Bezirksregierung erlaubt Sonntagsarbeit bei Troisdorfer Unternehmen
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 27.05.2028.
Gegen den Trend : Troisdorfer Unternehmen führt Sonntagsarbeit ein
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Stellenabbau, Kurzarbeit, Insolvenz, diese Worte dominieren häufig die Schlagzeilen. Es gibt aber auch positive Bespeile aus der Wirtschaft. Die Firma HSP Hochspannungsgeräte aus Troisdorf kommt mit der Arbeit nicht mehr hinterher. Ihr Produkt ist weltweit so gefragt, dass jetzt auch der Sonntag ein Arbeitstag ist.
Am Empfang bekommen Besucherinnen und Besucher Schuhe mit Stahlkappe, eine gelbe Weste und einen Helm. Sicherheit wird bei der HSP Hochspannungsgeräte groß geschrieben. Auf dem Hof sind Fußgängerwege, extra mit roten Streifen markiert. Telefonieren ist beim Überqueren des Hofes strengstens verboten.
HSP Werksleiter Hans Gronau
Die Firma HSP liegt am Ende des Industriegebiets von Troisdorf Spich. Das Unternehmen gehört zur Trench Group, die bis vor zwei Jahren Teil von Siemens Energy war. Neuer Eigentümer ist der deutsch-schwedische Finanzinvestor Triton. 500 Menschen arbeiten hier inzwischen. 40 Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Und das hat einen guten Grund. Das Spezialprodukt der HSP, die sogenannten Bushings, auch Hochspannungs-Durchführungen genannt. Und die sind weltweit gefragt.
Sie brauchen diese Bushing, um das Stromnetz miteinander zu verbinden ganz einfach gesagt. Diese Bushing geht in einen Transformator rein und leitet die hohe Spannung und den hohen Strom aus dem Transformator in das Stromnetz. Hans Gronau, Werksleiter HSP Hochspannungsgeräte
Der weltweite Strombedarf macht HSP zum Weltmarktführer
Durch die Elektrifizierung der Mobilität und dem gewaltigen Strombedarf von Speicher und für KI-Rechenzentren sind die Auftragsbücher der HSP prall gefüllt. Um 30 Prozent ist der Umsatz der Gruppe jährlich in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. Mit drei Schichten pro Tag von montags bis samstags waren die Aufträge nicht zu bewältigen.
"Wir haben uns angeschaut, was ist unsere Nachfrage und was ist unsere aktuelle Fabrikbelegungszeit. Wir haben festgestellt, dass wir nicht die gesamten 168 Stunden entsprechend nutzen", sagt Werksleiter Hans Gronau. Gemeinsam mit dem Betriebsrat, dem Arbeitgeberverband und den Gewerkschaften hat Hans Gronau ein neues Schichtsystem erarbeitet, jetzt auch mit dem Sonntag.
Belegschaft sieht Sonntagsarbeit zunächst kritisch
Sascha Bohdziewicz ist Dreher bei der HSP und Betriebsratmitglied. Er hat zwischen Werksleitung und Belegschaft vermittelt und den Prozess der Zeitumstellung begleitet. "Natürlich ist man am Anfang immer etwas kritisch, aber man muss einfach sagen, dass man im Nachhinein die Vorteile erkannt hat", sagt der 39-Jährige.
Sascha Bohdziewicz, Betriebsrat und Dreher bei der HSP
Statt 21 Tage arbeiten die Mitarbeiter durch die Schichtumstellung nur noch 18 Tage. Zudem haben sie vier Tage am Stück frei. "Persönliche Belange spielen immer auch eine Rolle. Und dann haben wir geguckt, dass jeder arbeiten kann, wie es für ihn passt, auch am Wochenende", betont Sascha Bohdziewicz.
Kein Trend zur Sonntagsarbeit
Für den Landesverband der Unternehmerverbände NRW ist die Erlaubnis zur Sonntagsarbeit ein wichtiger Schritt, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Alles, was hilft, hier Arbeitsplätze zu halten und Investitionen möglich zu machen, ist uns Willkommen. Und wenn die Verwaltung mitzieht, umso besser", meint Sprecher Hubertus Engemann.
HSP Werk in Troisdorf Spich
Sondergenehmigungen für Sonntagsarbeit gibt es immer mal wieder. Sowohl in der Landwirtschaft als auch bei Bauunternehmen. Zur Regelmäßigkeit scheint das aber laut NRW Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, nicht zu werden.
"Dem MAGS liegen keine Erkenntnisse über einen allgemeinen Trend in Nordrhein-Westfalen vor, wonach Sonn- und Feiertagsarbeit über solche Ausnahmebewilligungen hinaus systematisch ausgebaut werden könnten", heißt es auf Nachfrage.
Zurück in die Werkshallen von HSP Hochspannungsgeräte. In der Prüfhalle knallt es laut und leuchtet weiß auf. Die Bushings werden getestet, unter anderem mit simulierten Blitzschlägen. Erst dann können sie weltweit verschickt werden.
Unsere Quellen:
- Hans Gronau, Geschäftsführer HSP Hochspannungsgeräte
- Sascha Bohdziewicz, Dreher und Betriebsratsmitglied bei HSP
- Marcel Winter, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW
- Hubertus Engemann, Sprecher des Landesverbandes der Unternehmerverbände NRW
Sendung: WDR.de, Troisdorfer Unternehmen führt Sonntagsarbeit ein, 29.05.2026, 05.56 Uhr
