Welche Jobs sind in Gefahr?
03:15 Min.. Verfügbar bis 03.06.2028.
Wer glaubt, dass Dortmund seit dem Ende der sogenannten Flüssigphase vor genau 25 Jahren kein eigenes Stahlwerk mehr hat, liegt falsch. In unauffälligen Werkshallen kurz hinter dem legendären Tor W1 der Westfalenhütte ist es versteckt: ein Mini-Stahlwerk für Testzwecke.
Das Versuchswerk ist mit Schmelzofen, Walzstraße und nachgelagerter Warmumformung vollständig ausgestattet. Leiter Jens-Ulrik Becker steht neben einem Schmelzofen, der 300 Kilo Stahl kocht. "Ein moderner Ofen in der Produktion schafft heute 300 Tonnen, das Tausendfache.“ Abgesehen von der Menge lassen sich in Dortmund alle wesentlichen Prozesse eines großen Stahlwerks im Maßstab 1:1 nachstellen.
Forschung im Mini-Stahlwerk: Zukunftsstahl statt Massenware
Die "letzte Hütte" in Dortmund hat viel zu tun. "Wir produzieren und testen hier neue Stahlsorten, die es auf dem Markt noch gar nicht gibt“, erklärt Becker. Geht bei einem Versuch etwas schief oder erfüllt ein Stahl nicht die Erwartungen, sind die Folgen überschaubar.
Das 50-köpfige Team von Becker soll in Dortmund bleiben. Unsicher ist dagegen die Zukunft von rund 100 weiteren Beschäftigten, die in anderen Forschungsbereichen arbeiten, etwa in der Oberflächenbehandlung. Thyssenkrupp Steel will diese Bereiche mit den entsprechenden Abteilungen am Hauptsitz in Duisburg zusammenlegen.
Nach Einschätzung des Betriebsrats droht damit mehr als nur ein Standortwechsel. Viele dieser Stellen würden einfach gestrichen, befürchtet die Arbeitnehmervertretung.
Stellenabbau bei Thyssenkrupp: Forschung in Dortmund unter Druck
Um solche Synergien zu schaffen, müssten Mitarbeitende nicht den Arbeitsort wechseln, meint Betriebsratschef Moritz Engels. "Wir leben im Jahr 2026. Hybrides Arbeiten und Hilfsmittel wie MS Teams sind etabliert.“ Die Arbeitnehmervertretung ist zudem der Ansicht, dass der Forschungsbereich nicht unter die Vereinbarung fällt, mit der 11.000 Stellen bei Thyssenkrupp Steel abgebaut werden sollen.
Moritz Engels, BRV TKS Dortmund
Auslagerung ganzer Abteilungen
Konkret in Gefahr sind andere Dortmunder Arbeitsplätze. Thyssenkrupp will mehrere Werksbereiche an externe Dienstleiser abgeben. Im Gespräch sind neben dem Werksschutz, der Gärtnerei und der werksinternen Logistik auch der Bereich "Arbeitssicherheit“.
Moritz Engels ist fassungslos. "Da sträuben sich bei uns die Haare, wie man einen so wichtigen Bereich an eine Fremdfirma vergeben kann“, sagt er und bezweifelt, dass so etwas in der Praxis funktionieren wird. "Unsere eigenen Leute wissen am besten, wo die gefährlichen Stellen im Betrieb sind.“
Betriebsrat fordert Jobgarantie und Tariflohn
Die Verhandlungen zwischen Unternehmen und Betriebsräten laufen. Sollten wirklich Fremdfirmen zum Zuge kommen, stellt Moritz Engels Forderungen zum Schutz der betroffenen Beschäftigten auf. "Es muss ein tarifgebundenes Unternehmen sein. Wir brauchen eine Job-Garantie und eine gleichwertige Bezahlung im Falle einer Ausgliederung.“
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Betriebsrat Moritz Engels
- WDR-Interview mit Ingenieur Jens-Ulrik Becker
- Pressemitteilung Thyssenkrupp
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 03.06.2026, 19.30 Uhr
Sendung: WDR.de, Stellenabbau bei Thyssenkrupp wird konkret, 03.06.2026, 5 Uhr
