Discounter senken Lebensmittelpreise drastisch
Aktuelle Stunde . 25.05.2025. 35:28 Min.. UT. Verfügbar bis 25.05.2027. WDR. Von Claudia Weber.
Aldi und Lidl - sie sind die Discounter-Schwergewichte in Deutschland. Zwei Unternehmen, die miteinander in Konkurrenz stehen. Umso erstaunlicher ist, dass beide am Samstag eine enorme Preissenkung ihrer Produkte angekündigt haben - unabhängig voneinander?
Zunächst zu Lidl: Der Discounter gab bekannt, bis zu 500 Einzelartikel sollen dauerhaft im Preis gesenkt werden. Einige regionale Artikel sogar um bis zu 35 Prozent.
Mit dieser historischen dauerhaften Preissenkung zeigen wir unseren Kunden: Wir sind für euch da. Alexander Lafery, Leiter Marketing der Lidl Dienstleistung GmbH und Co. KG
Am selben Tag, wie der Lidl-Konzern, hat auch Aldi bekannt gegeben, in diesem Jahr schon rund 1000 Artikel dauerhaft im Preis gesenkt zu haben und "in den kommenden Wochen über alle Warengruppen hinweg weitere hunderte Artikel - national sowie regional - dauerhaft im Preis zu reduzieren."
Was steckt hinter der Preissenkung?
Neben der Quasi-Gleichzeitigkeit ist die Begründung auffällig, warum die Preissenkung durchgesetzt wird. Aldi sagt:
Damit entlasten wir die Menschen in Deutschland in diesen herausfordernden Zeiten. Felix Rottmann, Aldi-Nord Deutschlandchef
Lidl spricht in seiner Mitteilung von der "nach wie vor hohen Belastung der Haushalte durch gestiegene Lebenshaltungskosten." Außerdem handle es sich "nicht um eine Werbeaktion."
Woher kommt die Einigkeit?
Beim Lebensmittel-Markt in Deutschland wird immer wieder von einem Oligopol gesprochen. Die vier großen Ketten, Edeka, REWE, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit den Lidl-Märkten und Kaufland verteilen rund 85 Prozent des Marktes auf sich (Discounter und Supermarkt). Je kleiner der Wettbewerb, desto einfacher ist es, die eigenen Preise an die Konkurrenz anzupassen. Auch ohne offizielle Preisabsprachen, die nach Kartellrecht verboten sind.
In anderen europäischen Ländern ist die Situation anders. Da gibt es mehr Marktteilnehmer. Auf jeden einzelnen zu reagieren, ist fast unmöglich.
1999 hatten wir bundesweit noch acht große Lebensmittelhändler mit 70 Prozent Marktanteil. Andreas Mundt, Präsident Bundeskartellamt
Eine Analyse der Preisvergleichs-App Smhaggle für das Handelsblatt aus dem November 2024 hat ergeben, dass viele Lebensmittel deutschlandweit in verschiedenen Läden auf den Cent genau gleich viel kosten.
Dass mit Lidl und Aldi zwei der vier großen Ketten nun in kurzem Abstand eine enorme Preissenkung bekanntgeben, ist auffällig.
Gründe für Preissteigerungen manchmal "unklar"
Die Verbraucherzentrale NRW hat die Preissteigerung verschiedener Lebensmittelgruppen in den letzten Jahren untersucht. Im Schnitt kosten Lebensmittel rund 30 Prozent mehr als noch 2021. Besonders teuer sind dabei "Speisefette und Speiseöle" geworden, mit einer Teuerung von über 60 Prozent. Aber auch Preise "Brot und Getreideerzeugnisse" und "Fleisch und Fleischwaren" sind mit über 30 Prozent Plus besonders gestiegen.
Besonders brisant ist das Beispiel Butter. Seit Beginn des Angriffskriegs 2022 ist der Preis zunächst extrem gestiegen, danach fiel er auf einen niedrigeren Preis als vor dem Überfall auf die Ukraine. Inzwischen lag die Butter im Vergleich zu 2020 zeitweise bei +66 Prozent.
Im Vergleich zu 2020 war Butter bis zu 66 Prozent teurer.
Die Verbraucherzentralen bezeichnen die Gründe für die Preissteigerung bei Butter als "unklar". Sie fordern die Politik deshalb auf, "zu prüfen, ob und eventuell wie Handel und Lebensmittelhersteller die Lage ausnutzen oder ausgenutzt haben, um die eigenen Erträge in der Krise zu verbessern."
Wie herausfordernd sind die Zeiten?
Aldi und Lidl begründen die Preissenkungen mit besonders herausfordernden Zeiten. Dass sich viele Menschen über sinkende Preise im Discounter freuen, ist unbestritten. Dass aktuell die Zeiten herausfordernder wären als in den letzten Jahren, lässt sich statistisch nicht untermauern. Das Statistische Bundesamt hat die Entwicklungen der Reallöhne in Deutschland seit 2008 untersucht, also die Frage, wie viel Geld den Bürgerinnen und Bürgern nach Berücksichtigung der Inflation bleibt.
Insbesondere die Jahre 2020 bis 2023 waren für Verbraucherinnen und Verbraucher demnach besonders schwierig, weil die Preise stärker gestiegen sind, als die Löhne. Im letzten Jahr gab es allerdings ein anderes Bild. Auch mit Berücksichtigung der Inflation, sind die Löhne gestiegen, um 3,1 Prozent. Gründe sind unter anderem die schwächere Inflation, Inflationsausgleichsprämien oder Abschlüsse von Tarifverträgen mit Lohnsteigerungen und Einmalzahlungen.
Unterm Strich hatten die Menschen also wieder ein wenig mehr Geld zur Verfügung.
Preissenkung mit Verantwortung?
Nun gibt es also Preissenkungen an der Discounter-Kasse. Warum zwei Marktkonkurrenten gleichzeitig eine ähnliche Preisstrategie vorstellen, bleibt offen. Es würde nicht verwundern, wenn auch die restlichen zwei der vier großen Ketten bald die Preise anpassen würden. Ein günstigerer Einkauf hilft unbestritten vielen Leuten, weil die Preise seit der Corona-Pandemie 2020 wesentlich teurer geworden ist. Den "Retter in der Not" hätten viele auch schon früher brauchen können.
Quellen:
- Pressemitteilungen Lidl und Aldi
- Verbraucherzentrale
- Statistisches Bundesamt
- dpa
- Auswertung Preisvergleichs-App Smhaggle