Schalke in der Bundesliga : Was der Aufstieg wirtschaftlich bringt
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Der FC Schalke 04 ist zurück in der Bundeliga. Für Gelsenkirchen bedeutet das nicht nur Fußball-Euphorie, sondern auch die Hoffnung auf mehr Aufmerksamkeit, mehr Gäste und mehr Umsatz. Doch der wirtschaftliche Effekt des Aufstiegs ist komplizierter, als volle Kneipen und ein volles Stadion vermuten lassen.
Die Freude in Gelsenkirchen ist groß. Nach mehreren schwierigen Jahren spielt Schalke wieder erstklassig. Für Fans ist das vor allem ein emotionaler Befreiungsschlag. Für die Wirtschaft zählt, ob aus der Aufstiegseuphorie auch konkrete Umsätze für Stadt und Region entstehen.
Ganz so einfach ist es nicht. Sven Wolf, Leiter der Industrie- und Handelskammer (IHK), Standort Emscher-Lippe, spricht von einem Erfolg "für den Verein, für die Stadt Gelsenkirchen und die ganze Region, auch für unsere Unternehmen". Mit dem Aufstieg ergäben sich Chancen, die "Strahlkraft der Emscher-Lippe-Region zu erhöhen", so Wolf.
Die Stadt Gelsenkirchen ist vorsichtiger, wenn es um konkrete Zahlen geht. Martin Schulmann, Pressesprecher der Stadt, sagt: Bei besonderen Ereignissen geben Menschen zwar mehr Geld aus - in Kneipen, Hotels oder Geschäften. In der Stadtkasse kommt davon aber selten spürbar mehr an.
Der größere Effekt liege woanders: Der Aufstieg verändere gerade die Stimmung in Gelsenkirchen. Die Stadt wirke zufriedener, freundlicher, optimistischer.
Mehr Umsatz an Bundesliga-Spieltagen
Aus Sicht der IHK gibt es zuerst einen direkten Effekt rund um die Spieltage. Die erste Bundesliga bedeutet mehr Aufmerksamkeit, mehr Auswärtsfans und somit auch mehr Konsum. Profitieren könnten vor allem Gastronomie, Einzelhandel, Hotellerie und Dienstleister.
Wichtig ist dabei: Schalke hatte auch in der 2. Liga meist ein volles Stadion. Der große Unterschied liegt deshalb eher bei den Gästen. In der Bundesliga dürfte der Gästeblock häufiger voll sein. Dort passen rund 6.200 Fans rein. Wenn mehr Auswärtsfans nach Gelsenkirchen kommen, essen, trinken oder übernachten, kann das für zusätzliche Umsätze sorgen.
Dazu kommen andere Anstoßzeiten. In der Bundesliga gibt es häufiger Spiele am späteren Nachmittag oder Abend. Die IHK erwartet, dass Besucherinnen und Besucher dann eher länger in der Stadt bleiben und mehr Geld ausgeben.
Die Stadtkasse profitiert nicht automatisch
Die Stadt bremst zu große Erwartungen. Mehr Umsatz in Kneipen, Hotels oder Geschäften heißt nicht automatisch mehr Geld für die Stadt. Das zeigt sich auch bei anderen Großereignissen. Bei Konzerten oder besonderen Spielen wird zwar vor Ort mehr verkauft. Aber nicht jeder Euro bleibt in der Region.
Die Veltins-Arena: Bei Bundesliga-Spielen finden dort bis zu 62.271 Zuschauer Platz.
Merchandising zum Beispiel läuft oft über externe Anbieter. Teile der Einnahmen werden nicht in Gelsenkirchen versteuert. Deshalb steigen kommunale Steuereinnahmen meist nicht so stark, wie volle Restaurants oder Hotels vermuten lassen.
Außerdem bringt der Aufstieg nicht automatisch mehr Heimspiele. Schalke spielt weiterhin eine normale Ligasaison. Zusätzliche Spiele gäbe es erst bei internationalen Wettbewerben. Dann ließen sich wirtschaftliche Effekte leichter berechnen: mehr Spiele, mehr Gäste, mehr Übernachtungen.
Der Fußball wirkt über den Verein hinaus
Die IHK verweist auf eine McKinsey-Studie zur wirtschaftlichen Bedeutung des Profifußballs. Danach hat der deutsche Profifußball in der Saison 2023/24 insgesamt 14,2 Milliarden Euro Wertschöpfung ausgelöst.
Wertschöpfung meint nicht einfach Umsatz, sondern den zusätzlichen wirtschaftlichen Wert, der nach Kosten für Vorleistungen tatsächlich entsteht.
Besonders wichtig ist eine zweite Zahl: Für 100 Euro, die Clubs und Liga erwirtschaften, entstehen laut McKinsey mehr als 200 Euro zusätzliche Wertschöpfung in angrenzenden Branchen. Dazu gehören zum Beispiel Vermarkter, Sponsoren, Ausrüster, Sicherheitsdienste, Catering, Hotels, Gastronomie, Transport oder Bauunternehmen.
Diese Rechnung zeigt, warum Profifußball wirtschaftlich über den Verein hinaus wirken kann. Sie ist aber keine Schalke-Rechnung. Sie sagt nicht, wie viel Geld der Aufstieg konkret nach Gelsenkirchen bringt. Sie zeigt eher die Richtung: Fußball kann andere Branchen mitziehen.
Das Stadt-Image wird zum Wirtschaftsfaktor
Für Gelsenkirchen könnte der wichtigste Effekt schwer messbar sein. Martin Schulmann von der Stadt beschreibt vor allem einen Stimmungsgewinn. In der Stadt gebe es mehr Optimismus. Das könne auch wirtschaftlich wirken: Wer zuversichtlicher ist, kauft vielleicht eher etwas. Unternehmen treffen Investitionsentscheidungen eher in einem positiven Klima.
Auch die IHK setzt auf diesen Imageeffekt. Schalke ist einer der größten Vereine Deutschlands. Wenn der Club wieder in der Bundesliga spielt, bekommt auch die Region mehr Sichtbarkeit. Davon können regionale Unternehmen profitieren, etwa durch Sponsoring, Werbung oder Kooperationen.
Ein Beispiel ist die Beumer Group aus Beckum. Das Unternehmen ist neuer Haupt- und Trikotpartner von Schalke. Solche Partnerschaften sind in der Bundesliga sichtbar: auf Trikots, Banden, Fernsehbildern und digitalen Kanälen.
Nachhaltiger Aufschwung hängt am Klassenerhalt
Der Aufstieg allein reicht nicht. Schalke muss sich in der Bundesliga halten. Erst dann könnten sich Sponsoring, Investitionen und zusätzliche Umsätze langfristiger stabilisieren. Schalke startet dabei nicht bei null. Nach mehreren Krisenjahren hat der Verein wirtschaftlich wieder mehr Halt bekommen: Die Mitgliederzahl ist stark gestiegen, die Konsolidierung der Finanzen kommt voran, wichtige Sponsoren haben sich langfristig gebunden.
Auch Sven Wolf von der IHK sieht die eigentliche Bewährungsprobe in der kommenden Saison. In einem Jahr werde sich deutlicher zeigen, ob die Region die Chance genutzt habe. Dann könnten Umsätze, Investitionen und Beschäftigung stärker wachsen. Der Verein ist mit fast 2.000 Beschäftigten inklusive zahlreichen Aushilfen schon jetzt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview Sven Wolf, IHK Gelsenkirchen
- WDR-Interview Martin Schulmann, Stadt Gelsenkirchen
- WDR-Interview Simon Nowack, Dezernent für Wirtschaftsförderung Gelsenkirchen
- Studie McKinsey "Mehr als nur ein Spiel"
Sendung: WDR5, Tag um sechs, 04.05.2026, 18:00 Uhr