Allein zwischen 2015 und 2025 sei die Zahl der SB-Kassen, unter anderem in Supermärkten, Drogerieläden und Baumärkten, um über 3.000 Prozent gestiegen, heißt es vom Handelsforschungsinstitut EHI.
Von rund 710.000 Kassen im deutschen Einzelhandel sei damit inzwischen jede 18. eine Selbstbedienungskasse. Zwei Drittel der Geräte finden sich im Lebensmittelhandel.
Eine aktuelle Umfrage Marktforschungsinstituts Kantar kommt aber zu dem Ergebnis: Über zwei Drittel der Kunden bevorzugen nach wie vor klassische Kassen mit Kassier-Personal und Bargeld-Zahlung.
Ältere scheuen SB-Kassen mehr als Jüngere
Dabei gelte: Je älter die Kunden, desto geringer die Motivation an einer SB-Kasse zu bezahlen: 87 Prozent der über 55-Jährigen wollen lieber, dass eine Kassiererin ihre Waren scannt. Vielen sei der Umgang mit Menschen lieber als mit einer Maschine. Aber auch die Gewohnheit und die Bezahlung mit Bargeld gaben viele als Grund an, warum sie die SB-Kassen meiden.
Bei jüngeren Menschen zwischen 16 und 44 Jahren sieht das anders aus. Die nutzen laut der Umfrage inzwischen immer mehr die SB-Kassen. Vor allem wegen kürzerer Warteschlangen und weil sie ihr eigenes Tempo bestimmen könnten.
Unterschied: Stadt und Land
Was die Akzeptanz von SB-Kassen angeht, gibt es laut dem Düsseldorfer Handelsforscher Stephan Rüschen auch einen messbaren Unterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung: "In der Stadt werden solche SB-Kassen deutlich mehr genutzt, als wir es auf dem Land sehen." Rüschen macht den rasanten Aufstieg von SB-Kassen vor allem an drei Punkten fest:
- Der Handel hat es immer schwerer Mitarbeiter zu finden
- Eine SB-Kasse ist - im Gegensatz zu Mitarbeitern - die ganze Zeit während der Öffnungszeiten verfügbar
- Es gibt immer mehr Kunden, die diese SB-Kassen nutzen, vor allem bei kleineren Einkäufen
Andere Länder sind bei SB-Kassen weiter
Dass der Trend zu mehr mehr SB-Kassen bald nachlässt, glauben Experten nicht. Im Gegenteil: In den Niederlanden und in England seien schon deutlich mehr SB-Kassen im Einzelhandel installiert als in Deutschland, sagt Professor Stephan Rüschen.
IKEA ist der erste große Einzelhändler in Deutschland, der inzwischen komplett auf klassische Kassen mit Personal verzichtet. Sowohl das Handelsforschungsinstituts EHI als auch Rüschen glauben, dass der exponentielle Anstieg an SB-Kassen erstmal so weitergehen wird.
Mehr SB-Kassen heißt auch mehr Diebstähle
Dieser Trend hat aber auch eine negative Seite: Ladendiebstähle haben laut EHI in den vergangenen Jahren branchenübergreifend zugenommen. Sowohl, was die Menge der geklauten Sachen angeht, als auch deren Wert. Das Institut sieht darin einen Zusammenhang zwischen der zunehmenden Verbreitung SB-Kassen und dem gestiegenen Diebstahlrisiko.
Viele Unternehmen würden aber mehr und mehr daran arbeiten, dieses Risiko zu minimieren. Unter anderem, indem sie Ausgangsschleusen, Kameraüberwachung und KI-Systeme zur Verhaltens- und Produkterkennung installieren. Diese Investitionen würden die Verbreitung von Self-Checkout-Möglichkeiten nicht hemmen. Einen Rückbau dieser Systeme werde es wohl kaum geben, so EHI.
Fazit
Auch wenn die Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar unter 1.000 Menschen ergeben hat, dass vor allem Kunden über 55 Jahren die SB-Kassen im Einzelhandel lieber meiden, wird das vermutlich den Boom der Self-Checkout-Alternativen nicht stoppen. Im Gegenteil, denn auch der Fachkräftemangel wird im Einzelhandel in den nächsten Jahren wohl weiter zunehmen.
Unternehmen brauchen also Alternativen. Außerdem werden SB-Kassen immer intelligenter: Manche erkennen inzwischen, welches Produkt man auf ihnen platziert, wiegen es und rechnen den korrekten Preis ab. Das Möbelhaus IKEA wagt seit kurzem als erster großer Händler in Deutschland den Sprung, komplett auf klassische Kassen zu verzichten.
Unsere Quellen:
- DPA-Artikel zu SB-Kassen
- Interview mit Handelsforscher Prof. Dr. Stephan Rüschen
- Self-Checkout-Initiative vom EHI Real Institute
- Einschätzung des WDR-Reporters
Sendung: WDR2-Mittagsmagazin, 16.06.2026, 14:10 Uhr