Zwar nimmt die Deutsche Bahn (DB) immer wieder neue Verbindungen mit unseren Nachbarländern auf, zuletzt etwa eine ICE-Direktverbindung zwischen Berlin und Paris. Außerdem sollen Reisende von Deutschland nach Italien künftig im Hochgeschwindigkeitszug ohne Umsteigen von München nach Mailand und Rom fahren können. Dennoch gibt es beim Bahnfahren in Europa noch immer einige Probleme.
Für länderübergreifende Fahrten sind bisher oft mehrere Fahrscheine nötig, die einzeln gekauft werden müssen. Und das geht dann auch nicht direkt über den DB Navigator oder die normale Website der Bahn. Kunden werden meist auf die Adresse www.international-bahn.de umgeleitet. All das ist nicht nur umständlich. Auch Fahrgastrechte gelten - etwa im Fall eines verpassten Anschlusszugs - nicht. Das soll sich nun ändern.
Ziel: Bahnfahrten quer durch Europa per Bahn-App durchbuchbar machen
Buchungen etwa nach Wien oder Zürich lassen sich noch vergleichsweise einfach abwickeln. Deutlich komplizierter wird es, wenn man beispielsweise in der Schweiz in einen französischen Zug umsteigen will.
Von Basel kann man per Direktverbindung in viele Nachbarländer reisen.
Zumindest beim Ticketkauf soll es bald einfacher sein. Die Deutsche Bahn setzt dafür einen neuen Datenstandard mit europäischen Nachbar-Bahnen um. Damit bekommt sie Zugriff auf das komplette Ticket-Angebot der anderen Anbieter und umgekehrt.
Nur noch ein Ticket für Oslo-Wien oder Warschau-Barcelona
Die ersten ausländischen Bahn-Unternehmen sollen ab Herbst so an das Verkaufssystem angebunden sein, dass Fahrgäste Tickets direkt über den DB Navigator oder bahn.de kaufen können. Zunächst gelte das für die Österreichischen und die Schweizer Bundesbahnen. In den folgenden Monaten sollten dann weitere Bahn-Anbieter in Europa dazukommen
Reisen quer durch Europa, so verspricht es die Bahn, soll dann per App durchgebucht werden können. Die Verbindungen Oslo-Wien oder Warschau-Barcelona würden dann mit einem Ticket erfasst. Nur noch in Ausnahmefällen sollen zwei oder mehr Tickets ausgestellt werden.
Das Ziel: "Ich kann eine internationale Fahrt dann genauso einfach buchen wie eine nationale Fahrt", sagt DB-Fernverkehrs-Vorstand Michael Peterson. Das muss aber auch alles erstmal funktionieren. Kritiker haben da noch Zweifel.
Verbraucher könnten einen wesentlichen Vorteil haben, wenn das System wirklich flächendeckend kommen sollte: Verspätet sich ein Zug, gilt das Ticket bei einem verpassten Anschluss dann auch im nächsten Zug. Bisher konnte man davon nicht ausgehen: Vor allem Reisen durch Länder mit besonders hoher Streikbereitschaft oder anderen Hindernissen - wie zum Beispiel Fahrplanproblemen durch Baustellen - können auch ein finanzielles Risiko sein.
Auch Buchungen innerhalb anderer Länder sollen möglich werden
Bis Ablauf des kommenden Jahres soll der grenzüberschreitende Verkehr in ganz Europa einfacher laufen. Nicht nur die Ticketbuchung quer durch Europa soll dann ermöglicht werden, sondern auch die Buchung von Fern- und Nahverkehrszügen innerhalb eines anderen europäischen Landes. Reisende könnten laut Bahn dann über die DB-Kanäle etwa eine Fahrt vom Flughafen Rom zum Hauptbahnhof der italienischen Hauptstadt oder von Bordeaux nach Arcachon an der französischen Atlantikküste buchen.
Erleichterte Reise durch erleichterten Buchungsvorgang?
WDR-Bahnexperte sieht Fortschritt
"Es ist schon einmal ein Fortschritt, wenn es in die Richtung geht, dass europäische Bahnen wieder sämtliche Tickets der anderen Bahnen verkaufen können", sagt WDR-Bahnexperte Niklas Hoth. "Ob die Bahngesellschaften der einzelnen Länder aber wirklich alle ein Interesse haben, eine Fahrt durch mehrere Länder auf einem einzigen Ticket zu verkaufen, da habe ich große Zweifel, wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Jahre anschaue."
Früher sei es selbstverständlich gewesen, dass die europäischen Bahnen den gemeinsamen internationalen Tarif angewendet hätten und so durchgängige Fahrkarten in ganz Europa erhältlich waren, so Hoth. Insbesondere die Bahnen in Italien, Frankreich und Spanien seien aber in den letzten Jahren dazu übergegangen, für ihre Hochgeschwindigkeitszüge nur noch sogenannte Globalpreise zu verkaufen. Das sind Tickets für einen jeweils einzelnen Zug, die eine Pflicht-Reservierung enthalten.
Das sorgt dafür, dass man für jeden Zug auf der Reise einen eigenen Fahrschein bekommt und kein sogenannter durchgängiger Beförderungsvertrag besteht. Dadurch könnten die Bahnunternehmen auch die Fahrgastrechte aushebeln, wenn man etwa wegen einer Verspätung den Anschlusszug verpasst. Hoth hat zwar die Erfahrung gemacht, dass beispielsweise die italienische Bahn in solchen Fällen in der Regel kulant reagiert und das Ticket für den folgenden Zug dann auf einen späteren Zug gültig schreibt, rechtlich habe man aber keinen festen Anspruch darauf.
Mehr Sparmöglichkeiten in Europa mit der BahnCard?
Denkbar sind künftig auch Verbesserungen bei der Nutzung der BahnCard. Hier will die Bahn noch nichts dazu sagen, auf welchen Teilen einer Reise die Vergünstigungen greifen. Und: Verbraucher haben dann auch immer noch nicht die Sicherheit, die günstigsten Angebote wahrzunehmen. In einigen Nachbarländern ist der Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Bahnanbietern einerseits deutlich komplizierter, andererseits sind auch hier die Sparmöglichkeiten enorm.
Doch Achtung: Bisher ist das alles bloß eine Ankündigung der Bahn. Und konkret auch nur für die Länder, in denen es sowieso schon meistens funktioniert. Was den Verhandlungsstand mit den Gesellschaften anderer Länder und deren Interessensausgleich angeht, schweigt die Bahn bisher. Bisher ist die Rechnung ohne die anderen europäischen Bahnbetreiber gemacht.
Unsere Quellen:
- Deutsche Bahn
- WDR-Bahnexperte Niklas Hoth
- Nachrichtenagenturen dpa und AFP
- Artikel von Tagesschau.de zu den Plänen der Bahn vom 27.05.2025