Franziska und Ralph Schulze Mönking stehen neben einem Strauch mit reifen Junibeeren

Haben die Junibeere für ihren Hof entdeckt: Franziska und Ralph Schulze Mönking

Frucht von früher: Wie die Junibeere in Senden ein Comeback erlebt

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Süß, saftig, gesund, vielseitig. Die Junibeere ist eine Super-Frucht. Aber kaum jemand kennt sie heute noch. Wie zwei Landwirte aus Senden das ändern wollen.

Von Stefan Weisemann (Text) und Markus Wollnik (Multimedia)

Franziska Schulze Mönking hat ein rotes Gerät in der Hand, das ein bisschen aussieht wie eine Kehrschaufel. Allerdings eine Kehrschaufel mit einem Kamm vorne dran. Mit diesem Erntekamm fährt die 35-Jährige gleichmäßig an einem Zweig mit Beeren entlang. Von unten nach oben. Jede Beere macht leise "Plöpp", als sie in den Behälter am Erntekamm fällt.

Die Beeren, die sie hier auf dem Hof in Senden erntet, sind besondere Beeren. Sie sind dunkelrot bis blau-schwarz, sehen aus wie Blaubeeren. Das sind sie aber nicht. Es sind Junibeeren, die Früchte der Felsenbirne. Eine seltene Frucht in Deutschland. Auch Schulze Mönking und ihr Mann Ralph haben sie nur durch Zufall kennengelernt.

Wie die Junibeere nach Senden kam

00:23 Min. Verfügbar bis 08.08.2027

Vor einigen Jahren standen Franziska Schulze Mönking und ihr Mann vor der Frage: Wie geht es mit dem eigenen Hof in Senden weiter? Bisher drehte sich dort fast alles um die Schweinezucht. Aber es sollte ein zweites Standbein her. "Dann ist mir die Junibeere wieder eingefallen", sagt sie. "Ich wusste von niemandem, der das anbaut, und habe mich gefragt: Warum?".

Junibeere wird selten angebaut

Im Jahr 2024 wurden in NRW knapp 7600 Tonnen Strauchbeeren geerntet, sagen die Landesstatistiker von IT.NRW. Vor allem Kulturheidelbeeren sowie schwarze und rote Johannisbeeren. Die Junibeere taucht in der Statistik gar nicht auf. Kein Wunder, ist sie doch in Deutschland kaum noch verbreitet. Früher war das mal anders. Da wurde die Felsenbirne noch öfter angebaut, teilweise wurden die Beeren auch als Rosinenersatz verwendet. "Die Indianer haben sie sogar als Medizin eingesetzt", sagt Franziska Schulze Mönking.

An einem Strauch hängen viele violett-schwarze Junibeeren

Eine Frucht mit vielen Vorteilen: die Junibeere

Heute ist die Felsenbirne unter anderem in Kanada sehr beliebt. Denn sie ist eine echte Super-Frucht: "Man kann sie gut anbauen, sie ist sehr robust gegenüber Trockenheit und Nässe, sie hat kaum Schädlinge. Trotzdem schmeckt sie sehr gut und ist super gesund."

Die Schulze Mönkings haben auf ihrem Hof 4500 Felsenbirnen angepflanzt. Dann hieß es warten. Denn erst nach drei Jahren konnten sie in diesem Sommer das erste Mal ernten. Also auch testen, ob ihre Geschäftsidee wirklich funktioniert. "Jetzt haben wir endlich mal ein Erfolgserlebnis", sagt Ralph Schulze Mönking, während auch er mit dem Erntekamm eine Junibeere nach der anderen von den Zweigen holt. "Jetzt machen wir Produkte daraus, mit denen wir dann auch langfristig weitermachen können."

Viele Produkte aus der Junibeere

Ihre erste Ernte haben die Schulze Mönkings fast komplett an einen Prosecco-Hersteller weitergegeben, der daraus einen Junibeeren-Secco macht. Doch die Beere ist vielseitig, zeigen vor allem viele Produkte in Kanada. "Da gibt es Chutney, Fruchtmus, Liköre, Fruchtsecco oder Weine", sagt Franziska Schulze Mönking und rührt in ihrer Küche in einem großen Topf. Sie kocht Junibeeren-Marmelade.

Wie die Junibeeren-Marmelade schmeckt

00:21 Min. Verfügbar bis 08.08.2027

Und die schmeckt wie eine Mischung aus Heidelbeere, Kirsche und Pflaume. "Wer Heidelbeeren kennt, liebt die Kupferfelsenbirne", sagt Kornelia Conring. Sie ist Kundin auf dem Hof in Senden und hält einen großen Eimer voll mit frisch geernteten Junibeeren in den Händen. Kundin Marlen Körner findet die Beeren "lecker, erfrischend, einfach mal was Neues".

Etwas Neues testet auch Ralph Schulze Mönking. Auf dem Gartentisch auf der Terrasse hat der 33-Jährige zwei große silberne Bottiche und mehrere andere Behälter aufgestellt. Der studierte Landwirt hat vor Kurzem das Bierbrauen für sich entdeckt. Doch diesmal soll es kein normales Bier werden, sondern ein "wunderschönes, leckeres, rotes Beeren-Bier". Wie es schmeckt? Das wird er erst nach einigen Wochen wissen.

  • Zum Beitrag: Schwarz, Rot, Gold: Wie ein Hobbybrauer das Deutschlandbier entdeckte

Doch schon jetzt sind die Schulze Mönkings von ihrer ersten Junibeeren-Ernte begeistert, ebenso ihre Kunden: "Wir haben bisher nur positive Rückmeldungen bekommen, alle möchten zukünftig noch mehr von uns haben." Mehr wird es wohl werden. Denn nach einigen Jahren trägt jede Felsenbirne rund sechs bis acht Kilo Früchte. Dann werden die Schulze Mönkings Hilfe brauchen bei ihrer Mission: dem Comeback der Junibeere.

Über dieses Thema berichten wir auch am 11.08.2025 im WDR Fernsehen: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.

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