Schalke-Fans feiern den Aufstieg | Video
WDR. 00:47 Min.. Verfügbar bis 03.05.2028.
Denkwürdiger Tag für Fans
Die Mission Schalke-Aufstieg begann für Manuel Steinhuber schon 24 Stunden vor dem Anpfiff. Am Freitagabend setzte er sich in Oberbayern in den Zug, fuhr die ganze Nacht lang und kam am Samstagmorgen in Gelsenkirchen an. Jetzt sitzt der glühende Schalke-Fan in der Kneipe "Friesenstube" in der Nähe des Hauptbahnhofs. "So viele Schalke-Fans gibt's bei uns nicht, deshalb bin ich hierhin gekommen", sagt Steinhuber und lacht.
Manuel Steinhuber, Schalke-Fan aus Oberbayern
Hinter ihm stehen zwei Gehstützen, denn Steinhuber hat sich vor Kurzem beim Fußball das Außenband gerissen. Für seinen Verein hat er die zehnstündige Reise trotzdem auf sich genommen - auch wenn er gar keine Eintrittskarte für das Spiel am Abend gegen Fortuna Düsseldorf hat. Gewinnen die Schalker, sind sie zurück in der Fußball-Bundesliga.
Steinhuber will das Spiel in einer Kneipe verfolgen und nicht nur das: Er will auch versuchen, trotz Verletzung am Nachmittag beim Fanmarsch aus der Innenstadt im Stadtteil Buer zum Stadion mitzulaufen. "3,5 Kilometer - die ziehen wir durch", ruft er.
Ansturm auf Kneipen: 20 Fässer Bier für Schalke-Fans
Ein paar Meter weiter zapft Ulf Timmermann das nächste Bier. Der Inhaber der Friesenstube hat in seinem Vorrat über 20 Fässer Bier, um den erwarteten Ansturm rund um das vielleicht entscheidende Spiel gegen Düsseldorf zu bewältigen. "Wir sind froh, wenn wir den Abend überleben. Deshalb haben wir vorsichtshalber so viel Bier bestellt."
Ulf Timmermann, Inhaber der Friesenstube in der Gelsenkirchener Altstadt
Seine Kneipe ist schon am Mittag gut gefüllt mit Gästen wie Steinhuber aus Oberbayern, aber auch aus Luxemburg oder vom Niederrhein. "Viele sind gestern schon angereist. Gestern war die Bude hier schon rappelvoll", erzählt Timmermann. "Gestern ging es bis 5 Uhr morgens, heute haben wir sogar bis 6 Uhr auf."
Bratwurst, Bier und Schalker Vorfreude
Ortswechsel: Einige Kilometer weiter Richtung Stadion liegt die Schalker Vereinskneipe "Bosch", direkt neben der Glückauf-Kampfbahn, dem früheren Stadion der Königsblauen. Hier liegt am Mittag schon der Geruch von frisch gegrillten Bratwürstchen in der Luft. Roy Heiligert steht nebenan im Bierwagen und hat schon alle Hände voll zu tun. "Es ist noch früh, aber es läuft so langsam an", sagt er.
Für Heiligert ist es ein besonders emotionaler Tag: Er wird die Kneipe nur noch bis Ende Mai betreiben. Da er aber noch keinen Nachfolger gefunden hat, steht das "Bosch", die Traditionskneipe mit dem Stammplatz von Klublegende Ernst Kuzorra, vor dem Aus.
"Wir fahren das Ding heute nach Hause." Roy Heiligert, Betreiber der Kneipe "Bosch"
"Ich genieße heute den Augenblick. Das kann heute ein krönender Abschluss werden, wenn wir den Aufstieg schaffen", meint er. Er ist sich sicher: "Wir fahren das Ding heute nach Hause."
Hochstimmung in Gelsenkirchen
Ähnlich optimistisch sind Heiligerts Gäste am Stehtisch nebenan. "Das wird ein 3:0 für uns", versichert Marek Wessels. "3:2, wie vor vier Jahren gegen St. Pauli", tippt Leon Nobis. Die beiden sind mit 15 weiteren Mitgliedern des Fanclubs "Asbeck auf Schalke" aus Ahaus und Umgebung nach Gelsenkirchen gekommen.
Der Fanclub "Asbeck auf Schalke"
"Die Stimmung ist Bombe", ruft Wessels und nimmt einen Schluck von seinem Bier. Davon hatte sich die Freundesgruppe schon am Freitagabend einige gegönnt, erzählt Nobis. Doch jetzt sind alle wieder fit: "Einige sind mit Kopfschmerzen aufgestanden, aber als wir in Gelsenkirchen angekommen sind, war alles wieder weg. Ich hatte schon die ganze Woche lang Glücksgefühle, wenn ich an dieses Spiel gedacht habe."
20.000 Menschen beim Fanmarsch
Am Treffpunkt zum Fanmarsch in der Innenstadt von Buer schallt es bereits von einigen Metern Entfernung entgegen: "Schalalala, Schalke Null-Vier", singen die Fans. Stück für Stück kommen immer mehr Fans auf den großen Platz an der St. Urbanus Kirche. Schon gegen 16 Uhr, 30 Minuten vor dem Start des Fanmarschs, ist der Platz bereits rappelvoll. Gemeinsam stimmen die Anhänger einen Gesang nach dem anderen an.
Fanmarsch vor Schalke-Aufstiegsspiel
WDR. 00:32 Min.. Verfügbar bis 02.05.2028.
Fans pilgern auch ohne Tickets nach Gelsenkirchen
"Tausend Freunde, die zusammenstehen - das merkt man hier einfach", sagt Christiane Bleil. Sie ist mit ihrem Partner und einem Freund aus Borken nach Gelsenkirchen gekommen und läuft auch beim Fanmarsch zum Stadion mit. Rein ins Stadion wird sie aber nicht kommen, denn sie hat kein Ticket. "Wir gehen dann zum Public Viewing in eine Kneipe." Am Ende des Abends soll dann vor allem eine große Aufstiegsparty stehen. Doch dafür muss Schalke erst einmal gegen Düsseldorf gewinnen.
Treffpunkt des Schalke-Fanmarschs
Um 16.30 Uhr startet der Fanmarsch planmäßig Richtung Stadion. Laut Polizei sind es 20.000 Fans, die folgen - klatschend, singend, Fahnen schwenkend. Auch Patrick Rösen läuft mit, er ist mit einem Freund aus Weinberg in Hessen angereist. Beide haben eine Dauerkarte, sind also bei jedem Heimspiel in der Arena.
Patrick Rösen (rechts) läuft mit einem Freund beim Fanmarsch mit.
Und doch ist dieser Tag mit dem Fanmarsch etwas ganz Besonderes für sie. "Überwältigend, ich habe Gänsehaut. So etwas habe ich noch nie erlebt", schwärmt Rösen. "Nach der schlechten letzten Saison hätte ich sowas nie für möglich gehalten." Dann müssen sie weiter, mit dem Fanmarsch zur Arena. Nur eines will Rösen noch kurz sagen: "Wir gewinnen 3:0. Das muss heute klappen."
Hoffen auf den Bundesliga-Aufstieg
Am Abend sind die Kneipen in Gelsenkirchen voll. Wer es nicht ins Stadion geschafft hat, sitzt vor Fernsehern oder Beamern und hofft auf den Aufstieg - mit dem schnellen Führungstor durch Schalke-Kapitän Kenan Karaman nach 15 Spielminuten geht es dann los.
In der Halbzeitpause singen die Fans in der Kneipe "Domgold" das Steigerlied. Die Hymne des Ruhrpott-Klubs. In der 58. Minute pariert Schalke-Torhüter Loris Karius einen Düsseldorfer Schuss. Die Fans in der Kneipe feiern so sehr, als ob es ein Tor ihrer Mannschaft gewesen wäre. Auch als Topstürmer Edin Dzeko eingewechselt wird, applaudieren die Fans.
"Wir sind entspannt, wir haben ganz großes Vertrauen in die Mannschaft. Wir machen das. Je weiter es Richtung Abpfiff geht, desto mehr steigt die Vorfreude. Wir sind ja nicht umsonst 350 Kilometer hierher gefahren", sagt Robin Kempf aus Heidelberg, bei zehn Minuten Restspielzeit.
Die Dämme brechen: Schalke steigt auf
Als die schier endlosen sechs Minuten Nachspielzeit vorbei sind, brechen im "Domgold" in Gelsenkirchen alle Dämme. "Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey", schallt es durch die Kneipe. Schalke besiegt Fortuna Düsseldorf mit 1:0 und ist zurück in der ersten Liga.
Draußen vor der Kneipe springt Patrick Schoppmann auf die Straße und tanzt mit seinen Freunden. "Es gibt nichts Schöneres als das jetzt", grölt er und schwenkt ein blaues Leuchtfeuer. "Nach der schlechten letzten Saison haben wir mit vielem gerechnet, aber nicht mit dem Aufstieg."
Patrick Schoppmann (2. v.r.) feiert mit seinen Freunden
Wie nervös er in den letzten Spielminuten war? "Guck mal, wie nass ich bin", sagt Schoppmann und lacht. "Das kommt nicht vom Regen." Doch das hält ihn und seine Freunde nicht davon ab, heute noch lange zu feiern. Die ganze Straße ist voller Fans, sie singen einen Fan-Gesang nach dem anderen. "Wir wohnen kurz vor der holländischen Grenze. Meine Frau wird nicht begeistert sein, aber vor 9 Uhr bin ich heute nicht zu Hause", erzählt Schoppmann.
Alexandra Zielke (3. v. r.), Lara Kawohl (2. v. r.) und Arlind Bytyqi (rechts) feiern mit ihren Freundinnen und Freunden
Einige Meter weiter wird es plötzlich laut: "Wir steigen auf", kreischt Alexandra Zielke in ihr Smartphone. Sie telefoniert mit ihrem Partner - einem Bayern-Fan. Jetzt lehnt sie mit ihrer Freundin Lara Kawohl und weiteren Freunden im offenen Fenster einer Kneipe. Hier hatten sie extra einen Tisch reserviert, um gemeinsam das Spiel zu schauen.
"Wir freuen uns schon auf das BVB-Spiel, endlich wieder Derby", jubelt Kawohl. Ihr ganzer Freundeskreis kommt aus Gelsenkirchen, umso mehr bedeutet ihnen dieser Aufstieg. Wie geht's nun in dieser Party-Nacht weiter? Arlind Bytyqi fällt direkt eines ein: "Wir werden jetzt nur noch weinen - vor Freude."
Schalke-Fans feiern in der Innenstadt von Gelsenkirchen-Buer
Auf der Straße ein paar Meter weiter startet dann der erste kleine Autokorso. Am Straßenrand stehen mehrere hundert Fans, einige rütteln mehrmals vor Freude an den haltenden und hupenden Autos. Einige Mitfahrer recken Schals aus dem Fenster.
Um diese Atmosphäre hier mitzuerleben, haben sich Robin Skowronek, Rick Urmersbach und einige ihrer Vereinskollegen von Schwarz-Weiß Bülse direkt nach Abpfiff ins Taxi gesetzt. Mit rund 150 Menschen aus dem Verein hatten sie das Spiel auf der Sportanlage im Fernsehen verfolgt.
Robin Skowronek (links) jubelt mit Vereinskollege Rick Urmersbach (Mitte)
Jetzt schwärmen sie von der großartigen Stimmung an einem der Schalker Party-Hotspots der Stadt: "Wenn Schalke aufsteigt, ist das eine Nummer, die gibt es nirgendwo sonst in der Form. Das ist einzigartig auf der Welt", sagt Skowronek und stellt fest: "So einen Zusammenhalt, so eine Atmosphäre erlebt man nirgendwo anders."
Und dann kündigt Teamkollege Urmersbach das Motto für die Nacht an: "Jetzt gibt's richtig Kette." Es dürfte eine lange Aufstiegs-Party in Gelsenkirchen werden.
Schalke feiert den Aufstieg | WDR aktuell
WDR. 02:02 Min.. Verfügbar bis 03.05.2028.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräche mit Schalke-Fans
- Gespräch mit Ulf Timmermann, Inhaber der "Friesenstube"
- Gespräch mit Roy Heiligert, Betreiber der Kneipe "Bosch"
Sendung: WDR.de, Schalke-Fans feiern den Aufstieg, 03.05.2026, 12:15 Uhr
