Gastro-Steuer sinkt: Zahlen wir im Restaurant bald weniger?

Aktuelle Stunde 19.12.2025 23:51 Min. UT Verfügbar bis 19.12.2027 WDR Von Carsten Upadek

Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastro: Wird Essen gehen günstiger?

Stand:

Der Bundesrat hat eine Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie ab Januar 2026 beschlossen. Wird Essen gehen damit jetzt wieder günstiger? Und warum kritisieren Ökonomen die Entscheidung als Lobbygeschenk?

Jetzt ist es beschlossen: Für Speisen in Restaurants und Cafés wird ab Januar der Mehrwertsteuersatz von derzeit 19 auf 7 Prozent sinken - aber nicht für Getränke. Wie stehen die Chancen, dass der Restaurantbesuch wieder preiswerter wird? Das ist nicht so sicher.

Patrick Rothkopf, Präsident des Dehoga NRW, sagt: Die Herausforderungen seien in den letzten Jahren für Gastronomen noch größer geworden, die Senkung der Mehrwertsteuer schaffe Rahmenbedingungen, "um überhaupt immer wieder Luft zu bekommen in den Betrieben".

Ketten wollen Senkung an Kunden nicht weitergeben - und die anderen?

Ketten wie L’Osteria, Burger King, Nordsee haben schon gesagt, sie könnten die Senkung der Mehrwertsteuer nicht an Kunden weitergeben. Was ist mit anderen Restaurants? Senken sie die Preise für Gäste auch nicht?

Rothkopf sagt, das könne man nicht pauschal beantworten. "Die Mehrwertsteuersenkung erweitert auf jeden Fall die Spielräume – etwa, indem notwendige Preiserhöhungen vermieden oder Kostensteigerungen an anderer Stelle ausgeglichen werden können." Sie könnte aber auch dazu führen, dass Gastronomen ihre Preise senken, um wieder mehr Gäste in die Restaurants zu locken. "Am Ende muss jeder Betrieb für sich entscheiden, was für sein Konzept, sein Angebot und seine wirtschaftliche Situation am besten funktioniert."

Dass es der Branche nicht gut geht, ist nicht neu. Spätfolgen der Pandemie, Fachkräftemangel und gestiegene Lebensmittel- und Energiepreise setzen ihr zu.

Mehrwertsteuer-Senkung: Rettet das die Gastronomie? Interview mit Patrick Rothkopf, Präsident des Dehoga NRW

WDR Studios NRW 19.12.2025 05:14 Min. Verfügbar bis 19.12.2027 WDR Online


Preise in Gaststätten um mehr als 26 Prozent gestiegen

Die Branche ist in einer Art Dauerkrisenmodus, wenngleich Thorsten Hellwig, Sprecher des Dehoga in NRW, so dramatisch nicht klingen möchte: "Die Gastronomen konnten notwendige Preisanpassungen nie durchführen."

Es hat sich so viel aufgestaut. Thorsten Hellwig, NRW-Sprecher des Dehoga

Bereits im September hatte die Dehoga Zahlen der Krise präsentiert. Restaurant-Besucher zahlen demnach für eine Hauptspeise gut ein Viertel mehr als noch vor Beginn des Ukraine-Kriegs Anfang 2022. Insgesamt stiegen die Preise in Gaststätten zwischen Januar 2022 und Juli 2025 um mehr als 26 Prozent. Das hat Folgen für den Umsatz: Kunden bestellen weniger oder kommen erst gar nicht. Dabei reichten die höheren Preise nicht mal für die Gewinnzone - der Branche drohe das sechste Verlustjahr in Folge.

Personal und Lebensmittel treiben die Preise hoch

Es gäbe nicht die eine Maßnahme, mit der sich alle Probleme lösen ließen, sagt Hellwig. Die größeren Baustellen seien hohe Personalkosten, gestiegene Lebensmittelpreise und eine hohe Preissensibilität der Kunden. Letztere mache es Gastronomen unmöglich, Kosten in dem Maß weiterzugeben, wie es eigentlich nötig wäre.

"Das ist unser Hauptproblem", bestätigt Marcus Schmalbein, Inhaber des "Wuppertaler Hofs" in Remscheid. Alles werde permanent teurer, doch die gestiegenen Kosten ließen sich nicht mehr an den Kunden weiterreichen. Deswegen werde die "Gewinnmarge immer ein bisschen kleiner", klagt Schmalbein. Und um überhaupt in die Gewinnzone zu kommen, müsse man sich immer mehr anstrengen: "Irgendwann hat das alles seine Grenzen."

Alles wird permanent teurer, und man kann diese Kosten gar nicht mehr 1:1 an den Kunden weiterleiten. Marcus Schmalbein, Inhaber des Wuppertaler Hofs

Von dem Punkt, wo die Marge so klein wird, "dass man es nicht mehr macht", sei er noch weit entfernt, sagt Schmalbein. Die Entwicklung betrachte er aber mit Sorge. Teil der heiklen Lage seien nicht nur die Kosten, sondern auch der Personalmangel: "Wenn man überhaupt Personal bekommt, dann muss man da wirklich lange nach suchen."

Personalmangel führt zu Umsatzeinbußen

Für Edmund Joska, Inhaber des Gasthauses "König von Preußen" in Remscheid-Lennep sind die fehlenden Arbeitskräfte sogar das größte Problem: "Personal ist tatsächlich aktuell das, was uns schlimmstenfalls den Hals brechen könnte." Er habe an Wochenenden teilweise Veranstaltungen auf dem Marktplatz direkt vor seiner Tür und könne nicht mitmachen, weil "keiner arbeiten kommt", erzählt er. "Das ist einfach fehlender Umsatz."

Fehlender Umsatz und schrumpfende Gewinnmargen haben in den vergangenen zehn Jahren schon einige Betriebe zur Aufgabe gebracht. Hellwig verweist auf Dehoga-Zahlen, wonach es 2014 in NRW noch 43.759 Betriebe gegeben habe und 2023 nur noch 42.293 - fast 1.500 weniger. Noch dramatischer wird das Bild, blickt man nur auf die reinen Schankbetriebe in dieser Statistik - darunter die klassische Eckkneipe. Knapp 1.900 der ehemals 10.015 Schankbetriebe haben dichtgemacht.

WDR-Experte: Neue Konzepte sind gefragt

Auch Carsten Schabosky aus der WDR-Wirtschaftsredaktion geht davon aus, dass die Senkung nicht zu günstigeren Preisen führen wird - auch wenn die Steuersenkung für die Gastronomen bundesweit eine Entlastung von vier Milliarden Euro bedeutet.

"Es wird nicht billiger werden im Restaurant." WDR-Wirtschaftsexperte Carsten Schabosky

Es sei auch fraglich, wie vielen Gastronomie-Betrieben diese Maßnahme helfen wird: "40 Prozent fürchten Verluste in diesem Jahr", so der WDR-Experte. Deshalb seien neue Konzepte gefragt. Als Beispiele nennt Schabosky "To go"-Produkte (zum Mitnehmen), günstigere kleine Portionen, mehr Regionalität und Qualität.

Von düsteren Prognosen nimmt Schabosky Abstand und verweist auf das Rauchverbot und die Erhöhung des Mindestlohns, wo jeweils geunkt worden sei, dass jetzt alles den Bach runtergehe. So sei es aber nicht gekommen: "Wir haben das Interesse, ins Restaurant zu gehen. Das ist ein Stück Lebensqualität. Davon werden wir uns so schnell nicht verabschieden."

Darauf dürften auch viele Gastronomen hoffen, da der Kostendruck trotz der Mehrwertsteuersenkung hoch bleiben könnte. Selbst wenn die Lebensmittelpreise sinken, ist jetzt schon klar, dass der Mindestlohn weiter steigen wird - auf 13,90 Euro zum 1. Januar 2026 und auf 14,60 Euro zum 1. Januar 2027. "Da wird jeder spitz rechnen", erwartet Dehoga-Sprecher Hellwig. "Die Gastronomen wissen um die Kostensensibilität der Kunden, haben auf der anderen Seite aber den sehr hohen Kostendruck."

Teures Wahlgeschenk

Ökonomen haben die Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie derweil als teures Wahlgeschenk der schwarz-roten Koalition kritisiert. Auch anderen Branchen gehe es nicht gut.

Nach Berechnungen des Vereins Foodwatch würde die Senkung der Mehrwertsteuer "allein McDonald's schätzungsweise mit rund 140 Millionen Euro jährlich entlasten - die gesamte Fast-Food-Branche käme auf rund 500 Millionen Euro. Das zeigen Recherchen von foodwatch."

Ist es gerecht, dass in der Gastro-Branche die Mehrwertsteuer sinkt?

WDR Studios NRW 19.12.2025 04:05 Min. Verfügbar bis 19.12.2027 WDR Online


Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Patrick Rothkopf, Präsident des Dehoga NRW
  • WDR-Gespräch mit Thorsten Hellwig, Sprecher des Dehoga in NRW
  • WDR-Gespräch mit den Gastronomie-Betreibern Marcus Schmalbein und Edmund Joska
  • WDR-Wirtschaftsexperte Carsten Schabosky
  • Nachrichtenagenturen dpa, afp
  • Bundesministerium für Arbeit und Soziales
  • Foodwatch: CDU-Mehrwertsteuer-Reform: 140 Millionen Euro allein für McDonald’s

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 19.12.2025, 18.45 Uhr

Kommentare zum Thema

23 Kommentare

  • 23 Franziska 1 20.12.2025, 20:21 Uhr

    Die Kette der Auswirkungen sieht schon seit ewigen Zeiten so aus: Welches ist das unheilvolle Glied? Werden zuerst höhere Löhne gefordert und dann steigen die Preise oder die Preise steigen und dann wird mehr Lohn gefordert? Die Regierung hält sich darüber meistens bedeckt, ihr geht es um Steuereinnahmen, egal wer sie aus der Tasche ziehen muss. Das Geschenk kurz vor Weihnachten für die Gastronomie zahlen mit höchster Vermutung wieder die Gäste?

  • 22 Alfred 20.12.2025, 17:37 Uhr

    Man hätt och nen Steuersenkung nach Sterne mache könne! Wo et so richtig gut ist weniger Prozent! Wenn der Lebensmittelkontoll unglücklich ist, dann STeuer erhöhen!

  • 21 Raimund 20.12.2025, 16:07 Uhr

    Her steht ein ganzer Wirtschaftszweig vor dem Aus. Da geht es nicht um billier Essen. Die Rahmenbedingungen der Wirtschaft allgemein passen nicht mehr zusammen und gegen die ganzen Fehlentwicklungen kann man auch nicht mehr gegen an subventionieren. Das ist jetzt nur ein Tropfen auf den heißen Stein als Schadensbegrenzung.

  • 20 Mattes 20.12.2025, 14:22 Uhr

    ""To go"-Produkte (zum Mitnehmen), günstigere kleine Portionen" als "neue Konzepte"? Klingt für mich weniger nach innovativem Durchstarten, sondern eher nach Transformation vom Restaurantbetrieb zur Imbissbude und davon hat man, z.B. im Großraum Köln, schon mehr als genug und so ziemlich alles ist bereits zig-fach vertreten: chinesisch, deutsch, griechisch, indisch, italienisch, türkisch, vietnamesisch, etc.. Und selbst dort ziehen die Preise mitunter heftig an. Restaurants, die weder an einem Hot-Spot mit viel/touristischer Laufkundschaft liegen, noch über solvente Stammkundschaft verfügen, werden perspektivisch schlicht aufgeben müssen, wie schon die Kneipen. Da die Wirtschaft, prognostiziert, auch 2026 nicht anspringen wird, kann nächstes Jahr das große Gastro-Sterben erst richtig losgehen. Diese Mehrwertsteuersenkung einer vollmundig reformenverkündenden Regierung, verschiebt vielleicht nur den Zeitpunkt der Betriebsaufgabe, mehr nicht und günstiger wird erst recht nichts.

  • 19 Anonym 20.12.2025, 09:20 Uhr

    Wofür diese Mehrwertsteuersenkung? Wenn man als Berufstätiger Essen selber zubereitet neigt man dazu ein relativ schnell zu bereitendes Gericht zu kochen. Von der Gastronomie wünscht man sich dann vielleicht das Gerichte angeboten werden deren Garung etwas länger dauert. Aber weit gefehlt, die meisten Restaurants nur mit Schnitzel, Pizza u.ä. auf Pommesbudenniveau = die meisten Restaurants sind ihr Geld nicht wert. Gute und bezahlbare Restaurants werden immer weniger. Meines Erachtens viel Gejammer, Abzocke und jetzt noch ein Steuergeschenk.

  • 18 Joachim P 20.12.2025, 09:15 Uhr

    Ganz Toll was die Politiker da wieder machen.!!! Warum wird nicht im gesammten lebensmittelbereich die Mehrwertsteuer gesenkt und es an Kunden weiter gegeben.? Hier wird nur ungerechter Weise eine Branche unterstützt. Die Profitgier nimmt kein Ende bei uns.

  • 17 Andre Schäfer 20.12.2025, 08:19 Uhr

    Mäckes und Co. interessieren mich schon lange nicht mehr. Die dortige Qualität ist bei steigenden Preisen in den letzten Jahren derart in den Keller galoppiert, dass sie ihre Matschburger gerne behalten dürfen. Nen gescheiten Imbiss gibts hier am Ort nicht mehr. Alles nur noch anatolische Küche. Doch selbst Döner gibts da nicht, nur billigen Drehspieß zum teuren Preis. Rostbratwurst, Schaschlik oder Schnitzel vom Schwein, in 30km Umkreis nicht mehr zu kriegen. Wo immer man nachfragt, sind Schnitzel und Wurst von der Pute. Bäh. Restaurants, die hat es noch ein paar. Aber dort für 25-50% kleiner gewordene Portionen 25% mehr Geld auf den Tisch legen, sehe ich auch nicht ein. Zumal die Lokalitäten vielfach zwar einen deutschen Namen haben, sich auf der Speisekarte aber doch wieder nur italienische und anatolische Küche findet. Danke. Aber Nein danke. Überörtlich gibts noch ein paar Gescheite. Aber dafür 2 Stunden im Auto sitzen und 60-80km auf dem Tacho haben? Eher nicht.

  • 16 Tom 20.12.2025, 06:44 Uhr

    Nichts weiter als ein Steuergeschenk, wie es der Gastro-Bereich bereits vor Jahren von der FDP erhalten hat. Dementsprechend eine hervorragenden Lobby-Arbeit. Nur es ändert nichts daran, dass dem Verbraucher das Geld nicht mehr so locker sitzt, um mal eben essen zu gehen. Unsere Regierung lässt sich dafür feiern, dass sie an den Symptomen bastelt, ohne die Ursachen endlich zu bekämpfen. So z.B. die hohen Energiepreise, die Dank der unsinnigen CO²-Steuer im kommenden Jahr weiter steigen werden = höhere Kosten für Industrie/Handel/Dienstleistung/Verbraucher und weniger verfügbares Einkommen für Konsum/Inlandsnachfrage.

  • 15 Dr. Bergius 20.12.2025, 05:14 Uhr

    Die Frage, ob Essen gehen durch die Senkung der Mehrwertsteuer günstiger wird, führt uns zu einer grundlegenden Auseinandersetzung mit dem Konzept des "Wertes". Was bedeutet es, dass etwas günstiger wird? Ist es wirklich eine Ersparnis, oder ist es lediglich eine Umverteilung von Kosten? Der Preis eines Essens in der Gastronomie ist nicht nur der Betrag, den wir zahlen, sondern auch ein Spiegelbild der Arbeitskraft, der Ressourcen und der Zeit, die in die Zubereitung und den Genuss einfließen. Eine Senkung der Mehrwertsteuer kann den direkten Preis zwar verringern, doch verändert sie den Wert des Erlebnisses selbst? In einer Welt, die von Konsum und Effizienz geprägt ist, kann eine solche Maßnahme dazu führen, dass wir uns stärker auf den "Preis" konzentrieren und die tieferen Werte des kulinarischen Erlebens aus den Augen verlieren.

  • 14 Franziska 1 19.12.2025, 20:42 Uhr

    Im Grunde genommen ist eine Mehrwertsteuer- Senkung nur für eine bestimmte Branche nicht korrekt. Die Mühe hätte sich die Regierung sparen können und besser darauf hin gearbeitet, das generell die MwSt. für alle etwas gesenkt wird. Die Anzahl der Konsumenten allgemein ist bedeutend höher, wobei viele mit ihren Lohn nicht zurecht kommen wegen ebenfalls hohe Energiepreise. Die gehen kaum in ein Restaurant wegen den hohen Preis vom Essen. Für das Geld was ein Essen kostet für 2 Personen, müssen viele Menschen eine Woche lang davon leben. Schwarzarbeit lebt immer noch in mancher Restaurantküche, dass lässt sich nicht verleugnen. Man hat doch Augen und Ohren als Gast. Man hört auch, dass Wirte bei Aldi und Lidl ihre Ware für die Küche einkaufen. Warum wird ihnen das erlaubt? Sie haben schon genügend Vorteile für ihren Betrieb. Wenn andere Branchen auf dem Sterbebett liegen, wie wird ihnen geholfen? Soll die MwSt. Hilfe wie eine Fieberkurve sich zeigen, einmal rauf, einmal runter?

  • 13 Karsten Schmidt 19.12.2025, 18:40 Uhr

    Über wie wenig Demut und mangelndem Respekt vor Leistenden wird hier über Gastronomen gesprochen? Wer arbeitet so viel für so wenig Geld? Kostendruck, mangelndes Personal, steigende Preise!!! Was läuft da schief in unserer Gesellschaft und beim Personalmanagement des WDR, wenn es Fragestellung von Anstand, Moral und Wertschätzung geht? Ich bin davon überzeugt, wenn ein Unternehmen nicht über Steuereinahmen verfügt, sondern selbst erwirtschaftete Leistungsbilanz Maßstab wäre, ja was wäre dann Herr Schabosky?

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