EIn Astronaut während eines Außeneinsatzes im All

Raumfahrt in NRW Wie NRW-Unternehmen am Raumfahrt-Boom mitverdienen

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Neue Werkstoffe, smarte Navigationssysteme und Astronauten-Trainings: Die Landesregierung NRW sieht die Raumfahrt als wichtigen Forschungs- und Wirtschaftsfaktor für Nordrhein-Westfalen. Das Potenzial ist groß. Doch der Markt ist hart umkämpft.

Von Katja Scherer

Es ist der größte Börsengang der Geschichte: Elon Musks Raumfahrtfirma SpaceX verkauft Anteile an private Anleger. Das Unternehmen verlangt 135 US-Dollar pro Aktie und sieht den eigenen Firmenwert bei 1,75 Billionen US-Dollar.

Viele Analysten halten diesen Ausgabepreis für überzogen. Der Börsengang zeigt aber dennoch, wie relevant die Raumfahrt in jüngster Zeit geworden ist: Der Wettlauf um Satelliten im All und Flüge zum Mond hat weltweit einen riesigen Markt geschaffen. Davon sollen auch Firmen in NRW profitieren.

Raumfahrtmesse ILA als Werbeplattform

Die Landesregierung sieht die Raumfahrt als wichtigen Forschungs- und Wirtschaftsfaktor für NRW. Sie ist daher in diesem Jahr prominent auf der heute gestarteten Luft und Raumfahrtmesse (ILA) vertreten. Das Branchen-Netzwerk AeroSpace.NRW präsentiert dort Akteure aus der NRW-Raumfahrtindustrie. Das Netzwerk wurde 2021 von der Landesregierung gegründet, um Wirtschaft, Wissenschaft und Politik enger zu vernetzten und die Raumfahrt in NRW zu stärken.

Mit dabei auf der ILA ist unter anderem die Firma Alders Electronics aus Kempen im Kreis Viersen. Sie stellt elektromechanische Bauteile für die Luft- und Raumfahrt her. Vertreten ist auch das Unternehmen Hebmüller Aerospace aus Kaarst im Kreis Neuss. Dessen Stärken sind unter anderem Ventile für Toiletten und Bordküchen für die Raumfahrt.

Raumfahrt-Industrie: "Viele Unternehmen in NRW"

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.05.2026 06:30 Min. Verfügbar bis 27.05.2027 WDR 5

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Standort mit guten Voraussetzungen

Insgesamt hat NRW gute Voraussetzungen als Standort für die Raumfahrtindustrie. Das gilt insbesondere für die Stadt Köln. Dort ist der Hauptsitz des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), einem der führenden europäischen Forschungsinstitute in der Branche. Das DLR ist in NRW an insgesamt sechs Standorten vertreten: neben dem Kölner Hauptsitz auch in Aachen, Bonn, Jülich, Sankt Augustin und Rheinbach im Rhein-Sieg-Kreis.

Eine weitere Stärke des Standorts ist das Europäische Astronautenzentrum der Europäischen Weltraumorganisation in Köln. Dort findet die Auswahl und das vorbereitende Training von europäischen Astronautinnen und Astronauten statt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Europäische Weltraumorganisation haben 2024 das Mondtrainingszentrum 'Luna' eröffnet: eine Trainingsanlage, in der Raumfahrer Bedingung fast wie auf dem Mond vorfinden – inklusive Schwerelosigkeit und Mondstaub.

Astronaut im Luna Analog Facility Trainingszentrum für Mondmissionen

Nähe zur Forschung bietet Chancen

Diese geografische Nähe zu wichtigen Forschungseinrichtungen bietet Chancen für Unternehmen. „Das Land hat sich als bedeutendes Luft- und Raumfahrtzentrum in Deutschland etabliert – mit über 50.000 Beschäftigten in 400 Unternehmen, darunter etwa 130 reine Raumfahrtunternehmen und Forschungseinrichtungen", betonte ESA-Generaldirektor Dr. Josef Aschbacher bei der ersten NRW Raumfahrtkonferenz "SpaceTech.NRW" vor rund einem Jahr.

Oft handelt es sich dabei um mittelständische Unternehmen wie die Firma KSA Kugelstrahlzentrum Aachen, die Bauteile für die europäische Trägerrakete Ariane 6 zuliefert. Trägerraketen sind Raumfahrzeuge, die Satelliten, Raumschiffe und Sonden in den Weltraum befördern. Die Firma Otto Fuchs aus Meinerzhagen im Sauerland hat die Brennkammern für die Ariane 5, also das Vorgängermodell der Ariane 6, geliefert.

Raumfahrtkonferenz SpaceTech.NRW in Köln - 30.04.2025 Keynote von NRW Ministerpräsident Hendrik WÜST CDU - Die erste SpaceTech.NRW-Raumfahrtkonferenz findet in Köln statt. Organisiert wird die Veranstaltung von der Landesregierung mit der ESA und dem DLR.

Was NRW fehlt: Prominente Flaggschiffe

Ähnlich wie im Automobilbau ist NRW also vor allem als Zulieferstandort erfolgreich. Was dem Standort dagegen bisher fehlt, sind prominente Namen. Die braucht es, um einen Raumfahrtstandort bundes- und europaweit publik machen. Solche Unternehmen gibt es zum Beispiel in Bayern. Dort sitzt das Start-up Isar Aerospace, das Raketen in Serie produzieren will. Das Unternehmen gilt als eines der vielversprechendsten Newcomer der deutschen Raumfahrt und gerade erst eine weitere Finanzierungsrunde in Höhe von 270 Millionen Euro bekannt gegeben.

Ebenfalls in Bayern sitzen das Startup Rocket Factory Augsburg, das Trägerraketen entwickelt und das Startup OroraTech, das sich auf Satellitentechnik spezialisiert hat. Zufall ist das nicht: Die bayrische Landesregierung hat das Potenzial der Raumfahrt früh erkannt. Ministerpräsident Markus Söder stellte schon 2018, zu Beginn seiner Amtszeit, eine erste Raumfahrtstrategie für sein Bundesland vor.

Spacehub Cologne als Innovationsmotor?

Das zeigt: Der Markt ist hart umkämpft. Doch die hiesige Landesregierung sieht NRW gut aufgestellt. "Raumfahrt entsteht heute an den Schnittstellen zu Maschinenbau, Künstlicher Intelligenz und Quantentechnologien. Genau hier haben wir besondere Stärken", sagte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst Mitte Mai bei einem Industrietag Raumfahrt in Köln. Ziel der Landesregierung ist es nun, diese Stärken noch besser zu nutzen und zu kombinieren.

KI-generiertes Bild eines Satelliten mit Messtechnik

KI-generierte Visualisierung eines Kleinsatelliten mit AtmOCube-Messinstrument

Hoffnung setzt das Land NRW auf den sogenannten GovSatCom-Hub, der in Köln entsteht. Hinter diesem kryptischen Namen verbirgt sich ein Projekt von EU-Kommission, Bund, NRW und DLR. Ziel ist, eine hochsichere Kommunikationsinfrastruktur zu entwickeln. Damit Behörden und der Katastrophenschutz auch in Krisensituationen zuverlässig kommunizieren können. Auf einem neuen Campus, dem Spacehub Cologne, sollen sich auch Firmen und Startups ansiedeln. Das könnte die Innnovationen weiter stärken.

Unsere Quellen:

  • AeroSpace.NRW
  • Landesregierung NRW
  • Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt
  • Europäischen Weltraumorganisation
  • Isar Aerospace
  • Nachrichtenagenturen zum Börsengang von SpaceX

Sendung: WDR.de, WDR5 Wirtschaftsmagazin 10.06.2026, ab 13:35 Uhr

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