Langsamer und teurer?: E-Auto-Laden auf dem Land | Aktuelle Stunde

WDR 00:24 Min. Verfügbar bis 08.05.2028

WDR-Datenrecherche E-Auto-Laden auf dem Land oft teuer und langsam

Stand:

Wie gut man sein E-Auto günstig an einer öffentlichen Ladesäule laden kann, hängt stark davon ab, wo man in NRW wohnt. Gerade in ländlicheren Regionen ist die Infrastruktur schlechter. Und dort wo es Ladepunkte gibt, müssen Kunden oft höhere Preise zahlen. Das zeigt eine WDR-Datenanalyse.

Von
Jörn Kießler
Jörn Kießler
und Julian Budjan

Das Wichtigste in Kürze

  • Kaum schnelle Ladesäulen für E-Autos in ländlichen Regionen
  • Große Anbieter nutzen lokale Marktmacht um hohe Preise zu erheben
  • Findet mit unserer Vergleichstabelle die günstigsten Anbieter in eurer Kommune

Wer im Hochsauerlandkreis ein E-Auto fährt, muss das Laden gut planen. Günstige öffentliche Ladesäulen sind hier rar. Spontan und ohne höhere Kosten aufladen und nach einer halben Stunde weiterfahren - das ist hier kaum möglich. In einer Kommune fehlen Schnellladesäulen ganz. In Kommunen, in denen moderne Säulen stehen, liegen die Preise deutlich über dem marktüblichen. Günstig ist nur das Normalladen mit einer passenden Ladekarte - und das dauert in der Regel drei bis vier Stunden.

Eine WDR-Datenanalyse zeigt: Der Hochsauerlandkreis ist nur ein Beispiel von vielen. In zahlreichen ländlichen Regionen Nordrhein-Westfalens sind E-Autofahrer schlicht im Nachteil. Weil Schnellladen gar nicht, zu hohen Preisen oder nur mit einem Abo möglich ist. Und das hat auch mit der Marktmacht bestimmter Anbieter zu tun.

Hier geht es direkt zum Anbieter-Preisvergleich für euren Wohnort.

Preis-Vergleich von mehr als 200 Anbietern

Das Datenteam des WDR hat die Tarife von 216 Anbietern ausgewertet, die zusammen mehr als 40.000 Ladepunkte in NRW betreiben. An jeder Ladesäule gibt es häufig zwei, manchmal mehr Ladepunkte. Bereitgestellt wurden die Preise von Chargeprice, einer Vergleichsapp für E-Ladepreise. Dessen Daten nutzt auch die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur, die im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums die Aktivitäten zum Ausbau der Ladeinfrastruktur in Deutschland koordiniert und steuert.

Mithilfe der Informationen könne man "die Entwicklung der Preislandschaft im öffentlichen Laden nachvollziehen und fachlich einordnen", teilt sie auf Anfrage des WDR mit.

Das ist nicht ganz einfach. Denn für E-Autofahrer und Menschen, die über die Anschaffung nachdenken, breitet sich ein regelrechter Anbieter- und Tarifdschungel aus. Die Preise unterscheiden sich oft deutlich und sind nicht nachvollziehbar.

Kaum günstige E-Ladesäulen im ländlichen Raum

WDR 08.05.2026 00:51 Min. Verfügbar bis 07.05.2028 WDR Online

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E-Lademarkt wesentlich komplexer als Tankstellen-System

Neben den beiden Ladegeschwindigkeiten normal (22 bis 43 kW) und schnell (ab 50 kW) gibt es viele verschiedene Arten, um an den Säulen zu bezahlen. So erklärt es die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur:

"Neben dem sogenannten Ad-hoc-Laden, also dem spontanen Laden direkt beim Betreiber der Ladesäule, erfolgt der Großteil der Ladevorgänge in Deutschland über Ladekartenanbieter." Diese Anbieter ermöglichen den Zugang zu Ladepunkten vieler unterschiedlicher Betreiber und bilden dafür jeweils eigene Tarifmodelle. "Dadurch können an derselben Ladesäule je nach Ladekarte, Tarif, Grundgebühr, Betreiber und Roaming-Vereinbarung unterschiedliche Preise gelten."

Die nachfolgende Karte soll Orientierung zu den vier einfachsten Lademöglichkeiten bieten und zeigen, wo es die meisten Möglichkeiten gibt, günstig zu laden - ohne ein Abo abschließen zu müssen:

Mehr als zwei Millionen reine Elektro-Pkw sind dem Kraftfahrbundesamt zufolge in Deutschland zugelassen. Rund ein Drittel der Halterinnen und Halter verfügt laut der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur über keine private Lademöglichkeit. "Für 2030 wird je nach Szenario angenommen, dass der Anteil der E-Pkw ohne Heimlademöglichkeit auf bis zu 50 Prozent steigen kann", heißt es von der Leitstelle.

Ein E-Auto steht vor einem Privathaus und wird an einer Wallbox geladen.

Bislang werden zwei Drittel aller zugelassenen E-Autos privat geladen.

Dazu kommt, dass die Reichweiten der E-Fahrzeuge in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen haben. Genau wie ihre Akku-Kapazitäten und der damit verbundene Strombedarf. Um diesen auch unterwegs zu decken, werden vor allem moderne Schnellladesäulen benötigt.

E-Lademöglichkeiten im ländlichen NRW teilweise kaum vorhanden

Doch die sind nicht nur im Sauerland Mangelware. Auch in Teilen des Münsterlandes, Siegerlandes, Ostwestfalens, Lippe, in der Eifel und am Niederrhein gibt es teils benachbarte Kommunen und damit ganze Regionen, in denen es gar keine Schnellladesäulen gibt. Dort wo man sie findet, sind die Tarife teuer.

Die vereinzelten günstigen Schnellladesäulen, die es auch in ländlicheren Gebieten in NRW gibt, müssen sich viele E-Autofahrer teilen. Dazu kommt, dass diese sich häufig auf Supermarkt-Parkplätzen befinden. Die Nachfrage dürfte dementsprechend hoch, Wartezeiten vorprogrammiert sein.

Schnelles Spontanladen überall meist teuer

Besonders, wenn man spontan - also ohne die passende Karte des entsprechenden Anbieters - an die nächstbeste Säule fahren möchte, kann es teuer werden. Das gilt in zahlreichen ländlichen Gemeinden auch fürs Normalladen, wo mehr als 54 Cent pro Kilowattstunde fällig werden, während man in Großstädten wie Düsseldorf, Bonn, Köln oder Münster nur etwa die Hälfte zahlt. Mit der passenden Ladekarte ist Normalladen fast überall in NRW kostengünstig möglich.

Das Netz an Schnellladesäulen ist aber auch in den Großstädten nach wie vor recht dünn. An der Mehrheit der Ladestationen werden fürs schnelle Spontanladen überdurchschnittlich hohe Preise aufgerufen.

Das Netz soll in den nächsten Jahren vielerorts massiv ausgebaut werden. Das könnte die Schere zwischen Stadt und Land beim öffentlichen Laden weiter auseinander gehen lassen. In Düsseldorf etwa sollen bis 2030 Tausende neue Ladesäulen der Stadtwerke entstehen. Aktuell gilt auch in Düsseldorf und Köln selbst mit Ladekarte nur jeder dritte Schnellladepunkt als günstig. Günstig bedeutet: Ihr bezahlt weniger als in NRW an öffentlichen Säulen pro kWh im jeweiligen Ladetarif üblich ist.

Laut einem Aufsatz zweier Volkswirtschaftsprofessoren von der Leuphana-Universität in Lüneburg schafft das aktuelle System von Ladesäulen die Voraussetzungen dafür, dass einige Anbieter hohe Preise verlangen. "Im jetzigen System, das auf Wettbewerb zwischen den einzelnen Ladesäulen mit dem kombinierten Angebot 'Bezug von Ladestrom' und 'Bereitstellung der Ladesäule' beruht, könnten marktmächtige Ladesäulenbetreiber überhöhte Ladegebühren verlangen", heißt es in dem Beitrag über die Konkurrenz zwischen Ladeanbietern von Mats Kahl und Thomas Wein für die "Zeitschrift für Verkehrswissenschaft" Anfang 2025.

Allerdings heißt es darin auch, das diese Marktmacht im Laufe der Zeit abnehmen könnte - mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur. Anzeichen dafür gibt es laut einem Bericht des Branchenmagazins "Automobilwoche" bereits. Das Magazin hat Ladepreise ausgewertet, die der Datenanbieter Cirrantic zur Verfügung stellte. Diese zeigen demnach, dass die Ladeinfrastruktur in Deutschland deutlich schneller gewachsen ist als der Bestand an E-Autos. Die Folge: Die Betreiber von Ladesäulen konkurrieren stärker um ihre Kunden - die Preise beginnen zu sinken. Allerdings nur langsam.

Einige Anbieter nutzen ihre Marktmacht für hohe Preise

Denn die WDR-Auswertung zeigt, dass in Anbieter mit einer Vormachtstellung in NRW diese bei der Preisgestaltung noch immer ausnutzen. Der Anbieter Vaylens zum Beispiel ist in gleich sieben Kreisen und kreisfreien Städten Marktführer. In Bielefeld, Herne, den Kreisen Unna, Wesel, Lippe, dem Märkischen Kreis und dem Hochsauerlandkreis gehören ihm 20 bis 40 Prozent aller Ladepunkte. Selbst mit Ladekarte ruft Vaylens für schnelles Laden 60 Cent pro kWh auf.

Zum Vergleich: Im Hochsauerland zahlen E-Autofahrer mit Betreiberkarte im Mittel nur 52 Cent pro Kilowattstunde in den anderen Kreisen und Städten nur 51 Cent. Schnelles Spontanladen kostet bei Vaylens 71 Cent, langsames 61 Cent. In insgesamt 17 Kommunen aus Ostwestfalen, dem Sauerland, Bergischen und Münsterland gibt es beim Spontanladen schlichtweg keine Alternative zu den teuren Säulen von Vaylens.

Aber auch in vielen Großstädten scheint es, als ob lokale Energieversorger ihre Monopolstellung ausnutzen. In Solingen, Bottrop oder Dortmund stellen sie 40 bis 50 Prozent der Infrastruktur und verlangen Preise, die teils deutlich über denen anderer Anbieter liegen.

Prominentestes Beispiel ist aber Köln. Die Hälfte aller Ladepunkte ist in der Hand von RheinEnergie. Spontanladen ist hier nicht möglich, Schnellladen mit Karte für 59 Cent pro kWh. Das liegt 6 Cent über dem Durchschnittspreis in NRW. Genau diese 53 Cent pro kWh rufen die Stadtwerke Düsseldorf für ihre Ladesäulen auf. Sie betreiben in der Landeshauptstadt ebenfalls die Hälfte der Ladeinfrastruktur.

ADAC: Vor dem Laden unbedingt eine Vergleichs-App nutzen

Prof. Dr. Roman Suthold Leitung Verkehr und Umwelt, ADAC Nordrhein e.V.

Roman Suthold vom ADAC Nordrhein

Die Folge: Wer sich vor dem Laden nicht ausreichend informiert, kann schnell horrende Gebühren zahlen. Um das zu verhindern, empfiehlt Roman Suthold, Leiter des Bereichs "Verkehr und Umwelt" beim ADAC Nordrhein mehrere Maßnahmen. Das wichtigste sei, sich eine der Preisvergleichs-Apps herunter zu laden und regelmäßig zu nutzen. "Da können sie gucken, welche Ladekarte habe ich und was zahle ich an der entsprechenden Ladesäule oder von dem entsprechenden Ladesäulenanbieter für einen Preis", sagt er. "Und wenn man da auf den Preis guckt, also nicht einfach ansteckt und anfängt zu laden, sondern wirklich auch preisbewusst lädt, kann man wirklich sehr viel Geld sparen."

Zudem lohne es sich gegebenenfalls ein Abo mit einem der Ladekartenanbieter abzuschließen. Also einen monatlichen Grundpreis zu bezahlen und dafür dann an der Ladesäule einen günstigeren Preis pro Kilowattstunde zu bekommen. Je nachdem wie viel man pro Monat lade, müsse man entscheiden, ob man ein S-, M- oder L-Abo abschließe, mit niedrigem, mittlerem oder etwas höherem Grundpreis, sagt Suthold. "In der Regel kann man sagen, wenn man zwei- oder dreimal im Monat lädt, dann lohnt sich schon der M-Tarif bei den Anbietern."

Welches Abo-Modell man wählt hängt aber nicht nur davon ab, wie viel man lädt, sondern auch, wo man mit dem E-Auto unterwegs ist. Braucht man nur eine Lademöglichkeit, wenn man nicht in der Nähe der eigenen Wallbox ist, lohnt es sich nach einem Anbieter zu suchen, der bundesweit Ladepunkte anbietet. Braucht man hingegen eine Ladesäule in der Nachbarschaft, lohnt sich der Blick auf die lokalen Betreiber. Dazu unterscheiden sich die Abomodelle auch im Grundpreis enorm.

Mit einem Blick in unsere Vergleichstabelle könnt ihr checken, wie die Ladetarife in eurer Stadt sind oder in Kommunen, in die ihr vielleicht häufiger fahrt.

Unsere Quellen:

  • Analyse der Chargeprice-Daten von 216 Ladesäulenbetreibern und Anbietern in NRW
  • Anfrage an die Nationale Leitstelle Ladesinfrastruktur unter dem Dach der Nationalen Organisation für den Wandel in der Mobilität (NOW GmbH)
  • Interview mit Roman Suthold Leiter des Bereichs "Verkehr und Umwelt" beim ADAC Nordrhein
  • "Existiert Wettbewerb beim Laden von Fahrzeugen in Deutschland?", Beitrag von Mats Kahl und Prof. Dr. Thomas Wein in der "Zeitschrift für Verkehrswissenschaft", 1/2025
  • Beitrag der "Automobilwoche" über den Konkurrenzkampf auf dem Lademarkt

Hinweis der Redaktion, 8.5.2026, 13 Uhr:
In einer vorherigen Version haben wir geschrieben, dass es im Hochsauerland mehrere Kommunen ohne Schnellladesäulen gibt. Es betrifft aber nur eine Kommune. Das haben wir korrigiert und die Formulierungen im dazugehörigen Absatz präzisiert.

Sendung: WDR.de, "E-Auto-Laden auf dem Land oft teuer und langsam", 08.05.2026, 5:02 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 08.05.2026, 18:45 Uhr

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