Eigentlich wäre es schön gewesen, die Aktionäre wieder persönlich zu treffen - also die Eigentümer des Unternehmens. Man hätte sich bei einer Tasse Kaffee austauschen können. Vielleicht sogar Zuversicht schöpfen. Nach zehn Jahren könnte alles wieder gut werden, das Bayer-Kreuz bald wieder wie früher über Leverkusen strahlen.
Doch die Bayer-Führung bleibt auf Distanz. Wie seit der Corona-Krise üblich, findet die Hauptversammlung nur virtuell statt. Das sei nachhaltig und spare Kosten. Außerdem könnten sich mehr Aktionäre aus aller Welt zuschalten. So versucht Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann gleich zu Beginn, Kritik zu dämpfen.
Zornige Aktionäre
Vielleicht ist die Angst vorm Zorn der Aktionäre zu groß. Viele haben die Kursschwankungen der Aktie schmerzhaft erlebt. Einige wollen Antworten: "Warum habt Ihr uns das angetan? Warum seid Ihr bloß auf die Idee gekommen, diesen vermaledeiten Monsanto-Konzern zu kaufen?"
Bayer-Konzernchef Bill Anderson beruhigt die Aktionäre.
Die offizielle Antwort lautet: "Weil es richtig war." Vorstandschef Bill Anderson verteidigt die Entscheidung seines Vorgängers. Locker und ohne Krawatte steht er vor der Kamera. Er liest seine Rede auf Englisch vom Teleprompter ab. Die vielen Klagen in den USA und ein aus Sicht des Konzerns schwieriges Rechtssystem hätten Bayer stark belastet, sagt er.
Hoffnung auf Vergleich mit Glyphosat-Klägern
Anderson sieht aber auch Hoffnung. Ein geplanter Vergleich im Glyphosat-Streit könnte Entlastung bringen. Außerdem könnte der Oberste Gerichtshof der USA zugunsten von Bayer entscheiden. Das würde viele Klagen erschweren. Eine Anhörung dazu ist am Montag in Washington angesetzt.
Der Streit um Glyphosat, Dicamba und PCB hat Bayer bisher mehr als 24 Milliarden Euro gekostet. Der Börsenwert des Konzerns ist stark gefallen. Rund 20.000 Arbeitsplätze wurden abgebaut. Anderson versucht, das positiv zu interpretieren: "Das Unternehmen ist schlanker und schneller geworden". Für viele freigestellte Bayer-Mitarbeiter dürfte das schwer nachvollziehbar sein – trotz teils hoher Abfindungen, die sie bekommen haben.
Vage Antworten für Aktionäre
Auch die Aktionäre bleiben unzufrieden. Viele Antworten des Vorstands auf ihre vielen Fragen sind vage. Zu laufenden Verfahren äußert sich Bayer nicht. Auch nicht zur aktuellen Zahl der Klagen. Zuletzt war von rund 200.000 Fällen die Rede. Wie viele Kläger einem Vergleich zustimmen, ist offen. Finanzvorstand Wolfgang Nickl sagt: "Wir spekulieren nicht darüber."
Auch bei der Dividende bleibt vieles unklar. Es gibt in diesem Jahr wieder nur die gesetzliche Mindestdividende. Nickl sagt: „Unser klares Ziel ist es, grundsätzlich zu einer attraktiven Aktionärsvergütung zurückzukehren. Zeitpunkt und Höhe werden zu späterem Zeitpunkt festgelegt.“
Vorsichtiger Optimismus bei Investoren
Einige Investoren sehen dennoch Lichtblicke. Ingo Speich von Deka Investment nennt die vergangenen zehn Jahr zwar eine "Dekade des Niedergangs". Janne Werning von Union Investment nimmt aber den gestiegenen Aktienkurs als "ein wichtiges Signal". Er hat sich in den vergangenen zwölf Monaten von 20 auf 40 Euro verdoppelt. Werning sieht "erstmals seit der Monsanto-Übernahme wieder Licht am Ende des Tunnels".
Unsere Quelle:
- Bayer-Hauptversammlung 2026
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 24.04.2026, 13:35 Uhr