Passwörter auf einer Tastatur

Service Computer Passwörter: Besser kompliziert oder doch lieber leicht zu merken?

Man sagt, ein Passwort muss kompliziert sein, damit es Hacker möglichst nicht knacken können. Aber: Stimmt das wirklich? Wenn ein Passwort aus vielen verschiedenen Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen besteht, kann man sich das nicht mehr merken. Man braucht dann unbedingt einen Passwort-Manager. Genau das kann in vielen Situationen aber eher hinderlich sein.

Welche Situationen können das sein?

Ein paar Beispiele: Ich will mich auf einem Laptop in mein Bankkonto, in meinen Bezahldienst- oder Online-Kaufhaus-Account einloggen, weil ich etwas nachsehen oder bezahlen will. Oder ich bin bei Freunden und wir wollen einen Film ansehen, den ich bei einem Online-Videodienst schon gekauft habe – dazu muss ich mich mit meiner Benutzerkennung und meinem Passwort anmelden. Oder auch: Mein Handy fragt mich plötzlich nach dem Passwort für mein Google- oder Apple-Benutzerkonto. Das kommt aus Sicherheitsgründen immer wieder einmal vor. Schwierigste Situation: Ich verliere mein Handy oder es wird mir geklaut.

Aber dann kann ich mit dem Passwort doch auch nichts mehr anfangen, oder?

Sowohl iPhones als auch Android-Geräte lassen sich lokalisieren. Die Funktion bei Android: "Mein Gerät finden", beim iPhone: "Wo ist?". Diese Funktion kann man auch auf einem anderen Laptop, Smartphone oder Tablet aufrufen. Dazu loggt man sich mit Benutzernamen und Passwort ein und bekommt den letzten Standort des verlorenen oder geklauten Gerätes angezeigt. Dann kann man das Gerät sperren, die Daten aus der Ferne löschen oder eben das Gerät wieder finden.

Für all das braucht man aber das Passwort. Wenn man das nicht auswendig kennt, kann man die Funktion nicht nutzen. Bei Diebstahl: Je schneller man reagieren kann, desto größer die Chance, dass man sein Gerät wieder bekommt.

Aber warum bekommen wir immer wieder empfohlen, möglichst komplizierte Passwörter zu nutzen?

Unter anderem die Hersteller von Passwort-Manager-Apps empfehlen das, damit man ihre Software kauft und nutzt. Mit der Passwort-Manager-App wird ein kompliziertes Passwort generiert und gleich dort gespeichert. Über einen Cloud-Dienst kann man es außerdem auch noch mit anderen eigenen Geräten synchronisieren, damit man immer alle Passwörter auf allen seinen Geräten hat. Das alles funktioniert auch in aller Regel gut und sicher.

Was tatsächlich aber mit "kompliziert" bei Passwörtern gemeint ist: Man soll nichts benutzen, das ein Hacker mit Hilfe einer Software im Handumdrehen knacken kann. Also: Keine aufeinander folgenden Zahlen wie 12345, keine Namen oder Ortsnamen. Am besten ist ein Passwort, das möglichst für Fremde keinen Sinn ergibt. Man sollte es vor allem nicht erraten können. Und: Es sollten Zeichen, Zahlen und Buchstaben vorkommen.

Wie denke ich mir also gute Passwörter aus?

Wichtig ist: Für jeden Dienst, für jedes Benutzerkonto braucht man ein eigenes Passwort. Eine Strategie dabei: Ein zweiteiliges Passwort. Dabei bleibt ein Teil immer gleich. Diesen Teil merke ich mir, den schreibe ich nirgendwo auf. Der zweite Teil ist für jedes Benutzerkonto anders – und nur den schreibe ich mir auf, vielleicht sogar auf einen Zettel, den ich im Geldbeutel habe. Beide Teile verbinde ich z. B. mit einem Schrägstrich oder einem Bindestrich.

Für den ersten Teil merke mir einen Satz, der nur für mich eine Bedeutung hat. Dann nehme ich nur die Anfangsbuchstaben und setze an den Anfang eine Ziffer und ans Ende ein Sonderzeichen. Beispiel: In diesem Winter hat es bei uns sehr viel geschneit. Der erstenTeil des Passworts könnte dann lauten: (IdWhebusvg12. Nur diesen Passwort-Teil präge ich mir ein, wobei mir der Satz dabei hilft.

Den für jedes Benutzerkonto anderen, zweiten Teil kann ich dann ja beliebig kompliziert machen, der steht ja auf meinem Zettel. Und selbst wenn jemand meinen Zettel findet, kann er damit nichts anfangen. Denn: Es fehlt ja noch der erste Teil, den nur ich kenne.

Autor: Michael Stein

Redaktion: Jan Friese

Service Computer ist eine Rubrik in der WDR 5 Sendung Neugier genügt und ist dort jeden ersten Dienstag im Monat zwischen 11.04 Uhr und 12.00 Uhr zu hören.

Service Computer - Wie kompliziert müssen Passwörter sein?

WDR 5 Neugier genügt - Freifläche 03.02.2026 07:33 Min. Verfügbar bis 03.02.2027 WDR 5


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