WhatsApp: Werbung kommt – und wer das nicht will, soll zahlen
03:52 Min.. Verfügbar bis 30.01.2028. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
Über 60 Millionen Deutsche nutzen WhatsApp täglich - bisher kostenlos und werbefrei.
Doch damit könnte bald Schluss sein. In einer Vorabversion der WhatsApp-App für Android - solche Beta-Versionen werden vor der offiziellen Veröffentlichung an Freiwillige verteilt, um neue Funktionen zu testen - ist erstmals ein Preis aufgetaucht: rund vier Euro pro Monat für werbefreie Nutzung.
Damit wird das sogenannt "Freemium"-Modell konkret, über das Meta bereits seit Monaten offen spricht. Nutzer sollen künftig wählen können: Entweder gelegentliche Werbung im Messenger akzeptieren, oder, wer das nicht möchte, soll künftig ein Abo abschließen. Erste konkrete Preissignale gibt es bereits.
Status bleibt nicht werbefrei - Chats schon
WhatsApp wird Werbung im Bereich "Status" der App zeigen, nicht in den Chats
Entscheidend ist dabei: Die Werbung erscheint nicht etwa direkt in privaten Chats oder Gruppengesprächen. Stattdessen sollen die Anzeigen im "Aktuelles"-Tab ausgespielt werden - dort, wo Nutzer die Status-Meldungen ihrer Kontakte ansehen und Kanälen folgen können. Status-Meldungen funktionieren ähnlich wie Instagram-Stories: Sie sind 24 Stunden sichtbar.
Zwischen diesen Status-Updates sollen künftig Werbeanzeigen auftauchen - als "gesponsert" gekennzeichnet, aber optisch eingebettet. Meta verspricht: Private Nachrichten, Telefonate und Gruppen-Chats bleiben komplett werbefrei und weiterhin Ende-zu-Ende-verschlüsselt.
Über 1,5 Milliarden Menschen weltweit nutzen den Status-Bereich täglich - ein riesiges Publikum für Werbetreibende. Für Meta bedeutet das ein enormes Umsatzpotenzial. Analysten rechnen damit, dass der Konzern langfristig über zehn Milliarden Dollar pro Jahr allein mit WhatsApp-Werbung verdienen könnte.
In den USA laufen bereits Tests - Nutzer sind verärgert
In den USA und anderen Ländern außerhalb der EU läuft die Werbung bereits seit Mitte 2025 im Testbetrieb. Die Reaktionen vieler Nutzer fallen deutlich negativ aus. In sozialen Netzwerken ist von "Vertrauensbruch" die Rede, Kommentare wie "das Ende einer Ära" fallen. Andere haben Verständnis, dass ein bislang kostenloser Dienst sich auch irgendwie finanzieren muss.
Besonders bitter: Die WhatsApp-Gründer Brian Acton und Jan Koum hatten Werbung seinerzeit kategorisch ausgeschlossen. Nach dem Verkauf an Facebook 2014 verließen die beiden Gründer das Unternehmen - unter anderem wegen Differenzen über die Kommerzialisierung.
EU-Start in 2026 - Datenschutz verzögerte Einführung
Für Deutschland und die EU hat sich der Start verzögert. Die irische Datenschutzbehörde bremste Meta zunächst aus. In wenigen Wochen beginnt Meta, Werbung in WhatsApp auch in der EU schrittweise auszurollen. Dann sollten auch in Deutschland erste Nutzer Werbung im "Status"-Bereich sehen. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass der Rollout bis Ende des ersten Quartals 2026 weitgehend abgeschlossen sein könnte.
WhatsApp hat 80% Marktanteil in Deutschland
Der Grund für die Verzögerung: Datenschutzfragen in der EU. Die Werbung wird personalisiert ausgespielt, basierend auf Standort, Sprache und abonnierten Kanälen. Wer sein WhatsApp-Konto mit Facebook oder Instagram verknüpft hat, bekommt plattformübergreifend abgestimmte Anzeigen. Die Datenschutzorganisation NOYB von Max Schrems aus Österreich kritisiert das scharf. Meta betont jedoch, Telefonnummern würden nicht an Werbetreibende weitergegeben.
Vier Euro - günstiger als Facebook-Abo
Der Preis von rund vier Euro pro Monat, der in der Beta-Version aufgetaucht ist, liegt deutlich unter den Kosten für werbefreies Facebook (5,99 Euro im Browser, 7,99 Euro in der App). Möglicherweise wird WhatsApp günstiger, wenn es mit bestehenden Meta-Abos kombiniert wird. Ob Meta zusätzlich ein "WhatsApp Plus"-Abo mit Premium-Funktionen plant, ist unklar – doch auch dafür gibt es erste Hinweise: Wer sich für die kostenpflichtige Version entscheidet, bekommt möglicherweise auch mehr Funktionen.
Viele bleiben trotz Kritik
Eine Umfrage des "Ibi research" Instituts aus Juli 2025 zeigt: Trotz aller Kritik werden viele Deutsche WhatsApp wohl eher weiter nutzen. 35 Prozent der Befragten gaben an, den Dienst im gleichen Umfang wie bisher nutzen zu wollen. Nur sieben Prozent ziehen ernsthaft einen Wechsel zu einem anderen Messenger in Betracht.
Der Grund: WhatsApp hat in Deutschland eine Verbreitung von über 80 Prozent bei den über 16-Jährigen. Telegram erreicht nur 16 Prozent, Signal gerade einmal neun Prozent. Dieser Netzwerkeffekt macht einen Wechsel schwer – wer geht, verliert den Kontakt zu Freunden, Familie und Gruppen. Für über 50 Prozent der Befragten ist der Status-Bereich ohnehin kaum relevant. Für diese Nutzer ändert sich praktisch nichts – solange private Chats werbefrei bleiben.
Zweites Mal kostenpflichtig
WhatsApp war nicht immer kostenlos: Bis Januar 2016 kostete die App 89 Cent pro Jahr. Dann wurde sie komplett gratis - auch, weil die EU-Kommission Druck machte wegen intransparenter Datennutzung und irreführender Versprechen bei der Übernahme durch Facebook. Jetzt, gut zehn Jahre später, soll die Plattform endlich substanzielle Einnahmen bringen.
WhatsApp: Werbung kommt – und wer das nicht will, soll zahlen
Ob das neue Modell aufgeht, hängt davon ab, wie viele Menschen bereit sind zu zahlen – und wie viele die Werbung einfach hinnehmen. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob WhatsApp seinen Status als quasi-kostenloser Standard-Messenger in Deutschland behält oder ob genug Nutzer zu Alternativen abwandern.
Unsere Quellen:
- Meta
- Eigene Recherchen
Sendung: WDR.de, WhatsApp führt Werbung ein im Status-Bereich, 30.01.2026, 10.10 Uhr
