Eine Frau hält ein Smartphone und einen Personalausweis in den Händen, um am Video-Ident-Verfahren teilzunehmen.

Service Computer Online-Identifikation mit dem Personalausweis – wie gut klappt das?

Schon seit 2010 steckt in jedem Personalausweis ein Chip. Dieser Chip kann Daten speichern und diese Daten auch drahtlos übertragen. Theoretisch kann sich damit jede und jeder von uns im Internet digital ausweisen. Tatsächlich nutzen aber nur wenige diese Funktion.

Woran liegt es, dass sich die Funktion noch nicht wirklich durchgesetzt hat?

Wahrscheinlich sind mehrere Gründe dafür verantwortlich. In einer repräsentativen Umfrage gaben die Befragten an: Die Funktion sei wenig benutzerfreundlich, sehr komplex und habe vergleichsweise wenig Nutzen. Ende 2024 hatten gerade einmal knapp 35 Prozent der Befragten die Funktion aktiviert.

Was genau kann man denn alles damit machen?

Die Online-Ausweisfunktion lässt sich einsetzen z. B. bei Behörden wie dem Finanzamt ("Elster"), Rentenversicherungsträgern (z. B. beim Rentenantrag, oder einer Rentenauskunft), Stadt- oder Kreisverwaltungen (z. B. Zulassung von Autos), Krankenkassen (z. B. im Zusammenhang mit der elektronischen Patientenakte), Mobilfunk-Anbietern (z. B. wenn man eine SIM-Karte fürs Handy aktivieren will). Oft läuft die Identifikation auch über die sogenannte BundID-Seite, die dann die Prüfung des Online-Ausweises übernimmt.

Wie einfach ist die Nutzung?

In der Praxis ist es nach wie vor ein wenig sperrig, den Personalausweis online zu nutzen. Das liegt auch daran, dass die Datenübertragung sicher sein muss. Die Funktion muss erstmal aktiviert werden. Dazu braucht man eine Transport-PIN, also eine Einmal-Geheimzahl, die man beim Bürger- oder Einwohnermeldeamt bekommen kann. Nötig ist außerdem die kostenlose "AusweisApp2". Und die gehört nicht unbedingt zu den am besten bedienbaren Apps. Man muss dort auch eine neue PIN vergeben, die später immer dann eingetippt werden eingeben muss, wenn man Daten aus dem Ausweis lesen und übertragen will.

Wie läuft ein Ausweis-Vorgang ab?

Der RFID-Chip im Personalausweis (RFID: Radio Frequency Identification) kann Daten über eine sehr kurze Distanz übertragen. Das ist dieselbe Technik wie z. B. beim Bezahlen mit der Bankkarte im Supermarkt. Als Karten-Lesegerät dient hier das Smartphone: Personalausweis an die obere Rückseite des Handys halten. Das Auslesen der Daten funktioniert aber nur mit der AusweisApp2 und auch nur nachdem man die vorher vergebene PIN eingetippt hat – zur Sicherheit. Ohne die App passiert gar nichts.

Wie gut funktioniert das alles in der Praxis?

Es gab in unseren Tests immer wieder die Situation, dass die Daten nicht auf Anhieb gelesen werden, manchmal musste man es zwei Mal machen, bevor es klappte. Aber: Man will etwas erledigen, denn man spart sich den Weg zur Behörde, zur Krankenkasse etc. Deshalb nimmt man Unzulänglichkeiten in Kauf. Wenn man es ein Mal gemacht hat, dann klappt es beim nächsten Mal besser, weil man dann schon weiß, worauf man achten muss.

Geht das eigentlich auch am Laptop oder am PC?

Die AusweisApp2 gibt es auch für Windows und macOS. Aber: Das Lesegerät bleibt auch dann das Smartphone. Das heißt: Die Apps müssen beide geöffnet sein – also z. B. auf dem Laptop und auf dem Smartphone. Und dann kommunizieren die beiden Apps untereinander, wenn alles gut geht. Wer da allerdings technisch zwei linke Hände hat, der braucht starke Nerven, denn das funktionierte bei unseren Tests nicht immer ohne Probleme.

Autor: Michael Stein
Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Online-Identifikation mit dem Personalausweis

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 07.04.2026 06:45 Min. Verfügbar bis 07.04.2027 WDR 5


Download

Weitere Themen

Musik streamen oder selber besitzen?

Während viele Menschen Musik nur noch digital über ihr Handy streamen, ist die alte analoge Vinyl-Schallplatte oder auch die CD wieder zurück. Und das hat nicht nur mit sentimentalen Gefühlen und der Erinnerung an die Vergangenheit zu tun.  |  mehr

Wie nutze ich ARD Sounds?

Alles in einer: Was die Landesrundfunkanstalten mit ihren mehr als 40 Hörfunkprogrammen zu bieten haben, findet sich nun auf einer neuen Plattform: ARD Sounds.  |  mehr

Was man besser nicht mit KI machen sollte

KI ist für viele längst Alltag, ob als Recherchetool, Texter oder Bildgenerator. Doch wo liegen die Grenzen? Michael Stein erklärt Bereiche, in denen wir künstliche Intelligenz besser nicht einsetzen sollten.  |  mehr

Passwörter: Besser kompliziert oder doch lieber leicht zu merken?

Man sagt, ein Passwort muss kompliziert sein, damit es Hacker möglichst nicht knacken können. Aber: Stimmt das wirklich?  |  mehr

Sexualisierte KI-Deepfakes in sozialen Netzwerken

Ein beim Kurznachrichtendienst X eingebauter KI-Chatbot kann von ganz normalen Fotos sexualisierte oder sogar pornografische Deepfake-Versionen generieren. Wie damit umgehen?  |  mehr