Drei Hipp-Babykostgläschen stehen auf einem Tisch

Gift in Hipp-Gläschen Worauf sollten Eltern bei Babynahrung nun achten?

Stand:

Rattengift in Hipp-Babynahrung nachgewiesen: Manipulierte Gläser wurden in Österreich, Tschechien und der Slowakei entdeckt. In Deutschland sind bisher keine Fälle bekannt. Worauf Eltern jetzt achten sollten.

Ein Unbekannter versucht, den Babykosthersteller Hipp zu erpressen. In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden laut Polizei bislang insgesamt fünf manipulierte Gläser entdeckt. Laboruntersuchungen haben ergeben, dass diese Rattengift enthalten haben. In Deutschland gibt es aktuell keine Hinweise auf manipulierte Produkte.

Rattengift in Hipp-Babynahrung: Was wissen wir über die Erpressung?

Details dringen nur Stück für Stück an die Öffentlichkeit. Hipp hatte die zurückhaltende Kommunikation damit begründet, dass die Sicherheitsbehörden umso ungestörter ermitteln könnten, je weniger nach außen dringe.

Klar ist: Bei Hipp hat sich mittlerweile ein Erpresser gemeldet. Den Inhalt der E-Mail und was konkret gefordert wurde, teilten weder Hersteller noch Polizei mit.

Inzwischen ist zumindest klar, wie viel Rattengift in dem betroffenen Gläschen in Österreich war: 15 Mikrogramm Rattengift - das teilte die zuständige Staatsanwaltschaft mit. Bei einer weiteren toxikologischen Untersuchung soll jetzt geklärt werden, wie sich diese Menge auf Babys oder Kleinkinder auswirkt.

Bei der Kriminalpolizei Ingolstadt wurde eine Ermittlungsgruppe namens "Glas" eingerichtet. Die Gruppe arbeite auf Hochtouren in Zusammenarbeit auch mit Behörden in den anderen betroffenen Ländern, hieß es. Hipp hat einen internen Krisenstab eingerichtet. 

Ein Hipp-Glas wird noch immer gesucht

In Österreich gab es einen Rückruf der betroffenen Hipp-Babynahrung aus dem Handel. Ziel ist es, mögliche Risiken schnell auszuschließen und weitere Fälle zu verhindern. Hipp hatte zu seinem Rückruf erklärt, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch Manipulation ein gefährlicher Stoff in die "Gemüsegläschen Karotte mit Kartoffel 190 Gramm" gemischt worden sei. Im österreichischen Burgenland wird ein Glas noch immer unter Hochdruck gesucht.

Ermittlungen laufen auch in Tschechien und der Slowakei. Auch diese Länder haben laut Unternehmenssprecher Clemens Preysing vorsorglich alle Hipp-Gläschen aus dem Verkauf genommen. Er sprach von einem "externen kriminellen Eingriff." Der Vorfall stehe in keinem Zusammenhang mit Produktqualität oder Herstellung, betonte er. Auch deutsche Behörden sind eingebunden.

Die Gläschen haben unser Hipp-Werk in einwandfreiem Zustand verlassen. Unternehmens-Statement

Ist Hipp-Babynahrung auch in Deutschland betroffen?

Für Deutschland gilt: Es gibt aktuell keine Hinweise auf manipulierte Gläser. Hier wird trotzdem ermittelt, auch weil der Hersteller Hipp seinen Verwaltungssitz in Bayern hat. Die Polizei tauscht sich mit den Behörden in den anderen Ländern aus. Die Ermittlungen werden international abgestimmt, weil der Fall mehrere Länder betrifft.

Hipp: Gift in Babynahrung

WDR 20.04.2026 02:01 Min. Verfügbar bis 19.04.2028 WDR Online

Download

Was kann ich tun, um mich vor vergifteter Babynahrung zu schützen?

Vor allem genau hinschauen:

  • Der Deckel muss unbeschädigt sein– und beim Öffnen muss es "ploppen". Fehlt dieses Geräusch oder wirkt der Verschluss verändert, sollte das Produkt nicht verwendet werden.
  • Auch bei ungewöhnlichem Geruch oder Aussehen gilt: lieber weg damit.
  • Im aktuellen Fall in Österreich sollen die manipulierten Gläser einen weißen Aufkleber mit rotem Ring am Glasboden haben.

Was tun bei Verdacht auf vergiftete Babynahrung mit Rattengift?

Bei Verdacht sollte das Produkt nicht probiert werden. Stattdessen empfiehlt es sich, die Polizei oder die Lebensmittelüberwachung zu informieren, damit mögliche Gefahren schnell geprüft werden können.

Zeigt ein Kind Symptome, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Bei schweren Beschwerden ist der Notruf sinnvoll. Wichtig: immer sagen, was genau gegessen wurde.

Wie gefährlich ist Rattengift in Babynahrung für Kinder?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnte auf Nachfrage des WDR: Rattengift kann für Säuglinge und Kleinkinder lebensbedrohlich sein. Je nach Stoff kann es zu Blutungen, Bewusstseinsproblemen oder Organschäden kommen.

Wie schwer eine Vergiftung verläuft, hängt von Menge und Wirkstoff ab. Entscheidend ist auch, wie schnell medizinisch reagiert wird.

Wie groß ist die Gefahr durch vergiftete Hipp-Babynahrung aktuell?

Nach aktuellem Stand gehen die Behörden von vereinzelten Fällen aus. In Österreich wird weiter nach möglicher manipulierter Ware gesucht. In Deutschland gibt es keine Hinweise auf betroffene Produkte. Dennoch gilt: aufmerksam bleiben und Lebensmittel im Zweifel genau prüfen.

Wie oft gibt es sogenannte Produkterpressungen?

Dazu gibt es keine handfesten Zahlen. Das liegt unter anderem daran, dass Unternehmen nicht alles zur Anzeige bringen und öffentlich machen. Für die Firmen ist ein Balanceakt zwischen Transparenz, Verbraucherschutz, mögliche unnötige Panikmache und der Abwendung eines wirtschaftlichen Schadens. Auch werden Produkterpressungen nicht gesondert in der Kriminalstatistik aufgeführt.

Eine Studie der Stüllenberg Stiftung für Kriminalprävention ging von 50 - 400 Fällen von Produkterpressungen in Deutschland pro Jahr aus. Es ist bislang die einzige Studie dazu, jedoch schon schon knapp 20 Jahre alt. Große Unternehmen sind im Schnitt eher betroffen als kleinere.

Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden für Unternehmen?

Auch hier gibt es keine verlässlichen Daten. Doch Experten wie die Stüllenberg Stiftung gehen von mindestens einem zweistelligen Millionenbetrag pro Fall aus. Der setzt sich aus mehreren Punkten zusammen: Da wäre zunächst die Summe, die erpresst wird.

Darüber hinaus ziehen Hersteller - wie Hipp jetzt auch - oft ihre Produkte aus dem Sortiment. Das ist ein Einnahmeverlust, aber führt auch zu zusätzlichen Kosten für z.B. Transport. Darüber hinaus gibt es in einigen Fällen auch einen Reputationsschaden. Assoziieren Kunden ein Produkt mit z.B. Gift, dann kommt es für eine Weile erstmal nicht in den Einkaufskorb.

Geschäftsführer Stefan Hipp hat jetzt gegenüber der österreichischen Zeitung "Die Presse" betont: Die Ereignisse der vergangenen Tage seien für ein mittelständisches Unternehmen wie Hipp existenzgefährdend. 

Wie können Unternehmen in solchen Fällen am besten reagieren?

Krisenmanagement fängt schon vor der Krise an. Vorbereitung ist das A und O. So raten Kommunikationsexperten betroffenen Firmen - egal welcher Branche - Krisenhotlines für solche Fälle schon vorher einzurichten oder auch Textbausteine für Pressetexte vorzuformulieren.

Um schnell agieren zu können und mich als Unternehmen nicht wegsperren zu müssen. Viele Unternehmen üben solche Prozesse auch in Trainings ein. Da werden in Simulationen Krisenfälle durchgespielt, um Schwachstellen des Unternehmens zu verbessern. Patrick Hacker, Experte für Krisenmanagement bei der Agentur komm.passion

Unsere Quellen

  • Nachrichtenagenturen dpa und AFP
  • Bundesinstitut für Risikobewertung
  • Verbraucherzentrale NRW
  • Stüllenberg Stiftung

Sendung: WDR2, Der Vormittag 10:10 Uhr, WDR 5 Tag Um 12 am 20.04.2026

Weitere Beiträge zum Thema Ratgeber

1 / 2