Rettet Raps die Bauern in Aachen und der Region?
WDR. 03:16 Min.. Verfügbar bis 08.05.2028.
Lange goldene Feldstreifen prägen seit Wochen unsere Landschaft. Viele Menschen staunen über die riesigen Rapsfelder - und tatsächlich wächst die Anbaufläche für Raps in der Region rund um Aachen und Düren stetig.
Eine schlechte Nachricht: Mit der schönen Rapsblüte geht es langsam zuende. Die großzügige Sonne der vergangenen Woche hatte den Raps dazu verführt, seine goldene Blüten weit zu öffnen. "Der Regen zerschlägt jetzt die Blumen aber", bedauert Landwirt Stephan von Ameln aus Loverich.
Landwirt Stephan von Ameln baut viele Kulturen an, Raps macht nur ein Fünftel aus.
Trotzdem blickt er zufrieden auf die lange Blütezeit zurück. Während er einen grünen Stängel voller Schoten zwischen Daumen und Zeigefinger hält, erklärt er: "Je mehr der Raps aufblüht, desto mehr freuen wir Landwirte uns auch" - aus den Blüten entstehen die Schoten, und damit letztlich der Gewinn.
"Raps ist die Kultur, die zur Zeit am meisten Spaß macht" Landwirt Stephan von Ameln
Gerade bei Raps ist das eine gute Nachricht für die Landwirte: Anders als bei anderen Gewächsen, wie Weizen oder besonders Kartoffeln, ist der Rapspreis stabil - er steigt sogar leicht. Obwohl es oft um nur wenige Prozentpunkte geht, verschlimmern die sinkenden Preise eine schon problematische Lage vieler Betriebe: "Betriebsmittel wie Kraftstoff und Dünger sind auch bei uns viel teurer geworden", so von Ameln.
Raps kann keine Retterkultur sein
Viele unterschiedliche Landwirte liefern ihre Erträge an die Genossenschaft. Die werden beim Agrarhandel in Rommerskirchen gewogen, gelagert in großen silbernen Silos und an Fabrikanten weiterverkauft.
Heinz Klein berät Landwirte dabei, welche Kulturen sich am besten für ihre Felder eignen.
Agrarberater Heinz Klein zeigt die winzigen kleinen schwarzen Rapskörner: "Sie werden an die Rapsmühlen weiterverkauft, die Rapsöl daraus pressen. Das Restprodukt wird dann zu Tierfutter." Klein sieht, dass die Anbaufläche von Raps in NRW zunimmt - aber langsam. "Es ist ein Baustein der Rettung", sagt er. Denn Landwirte können nicht einfach komplett auf Raps umsteigen.
"Raps ist nur eine gute Kultur, wenn man die Fruchtfolge im Auge behält." Agrarberater Heinz Klein
Fruchtfolge bedeutet, dass Landwirte jedes Jahr ein anderes Gewächs auf dem Acker anbauen und zwischen mehreren Gewächsen wechseln. Würde man nur eine Kultur anbauen, so Klein, "dann legt man zu viel Druck auf die Parzelle, dann stellen die Schädlinge sich auf das Gewächs hin, es wird schnell krank und geht der Ertrag verloren." Raps sei eine sehr gute Anbaukultur und hinterlasse sehr guten Boden zum Beispiel für Gerste, die nachher angebaut werden könnte.
Raps allein kann nicht die Lösung sein
Die Rapsernte steht bevor
Von Ameln blickt über sein Feld. Zu Beginn des Frühlings haben ihm die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht Sorgen gemacht. Die vielen Sonnenstunden könnten die Ernte gerettet haben. "Das Wichtigste ist, dass die passende Witterung zur Ernte kommt. Da brauchen wir noch Trockenheit und viel Sonne", sagt von Ameln.
Und was brauchen Landwirte, wenn mehr Raps allein nicht ausreicht? Laut Klein brauche es auch in anderen Bereichen stabile Preise - zum Beispiel bei Kartoffeln. "Wenn Landwirte Kartoffeln für 50 Cent pro Kilo verkaufen oder sogar vernichten müssen, kann keiner davon leben. Innerhalb kürzester Zeit sind die Betriebe dann am Ende."
Unsere Quellen:
- Agrarkammer für die Getreidepreise
- Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Rettet Raps die Bauern in Aachen und der Region?, 08.05.2026, 17:38 Uhr