Im Land der Haute Couture geht es längst nicht mehr nur um die hohe Kunst der Textilverarbeitung. Die Stücke sind schön anzusehen, aber leisten konnten sie sich ohnehin schon immer nur die wenigsten. Mode für alle kommt stattdessen von Fast-Fashion-Anbietern aus aller Welt.
Online dominieren inzwischen chinesische Plattformen, die bekannte europäische Ketten wie H&M, Zara oder New Yorker bei den Preisen oft unterbieten. Chinesische Plattformen wie Shein, Temu und Aliexpress boomen hingegen und haben sich unter anderem mit Geschenk- und Rabattaktionen fast schon aggressiv auf den europäischen Markt gedrängt.
Billige Ware ohne Zwischenhändler
Ihr Konzept ist einfach: Sie verkaufen billige Ware ohne Zwischenhändler direkt aus China nach Europa. Viele Päckchen gehen auch nach Deutschland. Immerhin geben 87 Prozent von 1.000 Befragten in einer repräsentativen Studie der Beratung Oliver Wyman an, mindestens einmal bei einem der chinesischen Billiganbieter eingekauft zu haben.
In Frankreich will die Politik etwas dagegen unternehmen. Rund ein Jahr nach Vorlage steht ein Gesetz zur Eindämmung der sogenannten "Ultra-Fast-Fashion" im Senat zur Abstimmung. Das Ziel: Den wachsenden Markt für kurzlebige günstige Mode regulieren.
Was genau plant die französische Regierung?
Frankreichs Regierung will mit dem neuen Gesetz gegen Billig-Produkte und Überproduktion vorgehen. In diesem sogenannten Anti-Fast-Fashion-Gesetz steht zum Beispiel drin, dass die Plattformen bis zu fünf Euro pro Kleidungsstück zahlen sollen, wenn Hosen, Pullover oder Schuhe schlecht produziert sind und weggeschmissen werden müssen. Es soll außerdem Werbe-Auflagen für die Plattformen geben.
Interessant an dem Gesetz ist auch: Die Regierung in Frankreich will nur Plattformen außerhalb Europas bestrafen. Textilanbieter aus der EU mit ähnlicher Produktion sollen nicht betroffen sein. Unklar ist, wie die Pläne der französischen Regierung mit EU-Recht vereinbar sind.
Anti-Fast-Fashion-Gesetz in Frankreich: Firmen wie H&M oder Zara nicht betroffen
Textilproduktion für Shein in China.
Frankreich geht es wohl weniger um Fast Fashion an sich - das Land will gegen "Ultra Fast Fashion" vorgehen. So wird zumindest der "neue" Markt rund um die chinesischen Plattformen bezeichnet. Wie konsequent das ist, darüber lässt sich allerdings streiten. Den: Auch Primark, Zara, H&M oder New Yorker produzieren teilweise in denselben Fabriken wie chinesische Anbieter.
Allerdings schaffen die stationären Einzelhandelsketten in Fußgängerzonen zumindest Arbeitsplätze und sind nicht nur ausschließlich online verfügbar.
Hat die Bundesregierung ähnliche Pläne?
Aktuell gelten in Deutschland für Shein, Temu & Co die gleichen Vorschriften wie für andere Online-Händler. Die Bundesregierung fordert aber, chinesische Anbieter stärker zu kontrollieren. Ein Vorschlag der EU-Kommission ist, über eine pauschale Abgabe von bis zu zwei Euro pro Paket aus Nicht-EU-Ländern wie China gegen die Plattformen vorzugehen.
Welche Möglichkeiten gibt es, um nachhaltiger einzukaufen?
Ein Schritt zu mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank: Einkaufen im Secondhand-Laden
Wer Produkte mit besseren Herstellungsbedingungen möchte, sollte auf Kleider-Siegel achten. Das kann dazu beitragen, dass die Umwelt weniger belastet wird und z.B. Wasser gespart wird. Als empfehlenswert gelten unter anderem "Blauer Engel", "EU Ecolabel", "Fairtrade" für Baumwolle und Textilproduktion, "GOTS" oder auch "Naturland".
Es empfiehlt sich auch, beim Kauf auf Teile aus biologisch angebauter Baumwolle (organic cotton) achten. Die sind nachhaltiger und es gibt sie auch bei bekannten Fast-Fashion-Ketten. Als ökologisch sinnvoll gilt auch, Secondhand-Kleidung zu kaufen. Auch modeinteressierte Menschen können dort günstige Markenkleidung, ältere wertige Kleidung und besondere Stücke finden.
Wer auf mehr Nachhaltigkeit im Kleiderschrank setzen will, kann auch auf mehr Qualität statt Quantität setzen. Hochwertig produzierte Kleidung ist oft langlebiger und kann einfacher repariert oder wieder verkauft angeboten werden. Experten empfehlen außerdem, Mode insgesamt bewusster zu konsumieren. Das bedeutet, zeitlos einzukaufen. Nicht jeder Trend muss mitgenommen werden. Gerade heutzutage, wo der persönliche Stil und nicht unbedingt die aktuellsten Modetrends im Fokus stehen.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- punktEU - Der Europa-Podcast von WDR5
- Artikel Zeit Online (“Ein feiner Unterschied”)
Über dieses Thema berichtete der WDR am 10.06.2025 auch im WDR 5 Wirtschaftsmagazin um 13.35 Uhr auf WDR5.