Kartellamt kritisiert unfaire Spritpreise an der Tankstelle
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Autofahrer haben den Verdacht schon lange: Wenn der Ölpreis steigt, wirkt sich das sofort auf die Preise an der Tankstelle aus. Bei sinkenden Ölpreisen hingegen dauert es eine Weile, bis das Tanken wieder günstiger wird. Eine Auswertung des Bundeskartellamtes bestätigt diese Beobachtung nun.
Die Kartellwächter haben analysiert, wie der Spritpreis mit dem Rohölpreis zusammenhängt. Als zum Beispiel Mitte Juni die Lage im Nahen Osten eskalierte, ist Rohlöl schlagartig teurer geworden. Unmittelbar danach sind auch die Preise an den Tankstellen gestiegen. Die Mineralölkonzerne begründen das häufig mit ihren gestiegenen Beschaffungskosten. Sinkt der Rohölpreis hingegen, dauert es oft einige Tage, bis Autofahrerinnen und Autofahrer davon profitieren.
Kartellamt: Mineralölkonzerne erhöhen Gewinn auf Kosten der Autofahrer
Die Mineralölkonzerne sicherten sich so höhere Gewinne, sagte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts im Gespräch mit dem WDR. "Wenn es schnell hoch geht, dann versuchen die Konzerne, ihre Kosten sehr schnell weiterzugeben und damit ihre Marge zu schützen. Wenn der Rohölpreis sinkt, dann folgen sie langsamer, um ihre Marge zu schützen", so Mundt.
Dahinter steckt der so genannte „Rocket-and-Feather-Effekt“, auf deutsch: "Rakete-und-Feder-Effekt". Bei steigenden Kosten schießen die Preise wie eine Rakete nach oben, bei sinkenden Kosten gehen die Preise nur langsam wie eine Feder zurück.
Autofahrer können mehr als zehn Cent pro Liter sparen
Verboten ist diese Preispolitik nicht, trotzdem sind Autofahrerinnen und Autofahrer den Preisen an der Tankstelle nicht schutzlos ausgeliefert, auch das zeigt die Analyse der Kartellwächter. Mehr als 20 Mal am Tag haben sich die Preise an der Tankstelle zuletzt im Schnitt geändert. Wer zur richtigen Zeit an der richtigen Tankstelle tanke, könne teilweise mehr als zehn Cent pro Liter sparen, so das Kartellamt.
Besonders günstig sei das Tanken in der Regel abends zwischen 19 und 20 Uhr, am teuersten ist es morgens im Berufsverkehr zwischen 7 und 8 Uhr.
Günstige Tankstellen bleiben oft günstig
Weil die Tankstellen ihre Preise in Echtzeit an das Kartellamt melden müssen, können Autofahrer über verschiedene Apps inzwischen gut sehen, wo die Spritpreise in der Umgebung derzeit am günstigsten sind. Und Kartellamts-Chef Mundt betont: "Hat man einmal eine Tankstelle als in der Regel preisgünstig identifiziert, dann bleibt sie das in der Regel auch."
Eine Tankstelle, die zu einem bestimmten Zeitpunkt die günstigste unter den fünf nächstgelegenen ist, hat eine Viertelstunde später mit einer Wahrscheinlichkeit von 79 Prozent immer noch den günstigsten Preis. Und selbst nach acht Stunden lag die Wahrscheinlichkeit noch bei knapp zwei Dritteln.
Unsere Quellen:
- Interview Andreas Mundt
- Bundeskartellamt
- ADAC