Beim Kontrollieren seiner Weiden hat Hendrik Dieckmann schon viel Müll gefunden
"Guck mal hier: Duplo und eine Colaflasche", sagt Hendrik Dieckmann, während er über die Weide geht. Der 33-Jährige wirft den gefundenen Müll in einen weißen Eimer, den er dabei hat. Gemeinsam mit seiner Frau Lisa Dieckmann hat er einen Milchviehbetrieb. Heute will der Landwirt den ersten Grünschnitt des Jahres durchführen. Deshalb sucht er mit seiner Frau die Weideflächen am Stadtrand von Münster ab - und findet immer wieder etwas. "Es ist schon erschreckend, was man alles an Müll findet und welche Mengen das später sind."
Die Müll-Ausbeute nach einer kurzen Suche der Dieckmanns
Das Gras ist teilweise so hoch, dass es den beiden bis zu den Knien reicht. Deswegen tragen sie Gummistiefel. "Es wird auch immer mehr", meint Lisa Dieckmann und wirft noch mehr Müll in den Eimer. Besonders Getränkedosen aus Aluminium sind ein Problem. Aber die Landwirte haben auch schon ganze Bierkisten im Feld gefunden. Die Flaschen waren zerschlagen, das Glas auf mehreren Quadratmetern verteilt. Wie Lisa und Hendrik Dieckmann damit umgehen, zeigen wir auch bei WDR Lokalzeit LandSchafft auf YouTube.
Mit Müll auf Feldern und Weiden kämpfen sehr viele Bauern in der Nähe von Städten, aber nicht nur sie. Immer wieder werfen Menschen ihren Abfall achtlos weg. Laut einer WDR-Umfrage zahlte allein der Landkreis Kleve im Jahr 2023 für die Entsorgung von illegalem Müll rund 20.000 Euro. Die mit Abstand höchsten Kosten der befragten Städte hatte Köln mit rund 13 Millionen Euro.
Klingt harmlos, kann lebensgefährlich sein
Was für viele harmlos wirkt, kann für Kühe lebensgefährlich sein. Das weiß auch Großtierärztin Sophia Wächter. Sie kennt das Problem: "Die Kühe umgreifen beim Fressen mit ihrer Zunge das Grasbüschel und alles, was sich gerade da befindet, wird einfach aufgenommen." Vor allem scharfe oder spitze Fremdkörper richten dann im Inneren der Kuh große Schäden an. "Die bohren sich in die Vormagenwand ein, durchstechen diese sogar teilweise und verletzen benachbarte Organe und im schlimmsten Fall das Herz", erklärt die Tierärztin. Diese Verletzungen enden oft tödlich - wie bei einem Landwirt im Sauerland, dessen Kuh vermutlich eine Alu-Dose gefressen hatte und deshalb eingeschläfert werden musste.
Tierärztin Sophia Wächter kennt sich mit Rindern aus und hat sogar eine eigene Kuh
Hundekot sei ein weiteres Problem. Der zersetzt sich erst nach drei Wochen. "Auch ein augenscheinlich gesunder Hund scheidet Parasiten aus", erklärt Tierärztin Wächter. Die werden beim Fressen von der Kuh aufgenommen. Das kann zur Unfruchtbarkeit der Muttertiere oder Totgeburten führen.
Weideverbot löst das Problem nicht
Auf den Flächen der Dieckmanns wachsen sattes Weide- und Feldgras, roter und weißer Klee - eigentlich ein Paradies für die Kühe. Aber die Tiere dürfen schon seit acht Jahren nicht mehr auf die großen Weiden. Schade, findet Hendrik Dieckmann: "Für die Tiere ist es natürlich schön, wenn die wirklich viel auf der Weide laufen können." Aber das Risiko wurde einfach zu hoch, dass eine Kuh Blech-, Plastik- oder Glasteilchen verschluckt und dann in Lebensgefahr gerät.
Aber mit dem Weideverbot ist das Problem nicht gelöst. Die Kühe bleiben auf dem Hof, aber ihr Futter wächst weiter auf den Weiden. Die werden drei bis vier Mal im Jahr gemäht, anschließend wird der Grünschnitt gehäckselt. Anschließend wird es im Futtermischwagen mit Mais, Getreide und Stroh zu Futter vermischt. So haben Hendrik und Lisa Dieckmann einen fast geschlossenen Futterkreislauf auf ihrem Hof.
In diesem Grünschnitt befindet sich hoffentlich kein Müll
Trotzdem kann eine Gefahr nicht ausgeschlossen werden, erklärt Milchbauer Dieckmann: "Das Risiko besteht weiterhin, dass Müll und scharfe Gegenstände durchs Futter, was wir auf den Wiesen geerntet haben, in den Stall gelangt." Zu oft hat der 33-Jährige schon Fremdkörper im Futter gefunden.
Einzige Lösung: Flächen kontrollieren
Einige Bauern setzen auf einen Magneten in der Kuh. Der wird dem Tier durch das Maul direkt in den Magen gelegt und soll Müll wie Kronkorken anziehen, bevor er im Körper Schäden anrichten kann. Doch der Magnet löst das Problem nur teilweise. Denn er funktioniert natürlich nur bei magnetischen Gegenständen.
Seid so fair, nehmt euren Müll wieder mit nach Hause. Er gehört nicht auf unsere Felder, wo unser Tierfutter produziert wird. Es könnten auch Lebensmittel für euch sein und ihr wollt keinen Müll auf dem Teller haben. Hendrik Dieckmann, Milchbauer
Damit der Müll auf dem Acker nicht zum lebensgefährlichen Problem wird, bleibt für Hendrik und Lisa Dieckmann letztendlich nur eine Lösung: Die Flächen Meter für Meter absuchen. Die intensiven Kontrollen der Weiden vor jedem Grünschnitt sollen das Risiko reduzieren.