Rechts ein weißer Camping-Wagen, die Tür ist offen, links daneben stehen zwei Stühle und ein Tisch, im Hintergrund grünes Feld und Bäume

Mit dem Camper lässt sich in NRW mitten in der Natur Urlaub machen - zum Beispiel im Bergischen Land.

Urlaub vor der Haustür Warum NRW vom Fernreisefrust profitieren könnte

Stand:

Hohe Kerosin- und Spritpreise, dazu eine unsichere weltpolitische Lage - bei vielen Menschen trübt das derzeit die Lust auf Fernreisen. Stattdessen rückt der Urlaub vor der eigenen Haustür wieder stärker in den Fokus. Das könnte dem Tourismus in NRW weiteren Schub verleihen.

Auf dem Campingplatz am Effelder Waldsee im Kreis Heinsberg ist diese Entwicklung bereits spürbar. Seit dem Krieg im Iran verzeichne man deutlich mehr Anfragen für die Sommermonate, sagt Betreiberin Ulrike Martin.

Viele Gäste entschieden sich bewusst gegen Auslandsreisen. "Die Preise sind stark gestiegen, und auch die Ängste sind einfach da - das bekommen wir hier deutlich zu spüren", so Martin. Aktuell liegen die Buchungen für den Sommer rund 40 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Unsichere Weltlage verändert Reiseverhalten

Für Birgit Funk-Petry steht der Wohnwagen schon am See. Auf eine Fernreise verzichtet sie in diesem Jahr bewusst. "Jetzt sind so viele Kriege und Unruhen - da bleibe ich lieber hier und mache es mir schön", sagt sie.

Mit dieser Entscheidung ist sie nicht allein. Schon Ende März gaben in einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Tourismusverbands 16 Prozent der Befragten an, ihre Reisepläne wegen der globalen politischen Lage geändert zu haben. Auf Campingplätzen zeige sich das unter anderem darin, dass Buchungen länger ausfielen als früher - ganze Ferienwochen statt kurzer Wochenendtrips, beobachtet Ulrike Martin.

Tourismus in NRW auf Rekordkurs

Auch der Branchenverband Tourismus NRW rechnet mit zusätzlicher Nachfrage. Besonders Gäste aus den Niederlanden und aus Belgien - den wichtigsten Herkunftsländern der Touristen aus dem Ausland - könnten in diesem Jahr noch häufiger nach Nordrhein-Westfalen reisen, sagt Verbandssprecherin Tonia Haag.

NRW-Tourismus will vom Fernreise-Frust profitieren

WDR 30.04.2026 03:18 Min. Verfügbar bis 29.04.2028 WDR Online

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Dabei ist NRW ohnehin ein beliebtes Reiseziel. Nach Angaben des Landesamts für Statistik zählte Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr mehr als 25 Millionen Gäste - so viele wie noch nie. Fachleute gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl noch höher liegt, da kleinere Betriebe mit weniger als zehn Betten in der Statistik nicht erfasst werden.

Volle Betten, sinkende Umsätze

Doch trotz steigender Gästezahlen ist die Lage für viele Betriebe wirtschaftlich angespannt. "Wir haben gute Übernachtungszahlen, aber die Realumsätze sind gesunken", sagt Patrick Rothkopf, Hotelier aus Euskirchen und Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) NRW.

Hohe Kosten für Energie, Personal und Waren belasteten die Betriebe stark. Auch die Landesstatistik zeigt: Inflationsbereinigt sind die Umsätze im nordrhein-westfälischen Gastgewerbe in den vergangenen beiden Jahren zurückgegangen - trotz des touristischen Booms.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, Wirtschaftsmagazin, 30.04.2026, 13:35 Uhr

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