Aktionstag "Kollege Hund" | WDR aktuell

WDR 02:09 Min. Verfügbar bis 11.06.2028

Aktionstag für Bürohunde Wie der Arbeitsalltag mit Hund funktionieren kann

Stand:

Wann darf ein Hund ins Büro? Was tun bei Angst vor Hunden? Wie wirken sich Tiere auf den Arbeitsalltag aus? Fragen und Antworten.

Wenn Kerstin Passmann ins Büro kommt, ist ihr Hund Nelly immer mit dabei - und nicht alleine: Sieben bis acht Hunde kommen beim Schraubenhersteller Schriever mit zur Arbeit. "Ich genieße das total", sagt Passmann. "Ich muss mir keine Gedanken machen, wie ich den Hund versorge und für die Stimmung ist es auch schön."

Bürohunde unter dem Tisch bei einer Besprechung

Jan Schriever und Kerstin Passmann samt Hunden im Büro.

Hundefreundlichkeit ist hier seit rund 25 Jahren Teil der Firmenkultur. Und das ist laut Chef Jan Schriever auch eine Vorraussetzung damit es klappt: "Das muss zur Firma passen", so Schriever, der selbst gleich drei Hunde mit zur Arbeit bringt.

Wenn es passt, dann sei das toll für die Atmosphäre. Wenn zu viele Mitarbeiter Angst vor Hunden haben, allergisch sind oder den Geruch nicht mögen - dann mache es natürlich keinen Sinn.

Aktionstag "Kollege Hund"

Hund im Büro

Hunde im Büro müssen entsprechend sozialisiert sein.

Der Deutsche Tierschutzbund will heute mit einem Aktionstag mehr Unternehmen ermutigen, das mit den Hunden am Arbeitsplatz mal auszuprobieren. Die Tierschützer argumentieren: Das hilft Tieren und Menschen gleichermaßen. Die Hunde müssen nicht mehr stundenlang alleine sein und sie verbessern die Stimmung am Arbeitsplatz.

Aber: Nicht für alle ist ein Hund am Arbeitsplatz eine schöne Vorstellung. Vielleicht würden sie auch lieber ihre Katze als einen Hund mitbringen. Wer welche Tiere mitbringen darf und warum noch lange nicht alle ihre Hunde mitbringen dürfen, nur weil einer darf: Die wichtigsten Fragen rund um Bürohunde.

Prof. Dr. Friedrich Meyer

Arbeitsrechtler Prof. Dr. Friedrich Meyer

Das liegt in der Hand des Arbeitgebers - der darf entscheiden, ob er Hunde am Arbeitsplatz duldet oder eben nicht. Ein Recht auf einen Hund am Arbeitsplatz gibt es nur, wenn es "bestimmte zwingende Gründe seitens des Arbeitnehmers gibt", erklärt Friedrich Meyer, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Paderborn. Das könne zum Beispiel bei Blindenhunden der Fall sein.

Selbst wenn bereits einzelne Hunde in einer Firma erlaubt wurden, heißt das nicht, dass jeder seinen Hund mitbringen darf. Der Gleichbehandlungsgrundsatz greife erst ab einem bestimmten Anteil. "Wenn ich zum Beispiel 100 Arbeitnehmer habe und ich würde es davon 30 erlauben, dann darf ich beim 31sten nicht sagen, du darfst es nicht", so Meyer.

Porträt von Gail, Bürohund von Jan Schriever

Einer der Hunde des Chefs Jan Schriever.

Nein, der Hund muss in der Lage sein, sich entsprechend zu verhalten. Auch bei Firma Schriever darf nicht jeder Hund automatisch ins Büro: "Wenn ein Mitarbeiter den Wunsch hat, besprechen wir, wie das funktionieren könnte", so Schriever, dann folge eine Probezeit. "Und wenn das klappt, dann haben wir einen neuen Bürohund."

Es habe auch schon Hunde gegeben, die am Ende nicht ins Büro durften, weil sie zum Beispiel zu unruhig sind oder andere Hunde wegbellen. Die Mitarbeiter hätten das dann auch akzeptiert. "Das war dann auch Stress für die Mitarbeiter selbst", so Schriever. Ganz zu ist die Tür dann aber nicht: "Die Hunde können nachgeschult werden."

Schlechtes Hundeverhalten wäre auch ein rechtlicher Grund gegen einen Hund: Ständiges Bellen, Anspringen oder gar Beißen, "das wäre ein sachlicher Grund für eine Ungleichbehandlung", so Anwalt Meyer. Der Hund kann also auch dann verboten werden, wenn andere Hunde im Büro erlaubt sind.

Viel, betonen vor allem die Fans von Bürohunden. Und können auf eine ganze Reihe von Studien verweisen. Drei Forscherinnen der Purdue University in Indiana haben die bestehenden Studien ausgewertet: Alle stellen positive Effekte fest. Besonders häufig wird ein geringeres Stresslevel festgestellt, vor allem für die Besitzer der Hunde, aber auch für die Kollegen.

Andere positive Effekte sind mehr sozialer Austausch, positivere Gefühle in Bezug auf den Arbeitsplatz und die Arbeit, höhere Motivation sowie bessere Leistung. Jan Schriever sieht auch noch einen Vorteil beim Kampf um Fachkräfte: "Wer seinen Hund mitbringen kann, ist glücklich, hat eine positive Bindung zur Firma und ist nicht so schnell wechselwillig", so Schriever.

Nicht jeder mag Hunde - und neben den rechtlich bindenden Gründen wie Allergien und Angst kann auch das gegen Bürohunde sprechen. Außerdem machen viele Hunde Dreck oder können sogar Dinge beschädigen.

Außerdem haben Hunde in bestimmten Räumen nichts zu suchen, zum Beispiel in Küchen, Toiletten oder Bereichen von Kantinen. Und es ist auch nicht jeder Arbeitsplatz geeignet für Hunde, etwa in Produktionsbereichen. Da macht sich auch Schriever nichts vor: "In der Fertigung ist es schwieriger als in der Verwaltung."

Und: Neben den positiven finden einige Studien auch negative Effekte, wie Ablenkung der Angestellten.

Bevor Hunde in einem Büro erlaubt werden, sollte das natürlich im Betrieb besprochen werden - und alle betroffenen Kolleginnen und Kollegen sollten zustimmen. Wenn es einen Betriebsrat gibt, muss es mit diesem vereinbart werden.

Ansonsten gilt im Härtefall die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber seinen Mitarbeitern, wenn die zum Beispiel Angst vor Hunden oder eine Allergie haben. "Dann müsste der Arbeitgeber für einen hundefreien Arbeitsplatz sorgen", so Arbeitsrechtler Meyer. Diese Gründe müssen aber gegenüber dem Arbeitgeber belegt werden.

Um Konflikte zu vermeiden, empfiehlt der Tierschutzbund klare Regeln, die konsequent verfolgt werden. "Sorgen Sie dafür, dass der Arbeitsbetrieb durch Ihren Hund nicht gestört wird", heißt es in einem Leitfaden.

Grundsätzlich gelten für alle Tiere die gleichen Regeln: Es liegt am Arbeitgeber, sie zu erlauben. Und wenn Hunde für viele Mitarbeiter erlaubt sind (nicht nur für einzelne), dann müsste der Arbeitgeber sachlich begründen, warum andere Tiere nicht erlaubt sind, sagt Meyer.

Allerdings sprechen viele Eigenschaften für Hunde, die andere Tiere nicht mitbringen - insbesondere, dass sie gut erziehbar sind. Außerdem ruhen sie 12 bis 18 Stunden des Tages, verbringen also die meiste Zeit im Büro schlafend oder dösend. Damit das gut - und auch für den Hund stressfrei - funktioniert, ist laut Tierschutzbund ein guter Rückzugsort entscheidend.

Unsere Quellen:

  • Deutscher Tierschutzbund
  • Interview mit Jan Schriever und Kerstin Passmann, Firma Schriever
  • Interview mit Prof. Dr. Friedrich Meyer, Kanzlei Meyer Arbeitsrecht
  • Studie "Positive, Negative, and Neutral Outcomes of Pets in the Workplace: A Systematic Review", Anthrozoös 2025

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 11.06.2025, 12:45 Uhr

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