Das rot-weiße Zirkuszelt der Familie Traber.

Der Familienzirkus Traber bei seinem Gastspiel in Duisburg im Mai 2026.

Zirkus in NRW Zwischen Rekordshows und Existenzkampf

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Wenn der Circus Roncalli in Köln gastiert, ist das längst mehr als Unterhaltung. Moderner Zirkus ist heute oft große Show – und ein erfolgreiches Geschäftsmodell. Mehr als 130.000 Besucherinnen und Besucher kamen zur Tour 2024/25. Doch der Boom gilt vor allem für die großen Namen. Viele kleinere Zirkusse, vor allem Familienbetriebe, stehen wirtschaftlich unter Druck – auch in Nordrhein-Westfalen.

Ein verregneter Donnerstagnachmittag im Duisburger Stadtteil Neumühl. In weniger als einer Stunde soll beim Zirkus Traber hier die Premierenvorstellung beginnen. Doch der Regen hat das Sägemehl in der Manege aufgeweicht - und die Sorge groß, ob überhaupt genug Gäste kommen.

"Man ist immer ein bisschen nervös", sagt Remo Traber. Er kennt diese finanzielle Unsicherheit gut. Schon als Kind stand der Jongleur und Hochseilartist in der Manege. Heute führt er den Zirkus aus Dormagen in siebter Generation. "Wir hoffen, dass es gut anläuft, gerade die ersten ein, zwei Tage sind wichtig", weiß der erfahrene Zirkusmacher.

Ein Geschäft mit vielen Unwägbarkeiten

Wie viele Zirkusse es in Nordrhein-Westfalen gibt, ist nicht genau erfasst. Der Verband deutscher Circusunternehmen geht von etwa 60 Betrieben aus, darunter viele Familienzirkusse. Gerade die sind stark vom Tagesgeschäft abhängig. Wenn es heftig regnet oder im Sommer zu heiß ist, bleiben die Gäste lieber zu Hause.

Remo Traber steht vor dem roten Vorhang in der Manege seines Zirkuszeltes.

Remo Traber leitet den Familienzirkus Traber aus Dormagen in siebter Generation.

Es ist ein hartes Geschäft - doch das war schon immer so, sagt Ralf Huppertz, Vorsitzender des Branchenverbands. "Dass die Umsätze sehr schlecht sind, ist nichts Neues, diese Phasen gab es früher auch schon", so Huppertz. Im Zirkuszelt der Familie Traber ist Platz für bis zu 300 Gäste. Die Tickets für Erwachsene kosten zwischen 16 und 28 Euro. Das macht bei ausverkauftem Zelt einen Tagesumsatz von rund 6.000 Euro.

Finanziert werden müssen davon neben dem laufenden Betrieb etwa 20 Familienmitglieder und mindestens ebenso viele Tiere. "Wir haben keine festen Angestellten, wenn nichts verdient wird, bekommen wir auch nichts, da beschwert sich aber auch niemand", erzählt Remo Traber. So läuft es bei den Familienzirkussen häufig.

Winterzirkus und Kinderaktionen als sichere Einnahmequellen

Doch die Branche hat sich verändert. Viele große Zirkusse wie Barum und Sarasani haben aufgegeben. Die kleineren Betriebe bauen sich neben den klassischen Zirkusvorstellungen zunehmend weitere Standbeine auf. Der Winterzirkus - eine Idee aus der Corona-Zeit - hat sich bei vielen Betrieben inzwischen etabliert.

In den Sommermonaten bieten manche Zirkusse inzwischen Mitmach-Programme für Kinder an. "Für viele Familienbetriebe, die es früher sehr schwer hatten, mit ihrem Zirkus zu bestehen, ist das jetzt eine sichere Einnahmequelle", sagt Ralf Huppertz vom Zirkusverband.

Zirkus in NRW: Zwischen Rekordshows und Existenzkampf

WDR 18.05.2026 04:23 Min. Verfügbar bis 18.05.2028 WDR Online

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Zur Premierenvorstellung des Zirkus Traber sind trotz des Regens etwa 150 Gäste gekommen. Remo Traber wirkt einigermaßen zufrieden, schließlich stehen hier auf dem Platz in den nächsten Tagen noch acht weitere Vorstellungen an. Doch klar sei auch: "Reich wird man mit einem Familienzirkus nicht."

Unsere Quellen:

  • Interview Remo Traber
  • Interview Ralf Huppertz, Verband deutscher Circusunternehmen

Sendung: WDR.de, "Zirkus in NRW: Zwischen Rekordshows und Existenzkampf", 18.05.2026, 5:03 Uhr

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