Service Computer : Unplug USA? Welche Alternativen haben wir zu WhatsApp, Google & Co.?
Es gibt einen neuen Hashtag, der im Moment in vielen Social Media-Plattformen trendet: #UnplugTrump. Gemeint damit ist, sich als Europäerin und Europäer unabhängig von amerikanischen (Tech-)Unternehmen zu machen. Ist das realistisch? Wie abhängig sind wir von den USA? Gibt es Alternativen zu den US-Geräten, -Apps und -Internet-Plattformen?
Wo steckt überall USA drin?
Praktisch alle erfolgreichen Social-Media-Plattformen haben ihre Heimat in den USA: Instagram, Facebook, X, Pinterest, Youtube. Wenn die Firmen die Nutzenden in Europa oder einzelnen Ländern ausschließen wollen oder müssen, dann wäre das ohne Probleme von heute auf morgen möglich. Denn: auf all diesen Plattformen sind wir eigentlich nicht die Nutzerinnen und Nutzer, wir sind das Produkt, mit dem die Firmen Geld verdienen. Wenn die US-Regierung sagen würde: Wer in Europa wohnt, darf die nicht mehr nutzen, dann müssten und würden die Betreiber das umsetzen: Der Log-In würde plötzlich nicht mehr funktionieren, wir kämen nicht mehr in die Systeme hinein.
Und die Smartphones und Laptops?
iPhone, Android-Smartphone, Windows-Laptop, Macbook - die allermeisten Geräte verwenden Software, die aus den USA kommt. Die Geräte würden nicht sofort lahmgelegt, aber: es würde z. B. keine Updates mehr geben. Wir würden in die Benutzerkonten nicht mehr reinkommen, um Apps zu laden. Hersteller wie Apple haben die technische Möglichkeit, einzelne Apps aus der Ferne lahmzulegen („Killswitch“). Diese Möglichkeit wurde bisher aber nur äußerst selten angewandt, ist aber technisch möglich.
Auch die Nutzung von WhatsApp könnte ja theoretisch für uns in der EU blockiert werden, oder?
Das wäre bei beiden großen Messenger WhatsApp, Signal möglich. Beide Dienste laufen über Server in den USA, da könnte die Verbindung blockiert werden. Denkbar wäre auch ein Szenario, bei dem die EU aus Sicht der Betreiber zu stark reguliert. Eine Reaktion der Betreiber könnte dann das Einschränken oder Blockieren von EU-Nutzern sein. Aber auch Amazon, Audible, ChatGPT - das alles sind US-basierte Unternehmen. Wenn es hart auf hart kommt, müssen und werden diese Trump gehorchen müssen.
Aber noch ist das alles Spekulation, oder?
Es wird darüber geredet, aber es ist im Moment eher ein bisschen Säbelrasseln. Wobei es aber auch eine Art Weckruf für viele Menschen ist, sich unter dem Hashtag #unplugTrump Gedanken über Alternativen zu machen. Und das kann ja auch ganz unabhängig von der aktuellen weltpolitischen Situation vielleicht ein positiver Impuls in die Richtung sein, dass Europa digital unabhängiger von den USA wird.
Welche Alternativen gibt es?
Für uns in Deutschland ist eins der größten Themen sicher WhatsApp. Darüber läuft ja sehr viel an täglicher Kommunikation. Groß geworden ist es, weil es so bequem und vor allem weil es umsonst ist. Mögliche Alternative: Threema, eine Messenger-App aus der Schweiz. Statt X kann man Mastodon nutzen, statt Instagram Pixelfed. Eine leistungsfähige europäische Suchmaschine, die keine Daten sammelt ist QWANT.
Und bei den Smartphones?
Im Moment gibt es mindestens zwei Hersteller, die in der EU sitzen: Fairphone in den Niederlanden und Shiftphone im Schwarzwald. Die Geräte wurden in der EU entwickelt und werden unter fairen Bedingungen in China hergestellt. Sie sind leicht reparierbar (z. B. kann man den Akku selber rausnehmen und wechseln). Und beide kann man mit einem Betriebssysstem kaufen, das aus Frankreich kommt: e-OS von der französischen Firma Murena. Das basiert auf einer Open-Source-Version von Android: Die Entwickler können in den Programmcode hineinsehen und genu prüfen, sehen, was das System macht. Mit so einem Gerät wäre man unabhängig von Google. Auch Apps kann man installieren.
Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese
Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.