Insolvenz von Galerie vor einem Jahr | Aktuelle Stunde
03:00 Min.. Verfügbar bis 28.07.2027.
2024 musste die Warenhauskette Galeria zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren Insolvenz anmelden. Neun Warenhäuser wurden im Zuge des Verfahrens dichtgemacht. Als vor genau einem Jahr bekannt wurde, dass auch drei Galeria-Filialen in NRW schließen mussten, waren vor allem viele Mitarbeitende in Köln, Essen und Wesel geschockt - denn ihre Häuser betraf der Schließungsplan der Konzernleitung.
An den anderen NRW-Standorten atmete damals nicht nur die Belegschaft auf. Auch viele Kunden freuten sich, dass die Warenhäuser blieben. "Ich find' das klasse. Das gehört zu meinem Leben. Ich hab' meine Kindheit mit Karstadt verbracht", sagte damals eine Kundin in Dortmund gegenüber dem WDR und sprach damit möglicherweise aus, was viele dachten.
Firmenchef geht, Doppelspitze übernimmt
Karstadt-Schriftzug am Galeria-Kaufhaus in Köln
Die Umstrukturierung ist noch nicht abgeschlossen. Sinnbild dafür ist vielleicht auch noch so mancher Karstadt-Schriftzug an bestehenden Galeria-Filialen - obwohl der Name doch eigentlich längst hätte Geschichte sein sollen.
Dann platzte im Frühjahr 2025 eine weitere Nachricht mitten in den Neustart: Der Konzern trennte sich von Chef Olivier Van den Bossche. Man stelle die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft, hieß es daraufhin. Fortan lenkt eine Doppelspitze aus Tilo Hellenbock und Christian Sailer die Geschicke des Warenhauskonzerns.
Profitables Geschäft oder Umsatzeinbruch?
Und wie steht es heute um die einst so angeschlagene Kaufhauskette Galeria? Das Unternehmen zeigt sich mit der aktuellen Entwicklung zufrieden und steht nach eigenen Angaben gut da.
"Galeria hat 83 Filialen, die profitabel laufen. Das ist ein großer Erfolg", sagt eine Sprecherin. Auf die Frage, ob in absehbarer Zeit erneut eine finanzielle Schieflage drohe, antwortet sie: "Galeria steht auf einem stabilen bilanziellen Fundament, vor diesem Hintergrund sehen wir weiterhin positiv in die Zukunft." Weitere Filialschließungen seien derzeit nicht geplant.
"Wir performen besser als viele Mitbewerber." Galeria-Sprecherin
Etwas anderes will das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfahren haben. Demnach seien im Mai und im Juni die Umsätze und die Gewinne deutlich eingebrochen. Zu dem Handelsblatt-Bericht äußert sich Galeria allerdings nicht und nannte auch keine genauen Zahlen.
Damit stünden zwei Aussagen im Raum, sagte der Handelsexperte Carsten Kortum dem WDR: Einerseits die offizielle Version des Unternehmens, dass es gut laufe - und andererseits die Gewinn- und Umsatzeinbrüche aus Unternehmenskreisen. Allgemein lasse sich indes eine breite Konsumentenzurückhaltung ausmachen. Dagegen anzukämpfen, sei sicherlich auch für Galeria "eine große Herausforderung", so Kortum. Aus seiner Sicht ist die große Frage, woher das Geld für die angekündigten Investitionen kommen solle.
Junge Kunden und Frauen im Visier
Erst im Laufe des Jahres soll der Umzug des Firmensitzes von Essen nach Düsseldorf abgeschlossen werden. Zuletzt hatte Galeria bekannt gegeben, dass der Sportartikelhändler Decathlon und der Lebensmitteldiscounter Lidl in einige Filialen einziehen würden. Weitere Kooperationen sollen folgen. Von Marken wie Snocks und Copenhagen Studios verspricht man sich, mehr junge Kunden anzuziehen.
Auch wurde angekündigt, das Sortiment mehr auf Frauen auszurichten. Handtaschen, Kosmetik und Wäsche sollen verstärkt angeboten werden.
Umfrage: Viele halten Warenhäuser für unverzichtbar
Etwas Hoffnung machte auch eine Studie des Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen. Bei einer Umfrage hielt fast jeder Zweite Warenhäuser für unverzichtbar. Das Warenhaus ziehe ein überwiegend jüngeres, städtisches Publikum an, hieß es. Außerdem wecke das Warenhaus "abstrakt positive Emotionen bei Verbrauchern".
Der Kundschaft sei laut Umfrage nicht nur die große Auswahl wichtig, sondern auch das Gefühl, ungestört aussuchen zu können. Allerdings müsse an Ambiente und Sortiment gearbeitet werden.
Theater im Kaufhof: Das "Aus" als Bühnenstück
In Siegburg hat eine Theatergruppe der einstigen Belegschaft mit einem Stück ein Denkmal gesetzt. In "Arena Kaufhof" geht es nicht um Insolvenzpläne, Investoren, Gewinne und Verluste, sondern um die Gefühle der Menschen an ihrem allerletzten Arbeitstag. Ehemalige Kaufhofmitarbeitende haben dazu auch ihre ganz persönlichen Geschichten erzählt - vom desillusionierten Filialleiter bis zur kämpferischen Gewerkschafterin.
Das Ensemble probt übrigens nicht in einem Theater, sondern im Obergeschoss des fast leerstehenden ehemaligen Kaufhof-Gebäudes. In der einstigen Kaufhaus-Etage ist Platz für 80 Zuschauer. Die haben dabei auch noch Sicht auf verwaiste Regale und zurückgelassene Schaufensterpuppen.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Handelsblatt
- Nürnberger Institut für Marktentscheidungen
- Interview mit Bürgertheater Siegburg im WDR 5 Westblick
- Interview mit Handelsexperte Carsten Cortum im WDR 5 Morgenecho