Ab dafür: Deutscher soll zum Mond fliegen

Aktuelle Stunde 27.11.2025 37:31 Min. UT Verfügbar bis 27.11.2027 WDR Von Alexa Schulz

Schnell noch zum Mond? Wie das mit einer Astronauten-Ausbildung klappt

Stand:

Nach mehr als 50 Jahren soll wieder ein Mensch einen Schritt auf den Mond setzen. Für Europa könnte ein Deutscher bei den Missionen in Richtung Mond dabei sein.

Zwölf US-amerikanische Astronauten haben es auf sechs Apollo-Missionen zwischen 1969 und 1972 bereits getan, und ein Deutscher könnte auf einer "Artemis"-Mission zumindest theoretisch in ihre Fußstapfen treten - bei einem Mond-Spaziergang. Die ESA teilte am Donnerstag mit, dass der erste Europäer bei den geplanten Mond-Missionen der US-Raumfahrtbehörde NASA ein Deutscher sein werde.

Deutschland ist wichtigster ESA-Geldgeber

Ein Raumfahrzeug in einer Halle

So sieht das Raumfahrzeug des "Artemis 2"-Projekts aus.

Beim "Artemis"-Projekt der USA, an dem die Europäer beteiligt sind, geht es erstmal nur um eine Umkreisung des Mondes. Menschen auf dem Mond sind von der NASA geplant, aber ob ein Europäer dabei sein wird, ist derzeit unklar. Dass ein Deutscher mal erster europäischer Spaziergänger auf dem Mond wird, scheint aber nicht weit hergeholt, da Deutschland wichtigster ESA-Unterstützer ist.

Aus dem Bundeshaushalt sollen der europäischen Raumfahrtbehörde 5,4 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, teilte Raumfahrtministerin Dorothee Bär (CSU) gerade auf der ESA-Ministerratskonferenz in Bremen mit.

Fußabdrücke für die Ewigkeit auf dem Mond

Ein Fußabdruck auf der Mondoberfläche

Ein Fußabdruck des NASA-Astronauten Edwin E. Aldrin, genannt "Buzz", auf dem Mond.

Wer auch immer den Mond betritt - das mit den Fußstapfen darf wörtlich genommen werden. Sollten künftige Astronauten dort landen, wo etwa Neil Armstrong am 21. Juli 1969 die ersten Schritte eines Menschen auf dem Mond ging, könnten sie ihren Fuß tatsächlich in seine Fußabdrücke setzen. Die sind auf dem Mond im Gegensatz zu jenen bei Strandspaziergängen im Urlaub für die Ewigkeit hinterlassen - zumindest solange kein Komet dort einschlägt. Auf dem Mond fehlt neben Wind und Wetter auch das Wasser, das sie wegspülen könnte.

Alexander Gerst (r) und Matthias Maurer in blauen Raumfahrtanzügen

Alexander Gerst (r.) und Matthias Maurer in blauen Raumfahrtanzügen

Als deutsche Raumfahrer für Missionen zum Mond kommen nach Angaben der ESA in Darmstadt nur zwei Kandidaten infrage: Alexander Gerst und Matthias Maurer sind die einzigen aktiven deutschen Astronauten und haben beide bereits Missionen auf der Internationalen Raumstation ISS absolviert. Letzteres ist Voraussetzung für die Teilnahme an "Artemis"-Raumfahrten, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln auf WDR-Anfrage mitteilte.

Eugene Cernan war bislang letzter Mensch auf dem Mond

Astonaut John W. Young läuft auf der Mondoberfläche

Astonaut John W. Young läuft auf der Mondoberfläche. Er war Teil der Apollo-16-Mondmission.

Vor neuen Fußabdrücken auf dem Mond muss erst noch mindestens eine "Artemis"-Mission ohne Mondspaziergang erfolgreich über die Bühne gehen. Im kommenden Jahr sollen Astronauten bei "Artemis 2" erstmal um den Erdtrabanten kreisen.

Eugene Cernan wird also noch etwas länger der bis dato letzte Mensch auf dem Mond sein. Er verließ ihn am 14. Dezember 1972 mit den Worten: "Wenn Gott es will, werden wir zurückkehren in Frieden und Hoffnung für die gesamte Menschheit."

Wer davon träumt, mal seine Fußstapfen auf dem Mond oder gar einen friedensstiftenden Satz in der Welt zu hinterlassen, kann seine Eignung mit den ESA-Voraussetzungen beim vorerst letzten Auswahlverfahren 2021 abgleichen:

Berufliche Qualifikation

Neben einem Hochschulabschluss oder einer gleichwertigen Qualifikation in einem naturwissenschaftlichen Fach, einer Ingenieurwissenschaft oder in der Medizin waren im letzten Auswahlverfahren "vorzugsweise" mindestens drei Jahre Berufserfahrung oder Flugerfahrung als Pilot nachzuweisen. Ein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik sei ein großer Vorteil, aber keine Voraussetzung.

Sprachkenntnisse

Die Raumfahrt ist international. Auch Franzosen und Italiener sind in das Projekt involviert. Die internationale Raumstation ISS, laut DLR der größte "Außenposten der Menschheit im All", ist bereits von 250 Menschen aus 19 Ländern besucht worden. Die ESA erwartet von Kandidaten neben Englisch in Wort und Schrift auch eine weitere Fremdsprache. Da Russisch die zweite offizielle Sprache an Bord der ISS ist, erhalten Kandidaten während der Astronautenschulung auch Russischunterricht.

Gesundheit

Will man Astronaut werden, wird die Gesundheit medizinisch und psychologisch überprüft. Bewerber dürfen "keinerlei Krankheiten" aufweisen, sie müssen uneingeschränkt beweglich sein, auf beiden Augen über 100 Prozent Sehkraft verfügen (mit oder ohne Sehhilfe) und dürfen keine psychischen Störungen haben. Darüberhinaus sind Abhängigkeiten von Drogen, Alkohol und Tabak ein Ausschlusskriterium und "die für ein effizientes Arbeiten in einem Umfeld mit hohen intellektuellen und sozialen Anforderungen erforderlichen kognitiven, mentalen und charakterlichen Fähigkeiten" zwingende Voraussetzung. Spitzensportler genießen in der Schwerelosigkeit keine Vorteile - Astronauten sollen "eine Ihrem Alter angemessene körperliche Kondition haben".

Wer sich beruflich, sprachlich und gesundheitlich als aussichtsreichen Kandidaten für die Ausbildung zum Astronauten sieht und die 50 altersmäßig noch nicht überschritten hat, kommt damit infrage. Aktuell ist allerdings kein Auswahlverfahren geplant, wie die ESA auf WDR-Anfrage mitteilte.

Deutscher Mondbesuch nicht vor 2028

Ein gelblich erscheinender Vollmond, an dem ein Vogel vorbeifliegt

Das Ziel: Der Mond in der Umlaufbahn um die Erde.

"Artemis"-Missionen könnten aber noch für eine ganze Weile Berufschancen bieten, da die menschlichen Ambitionen im All kaum auf dem Mond enden werden. Alexander Gerst würde genau wie sein ESA-Astronautenkollege Matthias Maurer gerne zum Mond fliegen, weist aber darauf hin, dass es bei "Artemis 2" im Frühjahr erstmal darum gehe, den Mond zu umkreisen. Das sei eine wichtige Testmission und man müsse sehen, wie das laufe.

Läuft das reibungslos, könnten bestenfalls 2027 bei "Artemis 3" nach mehr als einem halben Jahrhundert wieder Astronauten auf dem Mond Fußabdrücke hinterlassen. Einen Flug zum Mond mit deutscher Beteiligung wird es vor "Artemis 4" - für 2028 anvisiert - nicht geben. Erst ab dieser Mission könnte ein Deutscher dabei sein. Ohnehin rechnen Experten mit Verschiebungen.

Deutscher soll zum Mond fliegen

WDR Studios NRW 27.11.2025 01:48 Min. Verfügbar bis 27.11.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
  • European Space Agency (ESA)
  • National Aeronautics and Space Administration (NASA)
  • Nachrichtenagenturen DPA und AFP

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 27.11.2025, 18:45 Uhr.

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