Das Geld der Gäste sitzt nicht mehr so locker wie früher, beobachtet Gastronom Ciro Colella. Mal eben so ins Restaurant zu gehen, das sei nicht mehr üblich, sagt er dem WDR. "Diese Leichtigkeit ist heute zum Teil weg."
Wer vor ein paar Jahren noch drei Gänge bestellt habe, lasse das Dessert oder die Vorspeise jetzt eher mal weg, so Colella. Mit seiner Frau leitet er in Düsseldorf zwei beliebte Gastronomie-Betriebe: das Landhaus Freemann und das Nordpark Café.
Auch bei Hochzeiten bekommt er es zu spüren: "Die Paare achten jetzt mehr aufs Geld." Hätten sie früher oft mit 120 Gästen gefeiert, seien es heutzutage eher 80. Das reduziert die Kosten - und schmälert die Umsätze.
Zweites Jahr in Folge Einbußen
Nach neuen Berechnungen des statistischen Landesamtes IT.NRW sind die realen Umsätze im Gastgewerbe 2025 schon im zweiten Jahr in Folge zurückgegangen. "Real" bedeutet: Die Inflation wurde rausgerechnet, dadurch lassen sich die Werte besser vergleichen.
Nach der Corona-Pandemie ist das Gastgewerbe in NRW wirtschaftlich nicht mehr auf sein früheres Niveau zurückgekehrt. Dazu gehören vor allem zwei Bereiche: zum einen die Gastronomie mit Restaurants, Cafés, Imbissen, Bars oder auch Catering, zum anderen Beherbergungsbetriebe wie Hotels, Pensionen und Campingplätze.
Umsatzeinbußen im NRW-Gastgewerbe
WDR. 22.04.2026. 03:25 Min.. Verfügbar bis 21.04.2028. WDR Online.
Umsatzrückgang trotz Tourismus-Boom
Was an den Umsatzeinbußen verwundern könnte: Gleichzeitig bricht der Tourismus in NRW Jahr für Jahr Rekorde. Die Zahl der touristischen Übernachtungen im Land hat das Niveau der Vor-Corona-Zeit längst übertroffen. Übernachtungen in privaten Haushalten, beispielsweise bei Freunden oder Familie, gehen nicht in die Statistik mit ein.
Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch: steigende Kosten bei Personal, Waren, Energie und Pacht - bei Preisen für den Kunden, die nicht im selben Maße steigen. So erklärt es Patrick Rothkopf, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga NRW, im Gespräch mit dem WDR.
Enorme Kostensteigerungen - vor allem beim Personal
Im Personalbereich habe man in den vergangenen vier, fünf Jahren Lohnsteigerungen von weit über 30 Prozent gehabt, sagt er. "Und wir können diese Kostensteigerung nicht eins zu eins am Markt so durchsetzen." Das gelte genauso für viele andere Betriebe im Gastgewerbe.
Eigentlich müssten die Preise für Beherbergung und Gastronomie angesichts der Kosten also noch weiter angehoben werden, so Rothkopf. Dann aber würden die Gäste womöglich noch mehr sparen und häufiger wegbleiben. Das wiederum würde den Kostendruck weiter erhöhen, weil Personal und anderes ja trotzdem bezahlt werden muss.
"Das Ganze führt dann zu so einer Spirale, die sich nach unten dreht." Patrick Rothkopf, Präsident Dehoga NRW
Rothkopf kennt die Probleme der Branche aus eigener Erfahrung. Er leitet das inhabergeführte Hotel-Restaurant Rothkopf in Euskirchen am Nordrand der Eifel. Es hat 38 Betten und ein Restaurant mit 60 Sitzplätzen.
Rothkopf: Senkung der Mehrwertsteuer könne nur "ein Anfang" sein
Er wünscht sich bessere Rahmenbedingungen, auch für Investitionen. Er fordert "flexible Arbeitszeitgesetze" und "eine vereinfachte Fachkräfteeinwanderung". Die erneute Reduzierung der Mehrwertsteuer von 19 auf sieben Prozent könne nur "ein Anfang" gewesen sein.
Gastronom Colella in Düsseldorf ist froh, dass die Mehrwertsteuer auf Speisen zu Jahresbeginn nun dauerhaft gesenkt wurde. Denn dass die Steuer nach der Absenkung zur Corona-Pandemie Anfang 2024 wieder angehoben wurde, habe den Kostendruck im Gastgewerbe enorm verschärft, sagt er.
Seine Erklärung: Nach der ersten Absenkung der Steuer wollte das Personal mehr Lohn. Für Colella verständlich: "Ich verdiene mehr, also kann ich auch mehr Lohn zahlen." Als Nächstes hätten die Lieferanten für ihre Waren mehr Geld verlangt. "Klar, verstehe ich", sagte sich Colella. Aber:
"Als dann die Mehrwertsteuer wieder angehoben wurde auf 19 Prozent, ist kein Lieferant gekommen und hat gesagt: Du, wir reduzieren jetzt die Preise wieder." Ciro Colella, Gastronom
"Und dann ist auch kein Mitarbeiter gekommen und hat gesagt: Du, ich verzichte jetzt auf ein Stück meines Lohns", so der Gastronom. Also habe er die Preise anheben müssen. Das gehe aber nur bedingt.
Nordpark Café als Reaktion auf Umsatzrückgang eröffnet
"Auch als Reaktion auf den Umsatzrückgang", wie er sagt, haben Colella und seine Frau dann vor zwei Jahren ergänzend zum Landhaus Freemann das Nordpark Café eröffnet. Das Konzept: Hier soll eine Familie mit zwei Kindern auch unter 100 Euro essen und trinken können.
Man dürfe sich eben nicht ausruhen als Gastwirt, sagt Colella, sondern müsse sich stets aktiv auf neue Zielgruppen zubewegen. Und man müsse den Gästen etwas bieten, wofür sie gerne Geld ausgeben: Service, Qualität und Atmosphäre. Ein Restaurantbesuch sei eben "nicht nur reine Essensaufnahme", sondern "auch so eine Art Kurzurlaub".
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Gastronom Ciro Colella
- WDR-Gespräch mit Patrick Rothkopf, Hotelier und Präsident Dehoga NRW
- Branchenzahlen von Dehoga NRW
- IT.NRW zu Umsätzen im Gastgewerbe
- Tourismusverband NRW zur Zahl der Übernachtungen
Sendung: WDR 5 Morgenecho, Umsatzeinbußen im NRW-Gastgewerbe, 22.04.2026, 7:50 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 22.04.2026, 18.45 Uhr
Hinweis der Redaktion vom 23.04.2026, 09:45 Uhr: In einer früheren Fassung dieses Beitrags hieß es, zu den Zahlen der touristischen Übernachtungen gehörten keine geschäftlichen Übernachtungen. Das ist nicht korrekt. Außerdem hieß es, auch private Übernachtungen seien nicht enthalten. Das ist missverständlich. Gemeint sind Übernachtungen in privaten Haushalten. Wir haben die Angaben korrigiert.
Kommentare zum Thema
Ja, wenn die Currywurst, wie hier im Ort, 18,90 € kostet, muss der Gastronom halt auf meinen Besuch verzichten.
Wenn das Gastgewerbe so zu kämpfen hat, verstehe ich nicht, warum in Köln, beispielsweise im Agnesviertel, ständig neue Gaststätten aufmachen, die sich zusätzlich im öffentlichen Raum ausbreiten.
Ganz einfach zu erklären, weil sich die Geschäfte bei der Gastronomie anscheinend doch sich lohnen. Welcher Wirt jammert nicht? Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Sie verhalten sich wie manche Bauern, Preise setzen sie höher. Die Ausreden kommen, weil es ihnen mal zu viel regnet oder zu warm ist.
In diesem Land gibt es so einige Konstanten: Egal wie das Wetter ist, es findet sich immer ein Bauer der drüber jammert. Egal, wie locker den Leuten das Geld sitzt, es findet sich immer ein Gastronom, der drüber jammert, dass keiner kommt - und sucht die Schuld daran natürlich nicht in seiner mindertigen Qualität zu hoffnungslos überteuerten Preisen. Der DEHOGA hat in seinem ganzen Bestehen noch nie gesagt, dass es der Branche gut geht. Und der WDR füllt jede seiner Programmlücken mit Berichten ganz im Sinne der Bauern, Gastronomen und vor allem des DEHOGA. Und selbstverständlich haben Bauernverband und DEHOGA unter ihren Mitgliedern keine schlechten Betriebe und erst recht keine schwarzen Schafe, die einfach nur schlecht wirtschaften und miese Qualität zu überteuerten Preisen bieten. Es sind die Kunden und die Politik schuld. Das ist ja so viel einfacher, als sich selbst ändern zu müssen ...