Rückfragen regelmäßig ins Leere laufen – oft gibt es nur ein Kontaktformular, auf das niemand reagiert. Dazu fehlen Sicherheitskennzeichnungen wie CE-Zeichen, Warnhinweise oder technische Standards. Besonders heikel bei Spielzeug und Elektronik: Hier drohen regelmäßig sogar Gesundheits- und Sicherheitsrisiken.
Auch die Qualität ist oft mangelhaft. Kunden schildern Kleidung mit falschen Größen oder Drucke, die nach der ersten Wäsche verschwinden. Elektronikgeräte sind fehleranfällig oder unsicher. Besonders brisant: Einige Produkte dürfen laut EU-Richtlinien gar nicht verkauft werden – und trotzdem sind sie bestellbar.
Fälle aus NRW
- Düsseldorf: Ein Mann bestellt ein Ladegerät für 15 €. Es geht sofort kaputt. Rückversand nach China hätte 28 € gekostet, der Händler bot nur 30 % Rückerstattung an.
- Köln: Eine Frau kauft über Instagram ein Kleid für 45 €. Geliefert wird ein Billigprodukt, das bei der ersten Wäsche zerfällt. Rückversand: 35 €.
- Essen: Ein Vater bestellt Spielzeug über Amazon. Anbieter: „Müller GmbH“. Das Produkt enthält Schadstoffe, die Firma existiert gar nicht.
Täuschung mit Fake-Bewertungen
Oft fehlen bei chinesischen Versendern wichtige Informationen zu Produkten, Mehrwertsteuer oder Widerrufsrecht
Selbst wer Temu und Shein meidet, ist nicht sicher. Chinesische Anbieter treten auch bei Amazon und Zalando auf – teils unter deutschem Namen. Sie fälschen systematisch Bewertungen, etwa über WhatsApp-Gruppen mit bezahlten 5-Sterne-Rezensenten. Auch auf Instagram schalten Fake-Shops Werbung mit gestohlenen Produktfotos und emotionalen Geschichten („Familienunternehmen schließt“, „Restposten“).
80 % der Online-Produkte stammen aus China
Laut „Transatlantic Consumer Dialogue“, ein Forum, in dem Verbraucherorganisationen aus den USA und der EU gemeinsam Empfehlungen zu verbraucherpolitischen Themen erarbeiten, stammen inzwischen rund 80 % der auf deutschen Plattformen angebotenen Produkte aus China. Bei Elektronik und Spielzeug zeigt der Bericht gravierende Lücken bei der Produktsicherheit.
Politik reagiert zögerlich
„Die Umsetzung der Regeln des Digital Services Act lässt zu wünschen übrig“, kritisiert Ramona Pop vom vzbv. Bei Problemen ist oft unklar, wer haftet. Die EU-Kommission hat Ermittlungen gegen Temu und Shein eingeleitet. Auch das Bundeswirtschaftsministerium kündigt stärkere Kontrollen an.
So schützt Ihr Euch beim Online-Shopping
Bei Social-Media-Shops (Instagram, Facebook):
- Vorsicht bei zu guten Angeboten für Markenprodukte
- Emotional aufgeladene Geschichten kritisch prüfen
- Profil des Anbieters checken: neu erstellt? Nur ein paar Beiträge?
- Keine Vorkasse an unbekannte Shops
Bei Amazon Marketplace:
- Verkäufer prüfen: „Verkauf durch Amazon“ oder Drittanbieter?
- Bewertungen kritisch lesen: auffällig positiv? Alle gleich formuliert?
- Stimmt die Produktbeschreibung mit alten Bewertungen überein?
- Fehlt ein deutsches Impressum? Finger weg.
Allgemeine Tipps:
- Rücksendeadresse vorab prüfen
- Anbieter googeln mit „Betrug“ oder „Erfahrungen“
- PayPal oder Rechnung bevorzugen
- iPhone für 300 €? Wahrscheinlich Fake
- Bei Verdacht: Screenshots machen, Polizei informieren
Im Betrugsfall:
- Rückbuchung bei Bank oder PayPal beantragen
- Keine Rücksendung auf eigene Kosten nach China
- Anzeige bei Polizei erstatten
- Plattform über den Fake-Shop informieren
Viele Produkte auf chinesischen Plattformen sind nicht nur qualitativ fragwürdig – sie verstoßen auch gegen europäisches Recht. Verbraucher brauchen mehr Schutz, Plattformen mehr Verantwortung. Bis dahin gilt: Angebote kritisch prüfen und im Zweifel lieber nicht kaufen.
Unsere Quellen:
- Verbraucherzentrale Bundesverband
- Transatlantic Consumer Dialogue
14 Kommentare
Kommentar 14: dr axel spaeth schreibt am 07.07.2025, 06:07 Uhr :
das sind betrüger. es gibt KEINEN service, das rückgaberecht wird nicht eingehalten. das problem ist, der kunde erkennt nicht immer, welcher anbieter dahinter steckt. seriös ist das leider nicht.
Antwort von Dieter Dietsche , geschrieben am 29.04.2026, 16:04 Uhr :
Regenjacke bei amazon bestellt.War zu groß und von schlechter Qualität. Rücksendung in der Orginaltüte sollte 30 Euro kosten,im Karton nur 6,50 € Wir werden nie mehr bei amazon bestellen.Da kann ich doch gleich zu einem noch günstigerm Preis bei temu bestellen See
Kommentar 13: Oldtimer schreibt am 07.07.2025, 00:49 Uhr :
Jeder Verkäufer versucht zu täuschen, wenn er sein Angebot möglichts gut darstellt. Dafür gibt es national Regeln, die international nicht gelten. Wenn ich nach alter Väter Sitte Offline im Einzelhandel kaufe habe ich mehr möglichkeiten das Angebot zu prüfen. Wer will kann Lotto spielen, ich kaufe beim Händler in der Nähe, dem ich notfalls täglich auf den Geist gehen kann wenn Versprechen nicht eingehalten wurden.
Kommentar 12: Rüdiger schreibt am 06.07.2025, 22:52 Uhr :
Wenn du Produkte aus China bestellst, verzichtest du im Prinzip auf dein Widerrufsrecht. Kaufe deshalb lieber nur günstige Produkte, damit der Verlust nicht zu hoch ist, wenn etwas schiefgeht.
Kommentar 11: Franziska 1 schreibt am 06.07.2025, 20:12 Uhr :
Beim bestellen im Internet ist der Besteller selbst verantwortlich, wenn er gedankenlos der Shop- Webseite vertraut. Ich vergleiche die Käufer im Internet mit Auswanderer. Es gibt Leute die wandern in ein bestimmtes Land aus und waren kein einziges mal in dem Land wo sie leben wollen. Schöne Bilder vom Ausland, schöne Artikel die billig erscheinen, da schwimmt die Vorsicht weg. Später kommt erst das Erwachen vom Auswanderer und vom Internetkäufer. Gibt es das Internet erst seit Anfang 2025, weil so viele Menschen noch darauf rein fallen? Ich bestelle nichts im Internet. Fachgeschäfte vor Ort bieten alles, dazu muss ich nicht China surfen und bestellen. Lieber ein paar Euro mehr, ist länger tragbar, als einen billigen schönen Fummel der nach ein paar Waschgängen in der Abfalltonne liegt.
Kommentar 10: Conny schreibt am 06.07.2025, 20:05 Uhr :
Cartpanda. 1. Inhalt der Ware stimmt nichts mit der Werbung überein, kommt über Holland plus US Zoll 2. Rücksendung nach USA 50 Euro. Bei einem Warenwert von 300 und mehr habe ich es gewagt und mit PAYPAL gedroht. Lernen lernen....
Kommentar 9: unbekannt schreibt am 06.07.2025, 17:06 Uhr :
Bei einer Straftat mit Tätern in China möchte ich bitten, nicht das deutsche Rechtssystem damit zu belasten. Es bedeutet Arbeit, die ins Nichts führt. Wer das europäische Ausland verlässt (auch im Sinne des Onlineshoppings), muss damit Leben, rechtlich in der Luft zu hängen!
Kommentar 8: Julia Masseck schreibt am 06.07.2025, 16:36 Uhr :
Es können auch noch zu den Fake Produkten Skorpione im Paket sein!!!
Antwort von Oldtimer , geschrieben am 07.07.2025, 01:03 Uhr :
Nein, das kommt bei Nicht-Fake Obst aus fernen Ländern schon mal vor. Zu gefährlicher oder nicht gefährlicher Elektrik haben giftige Viecher keine Beziehung und giftige Viecher mögen auch keine anderen Gifte die in Billigzeug vorhanden sein könnten.
Kommentar 7: Annegret Balke schreibt am 06.07.2025, 16:19 Uhr :
Vielen Dank für die Tipps und Informationen. Ich habe auch gerade Ärger mit Orthoback. Habe die Annahme verweigert. Lt. DHL ist die Ware auch nach Rodgau zurück gekommen beim Geschäftskunden, aber Pustekuchen. Habe schon per Email mehrfach Kontakt mit dem Support gehabt. Die haben mir auch schon eine Mahnung geschickt. Auch ich sollte die Ware nach Hongkong zurücksenden. Aber ich habe die Ware nicht mehr. Was soll ich machen. Ich werde wohl die Rechnung begleichen müssen und die Sache unter Lebenserfahrung verbuchen.
Kommentar 6: Anonym schreibt am 06.07.2025, 15:36 Uhr :
Ich habe vor 7 Wochen Orthopädische Turnschuhe bei Orthodays.de bestellt. In Gr. 40, die Schuhe kamen in Gr. 38. Auf der Website wurde eine Deutsche Adresse in Frankfurt genannt, die Rücksendung wurde mit Kostenlos beworben und Geld-Zurück-Garantie binnen 30 Tage. Fakt war, ich habe bis heute das Geld nicht zurück, PayPal erhielt ebenfalls dieselben vorgefertigten Antworten. Rückbuchung funktionierte per PayPal nicht.
Antwort von Franziska 1 , geschrieben am 06.07.2025, 20:46 Uhr :
Für die Webseite von Orthodays ist nur der Betreiber verantwortlich, der Lieferant ist in China. Lesen Sie ganz am Ende der Shop -Webseite das Impressum. Das ist bei jeder Bestellung sehr wichtig. Ich surfe nur zur Information, kaufe nichts im Internet. Warum soll man sich Ärger einkaufen? Ware sehen, Qualität fühlen, dass ist meine Devise beim Shopping.
Kommentar 5: Loewe schreibt am 06.07.2025, 15:35 Uhr :
Habe mir Gesundheitsschuhe im Internet gekauft. Als sie kamen war schon am Geruch zu erkennen dass sie von keiner guten Qualität waren. Bei der Rücksendung hätte ich über 30 € zahlen müssen. Das Angebot 30% zu erstatten habe ich zähneknirschend angenommen. Einmal und nie wieder. Jetzt gehe ich meine Schuhe vor Ort kaufen und unterstütze damit unsere Händler und Geschäfte 👎
Kommentar 4: Arno schreibt am 06.07.2025, 15:34 Uhr :
Es ist schon erstaunlich, dass viele Produkte von AliExpress, Temu usw..., auch bei Amazon angeboten werden. Die sind identisch, kosten allerdings bei Amazon 3-4 x so viel. Da muss man sich nicht wundern, dass die Leute lieber direkt bei chinesischen Plattformen bestehen.