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Creditreform-Prognose: Firmenpleiten in NRW durch Strukturwandel

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Die wirtschaftlich schwierige Lage wird für immer mehr Firmen in NRW zur Existenzbedrohung. Laut einer Prognose der Auskunftei Creditreform rutschen in diesem Jahr deutlich mehr Unternehmen in die Pleite als im Vorjahr.

Fachleute rechnen bei den Unternehmens-Insolvenzen im Land mit einem ein Plus von 10,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, mehr als im Bundesschnitt. "Die wirtschaftliche Schieflage unseres Landes zeigt sich fast nirgends so deutlich wie in Nordrhein-Westfalen", sagt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung. Die NRW-Wirtschaft sei stark durch die Industrie geprägt und leide daher besonders unter dem Strukturwandel. Das mache sich in der Insolvenz-Statistik bemerkbar.

Die Analyse deckt sich mit den Daten des Statistischen Landesamts. Demnach ist die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr auf gut 3.200 gestiegen, ein Plus von 17,2 Prozent. Die Insolvenzquote - also die Zahl der Insolvenzen im Verhältnis zu den Unternehmen - ist bundesweit nur in Berlin höher als in NRW.

Vielfach sind es vor allem mittelständische, energieintensive Unternehmen aus der Metall- und Autoindustrie, denen die wirtschaftlich schwierige Lage zu schaffen macht. Prominente Beispiele aus diesem Jahr sind der insolvente Autozulieferer Kiekert aus Heiligenhaus oder Gerhardi Kunststofftechnik aus Lüdenscheid, ebenfalls ein Autozulieferer.

Obwohl die Zahl der Insolvenzen in der Industrie deutlich angestiegen ist, gibt es die meisten Firmenpleiten immer noch im Handel und im Dienstleistungssektor. "Einige Betriebe im Einzelhandel und in der Gastronomie haben das, was sie in Corona verloren haben, noch nicht wieder aufgeholt", sagt Matthias Mainz, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer NRW. Außerdem machten den Unternehmen strukturelle Entwicklungen wie der Onlinehandel und die hohen Energie- und Arbeitskosten zu schaffen.

Deutlicher Anstieg auch bei den Privatinsolvenzen in NRW

Nicht nur die Unternehmen in NRW leiden unter der schwierigen wirtschaftlichen Lage, auch mehr Privathaushalte kommen an ihre finanziellen Grenzen. Laut der Prognose von Creditreform wird es landesweit in diesem Jahr mehr als 20.000 Privat-Insolvenzen geben - ein Plus von fast 14 Prozent. Bundesweit liegt der Zuwachs nur bei 6,5 Prozent.

In gewisser Weise schließt sich hier der Kreis zu den Unternehmens-Insolvenzen. Denn neben den hohen Lebenshaltungskosten seien es vor allem Stellenstreichungen und steigende Arbeitslosigkeit, die dafür sorgen, dass Haushalte ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können.

Der Blick in die Zukunft macht nur bedingt Hoffnung auf Besserung: Laut Creditreform könnten die geplanten Milliarden-Investitionen der Bundesregierung in Infrastruktur und Verteidigung das Wirtschaftswachstum zwar ankurbeln und damit auch den Anstieg der Insolvenzen bremsen. Allerdings seien dafür auch zusätzliche Entlastungen nötig, etwa bei den Stromkosten. Speziell für NRW rechnen die Fachleute wegen der stark ausgeprägten Industrie auch im nächsten Jahr noch mit einem Anstieg der Insolvenzen.

Firmenpleiten in NRW durch Strukturwandel mit Sebastian Moritz

WDR Studios NRW 08.12.2025 04:30 Min. Verfügbar bis 08.12.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

  • Creditreform
  • IT.NRW
  • dpa
  • Interview Matthias Mainz, IHK NRW

Sendung: WDR 5 Das Wirtschaftsmagazin, Unternehmensinsolvenzen: Wie stark ist NRW betroffen?, 08.12.2025, 12.35 Uhr

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